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Spieltheorie in der Rechtsphilosophie

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Analyse des Gefangenendilemmas von Neusustrum mit Hilfe der modernen Spieltheorie

Nennen wir einmal zwei der Neusustrumer KZ-Gefangenen "David", der Schwache, und "Goliath", der Starke. Die einzige Wahl, die die beiden Männer täglich bei der Zwangsarbeit im Moor hatten, war die Entscheidung zwischen Aufgeben mit der Folge zu sterben und Weiterarbeiten unter Leiden. Wenn sich jedoch "David" und "Goliath" zusammentaten, dann hatten beide im realen Überlebenskampf Vorteile davon. "David" brauchte noch nicht aufzugeben und fand Trost, weil ihm von einem stärkeren Mitgefangenen brüderlich geholfen wurde. "Goliath" musste dafür nicht so oft entwürdigend exerzieren, weil "David" schneller mit seinem Pensum fertig wurde. Die dem Menschen in der Not möglichen vier Verhaltensstrategien, die anhand dieses schrecklichen Falles nun im Licht der Spieltheorie betrachtet werden sollen, sind:

1. Verhaltensstrategie: Weiterleben um jeden Preis (mit 1 bewertet)

2. Verhaltensstrategie: Sterben aus Enttäuschung (mit 0 bewertet)

Diese zahlenmäßige Bewertung mit 0 und 1 stellt für das sicherlich unbestrittene Ziel eines gesunden menschlichen Überlebenswillens (als übergeordneter Sinn alles menschlichen Seins) eine zwingende formallogische Norm dar. Diese Norm fand dann als moralische Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg in der Erklärung der Menschenrechte 1949 ihren humanitären juristischen Ausdruck.

3. Verhaltensstrategie: Kooperation bei der Zwangsarbeit

4. Verhaltensstrategie: Alleinig leiden bei persönlicher Überforderung (= Leidensspirale)


Wendet man die wissenschaftliche Spieltheorie auf diesen Extremfall an, dann ergibt sich ein erstaunliches Bild: Der menschliche Egoismus reduziert sich im Angesicht des Todes auf das Notwehrrecht und kann aus reinem Lebensegoismus zur brüderlichen Kooperation führen.

Die Präferenzen des orthodoxen Gefangenendilemmas im Spiel sind jedoch gemäß der Spieltheorie ganz andere. Dort, also beim freien Spiel der menschlichen Kräfte (= Wettbewerb), ist das nicht-kooperative Ergebnis dominant. Für diesen Widerspruch könnte es folgende Erklärung geben: Beim existenziellen Gefangenendilemma im wirklichen Leben wie in Neusustrum war den Männern rein physisch keine rationale Wahl mehr möglich. Der gewöhnliche Mann wird in lebensbedrohlichen Situationen nur noch von seinen Überlebenstrieben affektiv gesteuert. Sein rationales Denkvermögen wird dann völlig vom Affekt dominiert. Er kämpft praktisch um sein Leben, auch wenn er dies nicht immer unmittelbar erkennt.

In dieser Lage wird das menschliche Gewissen durch die unerbittliche Lebenspraxis stark dazu herausgefordert, seine ganz individuelle Entscheidung zwischen Unrechttun und Unrechtleiden zu treffen. Moderne Sozialwissenschaftler und Sozialwissenschaftlerinnen könnten an dem schrecklichen Fall des KZs Neusustrum logisch-empirisch das erstaunliche Phänomen einer Art von natürlicher Moralität des Menschen in ihrer spieltheoretischen Analyse und Darstellung erkennen. Unter Zwangsverhältnissen führen die Präferenzen des Menschen – konträr zur klassischen Spieltheorie – zur Dominanz der dritten obengenannten Verhaltensstrategie: zur Kooperation.

Es dürfte sich bei diesem menschlichen Verhaltensphänomen wohl um eine Äußerung der gleichen Naturanlage handeln, die schon der griechische Philosoph Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) erkannt und mit dem griechischen Begriff „zôon politikón“[1] bezeichnet hatte.

Fußnoten

  1. Aristoteles, Politik, 1. Buch, 2. Kapitel: Ursprung und Werden des Staates

Siehe auch

International.png Den Begriff Spieltheorie Rechtsphilosophie im weltweiten juristischen Web finden