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Sonnengleichnis

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Das berühmte Platonische Sonnengleichnis aus der „Politeia“ stellt eine rechtsphilosophische Orientierungslegende für heranwachsende Akademie- und Militärakademieschüler dar. Der versteckte Lerninhalt dieser „Legende“ ist und bleibt es, dem Schüler und der Schülerin den ethischen Unterschied zwischen guten und bösen Handlungen gleichnishaft klar zu machen. Interpretiert man diesen Text nach grammatikalischer Auslegung der Rechtswissenschaft in unsensibler Weise, dann führt er die Rechtsphilosophen zum Absolutismus als der „guten“ Staatslehre. Der französische Sonnenkönig war ein rechtshistorisches Beispiel für diesen häufig erlittenen männlichen Irrtum. --> Gemischter König

Das dialogische Sonnengleichnis geht so:

„Der Gesichtssinn und das Vermögen der Sichtbarkeit sind also durch ein Band verbunden, das um nicht weniges kostbarer ist als die Bindungen bei den andern Sinnesorganen – es wäre denn das Licht wertlos!“ „Davon kann keine Rede sein!“ „Wen von den Göttern bezeichnest du als die Ursache dafür? Wer spendet das Licht, durch das unser Auge alles aufs schönste sieht, alles Sichtbare gesehen werden kann?“ „Ich meine denselben wie du und alle andern: Helios, der Sonnengott, ist es klarerweise, nach dem du fragst.“ „Das Verhältnis der Sehkraft zu diesem Gott ist doch folgendes?“ „Welches?“ „Weder die Sehkraft selbst noch das Organ, in dem sie wohnt, das wir Augen nennen, ist Helios?“ „Nein!“ „Aber das Auge ist doch das sonnenhafteste unter allen Sinnesorganen?“ „Bei weitem!“ „Auch die Sehkraft hat es von der Sonne zugeteilt erhalten wie einen Strom, der ihm zufließt.“ „Gewiss!“ „Somit ist die Sonne nicht die Sehkraft, wohl aber ihre Ursache und wird von ihr gesehen.“ „So ist es.“ „Diese Sonne – das kannst du als meine Ansicht verkünden – ist jener Spross des Guten, den sich das Gute als Abbild seiner selbst gezeugt hat: was es selbst in der Welt der Gedanken ist gegenüber dem Verstand und dem Gedachten, das ist die Sonne in der Welt des Sichtbaren gegenüber dem Gesichtssinn und dem Gesehenen.“

„Wie? Erkläre mir das noch deutlicher!“ „Von den Augen weißt du es ja: wenn man sie nicht mehr auf Dinge richtet, deren Farben das Tageslicht beleuchtet, sondern auf solche, die das Dämmern der Nacht umgibt, dann sind sie stumpf und fast blind, als ob keine Sehkraft in ihnen wäre.“ „Richtig!“ „Wenn man sie aber auf Dinge richtet, die die Sonne bestrahlt, dann sehen sie deutlich, und in denselben Augen wohnt jetzt offenbar die Sehkraft.“ „Ja!“ „Ebenso stelle es dir in der Seele vor! Wenn sie sich auf das stützt, worauf die Wahrheit und das Seiende leuchtet, dann kommt sie zu Einsicht und Erkenntnis und besitzt offensichtlich Denkkraft. Wenn sie aber auf die Welt schaut, die mit dem Dunkel vermischt ist, die wird und vergeht, dann hat sie bloß Meinungen und wird blind, ändert ihre Ansichten bald so, bald anders und erweckt den Eindruck, ohne Verstand zu sein.“ „Allerdings.“

„Jene Kraft also, die den Objekten des Denkens die Wahrheit und dem erkennenden Subjekt die Kraft des Erkennens gibt, bestimme als die Idee des Guten. Zwar wird sie, die Ursache des Erkennens und der Wahrheit, durch den Verstand erkannt, aber – wiewohl diese beiden, nämlich Wahrheit und Erkenntnis, schön sind – so wirst du dennoch das Rechte treffen, wenn du die Idee des Guten für etwas anderes und für noch schöner hältst als diese beiden. Wie du dort Licht und Sehkraft mit Recht für sonnenähnlich, nicht aber für die Sonne hältst, so tust du hier gut, Erkenntnis und Wahrheit für ‚gutähnlich‘, nicht aber – ob das eine oder das andere – für das Gute zu halten; höher noch zu schätzen ist – seinem Wesen nach – das Gute.“ „Von einer ganz unglaublichen Schönheit sprichst du da, die uns Erkenntnis und Wahrheit schenkt und noch schöner ist als diese. Du meinst da kaum die Lust!“

„Sei still! Betrachte doch noch besser das Abbild des Guten!“ „Wie?“ „Die Sonne gibt dem Sichtbaren nicht nur die Fähigkeit, gesehen zu werden, sondern auch Werden, Wachstum und Nahrung, ohne selbst dem Werden unterworfen zu sein.“ „Wie sollte sie das sein!“ „Also wird den Objekten der Erkenntnis vom Guten nicht nur die Erkennbarkeit gegeben, sondern sie erhalten auch Existenz und Wesen von ihm, das nun nicht selbst ein Seiendes ist, sondern über das Sein an Erhabenheit und Kraft hinausragt.“[1]


Fußnoten

  1. Platon, Der Staat, 6. Buch, 507e – 509b, deutsche Übersetzung durch Karl Vretska, Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 1982


Siehe auch

International.png Den Begriff Sonnengleichnis im weltweiten juristischen Web finden (Sonnengleichnis in Deutsch)