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Württembergisches Staatskirchenrecht (de)

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Deutschland > Öffentliches Recht > Verfassungsgeschichte > Staatskirche
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Nachdem der württembergische Herzog Ulrich im Jahr 1534 mit Hilfe von protestantischen Verbündeten die Regierungsgewalt in Stuttgart wieder übernommen hatte, führte er im ganzen Herzogtum die neue lutherische Konfession als Staatskirche ein.

Hierzu zog er die römisch-katholischen Kirchen- und Klostergüter nicht für sich und seine fürstliche Kammer ein, sondern bestimmte deren Einkünfte zur Besoldung der Pfarrer, der Kirchen- und Schuldiener, zur Erhaltung der Kirchen und Schulen sowie für den „Armenkasten“.

Er und seine dynastischen Nachfolger erließen in der Folgezeit bis zur Gründung des Deutschen Reiches 1871 zahlreiche staatliche Kirchengesetze, die im Fürstentum und späteren Königreich Württemberg für Religionsfrieden sorgen sollten. Die erste württembergische „Gemein-Kirchen-Ordnung“ stammt aus dem Jahr 1536. Im Folgejahr 1537 nahm Herzog Ulrich am Bundestag in Schmalkalden in Thüringen teil, wo auch der Kurfürst von Sachsen, die beiden Herzöge von Lüneburg, Philipp von Pommern, der Landgraf von Hessen, drei Fürsten von Anhalt, Graf Albrecht von Mannsfeld sowie zahlreiche bürgerliche Abgesandte aus Freien deutschen Reichsstädten anwesend waren. Der christliche Kaiser hatte seinen Vizekanzler entsandt, um die Lage im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu erörtern.

Herzog Ulrich blieb jedoch konsequent. Er sagte: "dass dasjenige, was er in der Religionssache vorgenommen, zur Förderung der Ehre Gottes, zur Pflanzung seines heilsamen Worts, zur Ausrottung aller ärgerlichen Missbräuche und des ungottseligen Klosterwesens, zu Trost und Hilfe der gefangenen Gewissen, zu Schonung und Versorgung der Armen, zur Unterhaltung der Kirchen und Spitäler, und Land und Leuten zum Besten geschehen sei." [1]

Die Synodal- und die Visitationsordnung zur staatlichen Rechtsaufsicht wurden dann erstmals 1547 erlassen. Für die neu eingerichteten ‚Visitationsanstalten’ arbeiteten als fürstliche Räte („Inquisitoren“) sowohl Gelehrte der heiligen Schrift, Rechtsgelehrte, Adelige als auch Mitglieder der ehrbaren Bürgerschaft. Denn aus Mangel genügender Aufsicht über die Prediger waren damals Irrtümer in der Lehre zu befürchten. Außerdem sollte einem unanständigen Leben der nun nicht mehr notwendigerweise zölibatär lebenden Prediger frühzeitig vorgebeugt werden. So bestand die neue Staatskirche bald aus 23 Dekanaten, die die Kirchen- und Gemeindeverwaltungseinheiten für das Herzogtum Württemberg bildeten.

Die Visitationsräte wählten die 23 Dekane aus; den Dekanen wurde jeweils die Aufsicht über alle Geistlichen ihres Gemeindebezirks anvertraut. Einmal im Jahr fand überall die gesetzlich angeordnete Visitation statt, bei der die Lehre, die Studien, der Wandel der Pfarrer und der ganze Zustand der Gemeinden untersucht wurden. Gefundene Fehler wurden direkt angesprochen und geklärt oder auf der nächsten Synode vorgetragen. Vergehen wurden kirchenintern disziplinarisch verfolgt. Die religiöse Reformation in Württemberg stellte also zugleich, d.h. rechtspraktisch eine Verwaltungsrechtsreform mit allmählicher europäischer Ausstrahlungswirkung dar ...


Fußnoten

  1. Kirchengesetze des Herzogtums Württemberg, Johann Georg Hartmann, 1. Band, Stuttgart, Akademische Buchdruckerei, 1792

Siehe auch

De flag.png Den Begriff Württemberg UND Staatskirchenrecht im deutschen juristischen Web finden
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