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Stuttgart

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Rechtsvergleichung oder religionsphilosophische Betrachtung

Der schwäbische Dichter Eduard Mörike (1804 – 1875) aus Ludwigsburg hat in seinem Werk „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ einen Stadtgründungsmythos für Stuttgart entworfen, der eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit mit dem griechischen Stadtgründungsmythos von Theben hat. Nachweislich hatte Mörike eine theologische Ausbildung in Tübingen durchlaufen und war sicherlich ein Kenner der Sagen des klassischen Altertums. In der Geschichte „Kadmos und die Gründung von Theben“ wird ein ausländischer Prinz der Phönizier aus der Dynastie des Königs ‚Agenor‘ mit Hilfe der griechischen Stadtgöttin „Athene“ zum standesgemäß integrierten griechischen Stadtstaatsoberhaupt in „Hellas“, nordwestlich von Athen erhoben. Der Name seiner neuen königlichen Siedlung wurde aus Ägypten überliefert. Die altägyptische Stadt Theben wurde später ‚Luxor‘ genannt und lag am Nil in der Nähe von ‚Karnak‘. Ägyptisch-Theben war das religiöse Zentrum des theokratischen Neuen Reiches von Ägypten gewesen, das im siebten vorchristlichen Jahrhundert von den Assyrern aus deren damaliger Residenzstadt ‚Ninive‘ zerstört wurde. ‚Ninive‘ lag am Fluss Tigris in der Nähe der heutigen irakischen Stadt ‚Mossul‘.

Griechisch-Theben wurde damals wohl in Böotien als Asylstadt gegründet, auf dem nach dem phönizischen Prinzen und ersten König genannten „Kadmeiahügel“. Die mächtig gewordene Königsstadt konnte ihre Unabhängigkeit nur wenige Jahrhunderte gegen die europäischen Dynastien verteidigen. Im Jahr 335 vor Christus besiegte der makedonische Prinz Alexander, der Große (356 – 323 v. Chr.), die Thebaner und zerstörte ihre Stadt. Der alte, kriegerische Gründungsmythos erzählte vom Einsäen von Drachenzähnen in die Erde nach dem Sieg des Prinzen als Drachentöter. Durch den Zauber der Kriegsgöttin „Pallas Athene“ wurden diese Zähne dann zu einem königlichen Gefolge für den neuen siegreichen Herrscher der phönizischen Kolonie auf griechischem Boden.

Für Stuttgart wurden diese bildhaften Kriegermotive von Eduard Mörike friedenbringend humorvoll abgewandelt: aus der kriegerischen Stadtgöttin „Pallas Athene“ wurde der Hauskobold „Hutzelmann“; aus dem phönizischen Prinzen ‚Kadmos‘ wurde der schwäbisch-staufische Graf Konrad I. von Wirtemberg (1083 – 1110); aus dem Höhlendrachen wurde ein krebsförmiger zauberkräftiger Stiefelknecht aus Holz; aus den Drachenzähnen wurden die Stiefel und Bundschuhe von Bauern aus dem schwäbischen Dorf „Bupsingen“, die dieser Stiefelknecht beim nächtlichen Birnendiebstahl im feudalen Nesenbachtal eingefangen und den Dieben ausgezogen hatte (= Beute von dreißig Schuhen der Birnendiebe, die – statt der Diebe - im gräflichen Pferdestall an die Wand genagelt wurden); aus dem königlich-griechischen Rittergefolge wurden kleine zierliche Rösslein, Rappen mit Sattel und Zaumzeug, die von Rossbuben geführt wurden.

Das springende schwarze Ross ohne Reiter ist heute das Stuttgarter Wappentier, denn die Siedlung um das ehemalige gräfliche Gestüt von Konrad von Wirtemberg aus dem 11. Jahrhundert wurde etwa um das Jahr 1250 (= Todesjahr von Stauferkaiser Friedrich II.) von den badischen Zähringern zur Stadt ‚Stuttgart‘ erhoben. Damals hatten sich die kaisertreuen, „ghibellinischen“ Wirtemberger mit den Zähringern von Baden verbündet und bald waren sie auch miteinander verschwägert durch ein römisch-katholisches Ehesakrament. Deshalb heißt der deutsche Gliedstaat um die Landeshauptstadt Stuttgart heute – rechthistorisch passend bzw. korrekt – Baden-Württemberg.

Der „Bundschuh“ war zu Beginn des 16. Jahrhundert das Feldzeichen der bäuerlichen Revolutionäre, die nach dem Tübinger Vertragsabschluss von 1514 im vorreformatorischen „Bauernkrieg“ gegen die absolutistische römisch-katholische Feudalherrschaft kämpften. Diese Herrschaft von Urach und Stuttgart war unter dem Kreuzritter Graf Eberhard I. im Barte (1445 – 1496) und mit dessen Universitätsgründung in Tübingen gefestigt worden. Der Graf hatte im Jahr 1488 selbst den Schwäbischen Bund mitgegründet und im Jahr 1495 wurde Württemberg vom Deutschen König zum Herzogtum erhoben. Der Schwäbische Bund schlug zunächst 1525 in mehreren Schlachten (u.a. in Böblingen) die aufständischen Bauern vernichtend und vollstreckte zahlreiche standrechtliche Todesurteile an der männlichen bäuerlichen Bevölkerung. Aber auch Herzog Ulrich von Württemberg war schließlich vom Schwäbischen Bund aus seiner Residenzstadt Stuttgart nach Hessen zu seinen Verwandten vertrieben worden. Auf dem ersten Reichstag in Speyer wurde dann im Jahr 1526 von den Reichsständen das Landeskirchentum für das ganze Heilige Römische Reich Deutscher Nation als eine erste notwendige Rechtsreform beschlossen. Diese südwestdeutsche Reichsreform führte Europa zusammen mit Martin Luthers ostdeutscher Kirchenreform allmählich und leider auch kriegerisch zum heutigen demokratischen Föderalismus. Der in Hessen zum lutherischen Protestantismus konvertierte Herzog von Württemberg durfte im Jahr 1534 als Regent nach Stuttgart zurückkehren. Mögen alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter aus ihrer grenzwertigen Stadtgeschichte Friedfertigkeit und religiöse Toleranz lernen!


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Siehe auch

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