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Reformation in Württemberg (de)

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Die schwäbischen Fürsten und die Württembergischen Könige stellten nach der [[Reformation]] – wie ehemals der Byzantinische Kaiser - in einer [[Person]] zugleich den weltlichen Herrscher und den obersten Kirchenfürsten Württembergs dar. [[Rechtsphilosophie|Rechtsphilosophisch]] betrachtet war der kleine, nach Glaubensfreiheit strebende [[Staat]] Württemberg in der Zeit zwischen 1534 und der deutschen Reichsgründung von 1871 ein fundamental-protestantischer Kleinstaat mitten im mächtigen katholischen „[[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (de)|Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation]]“. Diese „Insel“ hat im europäischen Recht bis in die moderne Zeit deutliche Spuren hinterlassen.
 
Die schwäbischen Fürsten und die Württembergischen Könige stellten nach der [[Reformation]] – wie ehemals der Byzantinische Kaiser - in einer [[Person]] zugleich den weltlichen Herrscher und den obersten Kirchenfürsten Württembergs dar. [[Rechtsphilosophie|Rechtsphilosophisch]] betrachtet war der kleine, nach Glaubensfreiheit strebende [[Staat]] Württemberg in der Zeit zwischen 1534 und der deutschen Reichsgründung von 1871 ein fundamental-protestantischer Kleinstaat mitten im mächtigen katholischen „[[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (de)|Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation]]“. Diese „Insel“ hat im europäischen Recht bis in die moderne Zeit deutliche Spuren hinterlassen.
  
Denn die zweite Welle der Reformation in Württemberg stellte die Laienbewegung des sogenannten Pietismus dar, die durch die Schrift „Pia desideria“ von Philipp Jakob Spener aus dem Jahr 1675 als christliche Erneuerungsbewegung initiiert wurde. Das erklärte Ziel der Pietisten war und ist eine innere Erneuerung der christlichen Kirche durch ein Bibelstudium des einzelnen interessierten Menschen – unabhängig von seiner Vorbildung und seinem Geschlecht. Die bekannte [[mission 21|Basler Mission]] in der [[Schweiz]] ist eine Gründung aus dem Geist des württembergischen Pietismus des Jahres 1815, dem Beschlussjahr des [[Wiener Kongress]]es.
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Denn die [[zweite Woge]] der Reformation in Württemberg stellte die Laienbewegung des sogenannten Pietismus dar, die durch die Schrift „Pia desideria“ von Philipp Jakob Spener aus dem Jahr 1675 als christliche Erneuerungsbewegung initiiert wurde. Das erklärte Ziel der Pietisten war und ist eine innere Erneuerung der christlichen Kirche durch ein Bibelstudium des einzelnen interessierten Menschen – unabhängig von seiner Vorbildung und seinem Geschlecht. Die bekannte [[mission 21|Basler Mission]] in der [[Schweiz]] ist eine Gründung aus dem Geist des württembergischen Pietismus des Jahres 1815, dem Beschlussjahr des [[Wiener Kongress]]es.
  
 
Als bedeutende rechtliche Errungenschaften des Pietismus können heute sowohl der [[Tierschutz (de)|Tierschutz]] (1837 erster Tierschutzverein in Cannstatt bei Stuttgart, 1839 erstes württembergisches Tierschutzgesetz) als auch die [[Genossenschaft (de)|Genossenschaftsbanken]] nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) gelten. Außerdem gehen viele soziale Einrichtungen, auch „offizielle“ diakonische Werke der Landeskirche, auf das Wirken der Pietisten in Württemberg zurück.
 
Als bedeutende rechtliche Errungenschaften des Pietismus können heute sowohl der [[Tierschutz (de)|Tierschutz]] (1837 erster Tierschutzverein in Cannstatt bei Stuttgart, 1839 erstes württembergisches Tierschutzgesetz) als auch die [[Genossenschaft (de)|Genossenschaftsbanken]] nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) gelten. Außerdem gehen viele soziale Einrichtungen, auch „offizielle“ diakonische Werke der Landeskirche, auf das Wirken der Pietisten in Württemberg zurück.

Version vom 26. März 2011, 17:40 Uhr

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Ab 1534, etwa 80 Jahre nach dem Fall Konstantinopels (Ostrom), war das Herzogtum Württemberg evangelisch geworden. Bis heute gibt es die staatsbildende evangelische Kirche des schwäbischen Fürstentums Württemberg als Evangelisch-Lutherische Landeskirche. Sie bildete vor allem im Widerstand gegen die mächtigen katholischen Herrschaftszentren ringsum (z.B. Ellwangen, Rottenburg) zunächst gefestigte Verwaltungsstrukturen nach byzantinischem Herrschaftsmuster aus. Die politischen Verbindungen mit dem Byzantinischen Reich sind zumindest seit dem Mittelalter historisch nachgewiesen.

Die byzantinische Kaisertochter Irene von Byzanz wurde als staufische Königin im Kloster Lorch im Remstal, Ostwürttemberg, beigesetzt. Sie war die Gattin von König Philipp von Schwaben, der im Jahr 1208 n. Chr. ermordet wurde. Seine schwangere Frau Irene starb tragischerweise kurz darauf. Irene war die Schwester des Byzantinischen Kaisers Alexios IV., der im Jahr 1204 n. Chr. die Plünderung seiner Residenzstadt Konstantinopel durch die Kreuzritter nicht verhindern konnte. Diese „Zwangsvollstreckung“ der Ritter markiert den Anfang vom Untergang des Römischen Kaisertums im Osten und stellt eine Missachtung des Römischen Rechts durch ritterliche Selbstjustiz dar. Die dynastische Hochzeit der kaiserlichen Schwester mit dem schwäbischen König hätte Frieden stiften sollen …

Drei Jahrhunderte später:

Die schwäbischen Fürsten und die Württembergischen Könige stellten nach der Reformation – wie ehemals der Byzantinische Kaiser - in einer Person zugleich den weltlichen Herrscher und den obersten Kirchenfürsten Württembergs dar. Rechtsphilosophisch betrachtet war der kleine, nach Glaubensfreiheit strebende Staat Württemberg in der Zeit zwischen 1534 und der deutschen Reichsgründung von 1871 ein fundamental-protestantischer Kleinstaat mitten im mächtigen katholischen „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“. Diese „Insel“ hat im europäischen Recht bis in die moderne Zeit deutliche Spuren hinterlassen.

Denn die zweite Woge der Reformation in Württemberg stellte die Laienbewegung des sogenannten Pietismus dar, die durch die Schrift „Pia desideria“ von Philipp Jakob Spener aus dem Jahr 1675 als christliche Erneuerungsbewegung initiiert wurde. Das erklärte Ziel der Pietisten war und ist eine innere Erneuerung der christlichen Kirche durch ein Bibelstudium des einzelnen interessierten Menschen – unabhängig von seiner Vorbildung und seinem Geschlecht. Die bekannte Basler Mission in der Schweiz ist eine Gründung aus dem Geist des württembergischen Pietismus des Jahres 1815, dem Beschlussjahr des Wiener Kongresses.

Als bedeutende rechtliche Errungenschaften des Pietismus können heute sowohl der Tierschutz (1837 erster Tierschutzverein in Cannstatt bei Stuttgart, 1839 erstes württembergisches Tierschutzgesetz) als auch die Genossenschaftsbanken nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) gelten. Außerdem gehen viele soziale Einrichtungen, auch „offizielle“ diakonische Werke der Landeskirche, auf das Wirken der Pietisten in Württemberg zurück.

Von Beginn an hatte der Pietismus alle Menschen in Gleichheit zum Bibelstudium aufgerufen und ausdrücklich auch Frauen dazu ermutigt, ihre Pfarrherren gegebenenfalls zu kritisieren. Frauen durften auch Gemeindeämter übernehmen, wenn sie die Qualifikation dazu besaßen. Württemberg hatte als erstes Land weltweit ab dem Jahr 1653 die allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen eingeführt. So wurden evangelische Gemeindepfarrer durch einen württembergischen Fürstenerlass in den kleinen Gemeinden zu ersten staatlichen Grundschullehrern gemacht.

Siehe auch

De flag.png Den Begriff Reformation UND Württemberg im deutschen juristischen Web finden