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Spruchweisheit

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Inhaltsverzeichnis

Nationale Ausprägungen von Weisheit

Rechtshistorische Betrachtung

Die Spruchweisheit als Rechtsbegriff geht auf das griechische Orakel als einem der nationalen Ahnenkulte der Menschheit zurück. Der Ahnenkult stammt ursprünglich aus Asien, wo er heute noch praktiziert wird. Der Pharaonenkult stammt bekanntlich als Gottkönigskult aus Ägypten. Die menschliche Völkerwanderung von Osten nach Westen und von Süden nach Norden brachte diese Gewohnheitsrechte auch nach Europa. Die christianisierten Römer bekämpften alle heidnischen Kulte bis 1806 erfolgreich mit Hilfe des Heiligsprechungsmonopols des Papstes und durch christliche Kindererziehung.

Orakelstätten bzw. Orakelheiligtümer als Orte der ersten Wortsakramente waren im antiken Europa weit verbreitet. Sie waren entweder den Ahnen des jeweiligen Volksstammes oder dem Stammesgott bzw. der Stammesgöttin geweiht. Den Unterschied zwischen Ahnenkollektiv und personalem Gott können in der Regel nur Juristen und Juristinnen – durch ihr abstraktes Denkvermögen – erkennen. Sie nannte man daher früher Eingeweihte ...

Die berühmtesten Orakelstätten waren – bedingt durch die menschliche Gier – natürlich auch die teuersten. Die Gutgläubigen hielten die teuersten Wallfahrtsorte mit den prächtigsten Tempelbauten dann für die besten, nach dem Erfahrungsgrundsatz, was viel kostet, ist viel wert. Entsprechend groß war später die Enttäuschung der Betrogenen ...


Rechtssoziologische Betrachtung

Die Weissagung in der Antike wurde von bis zu drei Priesterinnen (= Sybillen) vorgenommen. Sie saßen unter Eichen und hörten auf das Rauschen der Blätter, warfen Stöckchen, betrachteten das Eingeweide von Opfertieren, beobachteten den Rauch und/oder Schattenwurf des Feuers an Höhlenwänden, tranken aus heiligen Quellen (mit Zusätzen?) und gaben gleichnishafte Antworten auf die an sie gestellten Fragen in griechischer Rechtssprache. Dieses alte matriarchalische Gewohnheitsrecht in Europa hat im unbewussten Brauchtum überlebt und „trägt neue Früchte“ in gruppendynamischen Prozessen, z.B. das Phänomen der Geomantie oder neuschamanistische Heilungspraxen.

Die weiterlebende Liebe zu den Toten ist der emotionale Ursprung von Orakeln. Die ehemalige Macht der Verstorbenen wurde durch magische Beschwörungen der Witwe spielerisch bzw. virtuell am Leben erhalten. Dies diente dem Erhalt der Lebenskraft des Familienverbandes. Trauerprozesse zuzulassen war in der Antike lebensgefährlich. Deshalb sprach die Alphawitwe solange mit dem toten Stammesführer, bis sie einen neuen Ehemann als Vater für ihre zahlreichen Kinder gefunden hatte.

In Griechenland hatten Orakel auch für das einfache Leben am Wohnort Bedeutung. So wurden die Priesterinnen zum Beispiel auch nach „verlorenen“ Gegenständen gefragt und bei familiären Problemen konsultiert. Die wichtige soziale Funktion der späteren Diakonissen kann in den altgriechischen Sitten heute erkannt werden. Die entscheidende Rechtsfortbildung zum Diakonat ist die Trennung von Dienst und Bezahlung ...


Rechtshistorische und literaturgeschichtliche Betrachtung

Vom altrömischen Geschichtsschreiber 'Tacitus' (ca. 55 - 120 n. Chr.) wurde die reale Existenz der keltisch-germanischen Schamanin „Veleda“ vom Stamm der Brukterer im Münsterland folgendermaßen an uns überliefert: „Dies war eine Jungfrau aus dem Stamm der Brukterer, die weithin Macht besaß, nach altem Brauch der Germanen, viele Frauen für Seherinnen zu halten. Das Ansehen der Veleda stieg beträchtlich, denn sie hatte den Germanen Erfolg und Vernichtung der Legionen vorhergesagt. Ihr Anblick wurde verwehrt um größere Ehrfurcht einzuflößen. Sie wohnte in einem hohen Turm und ein von ihr dazu ausgewählter Verwandter überbrachte die Fragen und Antworten wie der Mittelsmann einer Gottheit. Tacitus (Hist. IV, 61-65)“[1]

Die Seherin wurde wohl nach den rechtsrheinischen Germanenaufständen, die der Römische Kaiser Vespasian (9 - 79 n. Chr.) teilweise grausam niederschlagen ließ, als Geisel zur weiteren Friedenssicherung nach Rom mitgenommen. Im Jahr 70 n. Chr. hatte die Schlacht der Römer gegen die Germanenstämme bei der heutigen Stadt Xanten (lateinisch: ‚Vetera‘) stattgefunden, die mit einem von der Seherin „abgesegneten“ Friedensschluss beendet worden war. Jedoch wurde die Seherin neun Jahre später gefangen genommen und kurz vor Ausbruch des italienischen Vulkans „Vesuv“ nach Rom deportiert. Dort verliert sich ihre historische Spur … --> Titel, Hermetische Literatur


Märchenbetrachtung

Im Märchen „Rapunzel“ der deutschen Juristenbrüder Jakob und Wilhelm Grimm (1785/86 – 1863/1859) wird an den religiösen Zeitenwechsel vom gewohnheitsrechtlichen Schamanismus zum königlichen Patriarchat verschlüsselt erinnert.

Nach einem erfolgreichen, aber verbotenen Fruchtbarkeitszauber mit gestohlenen Rapunzelpflanzen aus dem Kräutergarten der Schamanin (= Zauberin) bekam das Täterpaar ein Mädchen als gemeinsames Kind. Die Schamanin verlangte als Preis/Tausch für den Zauber, das Kind nach alter Sitte erziehen zu dürfen. Dies geschah zunächst. Das Mädchen erhielt den Namen ‚Rapunzel‘ und wurde mit zwölf Jahren, d.h. vor Eintritt seiner Fortpflanzungsfähigkeit bzw. Monatsregel, als Jungfrau in einen Turm gesperrt. Die langen goldenen geflochtenen Haare des Mädchens dienten der Zauberin als Kletterseil zum Turmzimmer. Der vereinbarte Zugangscode lautete: „Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“

Die „Schamanin in Ausbildung“ zog mit ihrem schönen Gesang im Wald eines Tages den vorbeireitenden Königsohn in ihren Bann. Er belauschte die beiden Frauen beim Turmzugangsritual und wandte anschließend als Ungläubiger dieses Ritual selbst erfolgreich an. Jedoch war seine Absicht eine egoistische, denn er wollte die Geliebte für sich gewinnen. Nach einer märchenüblichen harten Liebesprobe fanden die von der Zauberin vorsätzlich getrennten Liebenden schließlich wieder zusammen und konnten im väterlichen Königreich (christlich) heiraten.


Fußnoten

  1. Franjo Terhart, Im Zeichen der Wölfin, Seite 9, dtv junior, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 2. Auflage, München 1999

Siehe auch

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