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Sozialstaatliche Balance (de)

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Inhaltsverzeichnis

Immanuel Kants freiheitliche Staatsrechtsbegründung

Der deutsche Philosophieprofessor Immanuel Kant begründet die Notwendigkeit der Staatsgewalt nicht mit der geschichtlichen Erfahrung der unabänderlich erscheinenden Gewalttätigkeit des Menschen, sondern - sensationell neu - logisch-empirisch als a priori Grundsatz der praktischen Vernunft: „man müsse aus dem Naturzustande, in welchem jeder seinem eigenen Kopfe folgt, herausgehen und sich mit allen anderen (mit denen in Wechselwirkung zu geraten er nicht vermeiden kann) dahin vereinigen, sich einem öffentlich gesetzlichen äußeren Zwange zu unterwerfen, also in einen Zustand treten, darin jedem das, was für das Seine anerkannt werden soll, gesetzlich bestimmt, und durch hinreichende Macht (die nicht die seinige, sondern eine äußere ist) zu Teil wird, d.i. er solle vor allen Dingen in einen bürgerlichen Zustand treten.“[1]

Männer und Frauen sind jeweils auf gleiche formale Art durch ihre Staatsbürgerschaft dem Gesetz ihres Heimatstaates unterworfen. Dieser bürgerliche Zustand ist nach Kant aber keine Unfreiheit, sondern der Mensch „hat die wilde gesetzlose Freiheit gänzlich verlassen, um seine Freiheit überhaupt in einer gesetzlichen Abhängigkeit, d.i. in einem rechtlichen Zustande unvermindert wieder zu finden; weil diese Abhängigkeit aus seinem eigenen gesetzgebenden Willen entspringt.“[2] Kant unterscheidet somit zwei Arten von Freiheit: die wilde gesetzlose des Naturzustandes, die zur egoistischen Unmäßigkeit strebt, und die gesetzlich garantierte Freiheit, die sozial verträglich sein muss und daher logischerweise grundrechtlich begrenzt ist. Durch die Staatsbürgerschaft in der Demokratie wird dieser individuelle gesetzgebende Wille fingiert, auch wenn der oder die Einzelne sich noch nicht wirklich wie ein Glied seines oder ihres Heimatstaates fühlt und es ihm oder ihr daher noch leicht fällt, gegen dessen staatliche Gesetze zu verstoßen. Geschäftsfähigkeit, Rechtschaffenheit und Rechtstreue sind persönliche Eigenschaften, die sich jeder Mensch – ob Mann oder Frau - erst während seiner Sozialisation erwerben muss. Hierzu kann die Ehe und das liebevolle Miteinander innerhalb einer guten Familie einen zukunftsentscheidenden Beitrag leisten. Familien stellen die kleinsten Organeinheiten von Staaten dar. Vielleicht werden wir eines Tages ihre „Heiligkeit“ - durch ein persönliches Erlebnis vermittelt - wiedererkennen.


Neurowissenschaftliche Betrachtung

„Die Fähigkeit, quasi beliebige Informationen zu verknüpfen, zeichnet den menschlichen Geist aus, aber ebenso die Fähigkeit, die Fülle zu bändigen und in sinnvolle Bahnen zu lenken. … In der Antike hatte Aristoteles zwei (2) Grundmechanismen des Denkens vermutet: zum einen die Assoziation, das Zusammenfügen von Vorstellungen in neuen Verbindungen; und zum anderen die Logik, die gesetzmäßig zu neuen, richtigen Vorstellungen führt. Vom Beginn des 19. bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dann die Assoziation als Grundfunktion des Gehirns betont. Forscher hofften, mit ihr letztlich die geistigen Vorgänge erklären zu können. … Die Menge der Fasern, die ins menschliche Gehirn hinein- und hinausgehen, beträgt nur etwa ein Hunderttausendstel der internen Verbindungen. Schon die Anatomie des Großhirns suggeriert somit, dass es als wahre ‚Informationsmischmaschine‘ vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, … Wenn aber in der Gedankenfabrik Gehirn Beliebiges mit Beliebigem verknüpfbar ist: Wie kommen dann Struktur, Ordnung und letztlich Sinn in die Hirnprozesse und damit auch in das Lernen? Das Zauberwort scheint hier nicht ‚Überwachung‘, sondern ‚Balance‘ zu heißen. Oder genauer gesagt: Im Gehirn regiert keine unabhängige oberste Kontrollinstanz. Vielmehr bilden Strukturen ständig wechselnde Koalitionen; ihr Wechselspiel macht die geistige Tätigkeit aus und bestimmt, was gelernt wird.“[3]


Fußnoten

  1. Immanuel Kant, Rechtslehre, A 163, B 193
  2. Immanuel Kant, Rechtslehre, A 169, B 199
  3. GEO-Serie „Wie das Wissen in den Kopf kommt“, Teil 1, Franz Mechsner, GEO – Das neue Bild der Erde, Nr. 10, Oktober 2004, Seite 179 – 181, Gruner + Jahr AG & Co. KG, Hamburg

Siehe auch

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