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Rechtsgeschichte des Kosovo

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Die inoffizielle Rechtsgeschichte des Kosovo beginnt mit dem Zerfall des Byzantinischen Reiches um das Jahr 1180 n. Chr., als sich die Serben von Byzanz lossagten. Zahlreiche Feudalherren errichteten damals eigene Kleinstaaten in Osteuropa. Die geschwächte Reichszentralgewalt in Konstantinopel (= Byzanz, heute: Istanbul) fiel im Jahr 1204 n. Chr. den plündernden weströmischen Kreuzrittern gemäß der Anstiftung durch den Dogen von Venedig in die Hände. 600 Jahre später war auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation an seinem juristischen Ende angelangt ...

Das serbokroatische „Kosovo polje“ heißt auf Deutsch „Amselfeld“ und bezeichnet die fruchtbare Landschaft im Sitnicatal nördlich von Skopje, der heutigen Hauptstadt Makedoniens. Am 15.06.1389 konnten die muslimischen Osmanen dort die christlich-orthodoxen Serben in einer historischen Schlacht besiegen. Mit diesem Kriegserfolg beginnt die eigentliche Rechtsgeschichte des Kosovo, die eng mit der Rechtsgeschichte des Osmanischen Reichs und der gegenseitigen Dämonisierung von Christen und Muslimen verknüpft ist. Denn in dieser Schlacht fiel der osmanische Sultan Murad I. Sein Sohn und Rechtsnachfolger Sultan Beyasid Yilderim schloss mit dem heldenhaften serbischen König (= Kralj) Lazar und dessen Sohn Stephan ein Bündnis, das sich im Abwehrkampf gen Osten (Mongoleneinfälle) zwar später bewähren sollte, aber die beiden Bevölkerungen unterschiedlichen monotheistischen Glaubens total überforderte.


Inhaltsverzeichnis

Islamisierung der Bogomilen

Das slawische Wort „bog“ bedeutet Gott. Die Bogomilen waren ursprünglich christliche Gnostiker des Balkans, die ab dem 12. Jahrhundert den beiden konkurrierenden christlichen Staatskirchen von Rom und Byzanz Widerstand leisteten. Die Bogomilenpriester beschuldigten die patriarchalische Amtskirche des Amtsmissbrauchs. Sie ließen u.a. Frauen wieder wie im antiken Griechenland zu religiösen Ämtern zu.

Durch die grausame Verfolgung dieser regional sehr einflussreichen Sekte trieben christliche Kreuzritter im „Heiligen Krieg“ deren Anhänger schließlich in die Arme des Islam. Ob der Sieg der Osmanen in der Schlacht auf dem Amselfeld durch die Unterstützung der einheimischen Bogomilen bewirkt wurde, lässt sich historisch nicht nachweisen.


Kosovo als Teil des Osmanischen Reichs

Unter dem türkischen Sultan Bajasid I. (Beyasid Yilderim, Sohn von Murad I., 1389 – 1402) wurde der Kosovo schon früh in das Osmanische Reich integriert. Viele Bogomilen traten zum Islam über und bildeten so einen einheimischen islamischen Fürstenstand, der die ansässige bäuerliche Bevölkerung mit Hilfe des türkischen Kalifats bzw. Sultanats vor Grausamkeiten und Ausplünderung durch fundamentalistische Christen beider Staatskirchen (griechisch-orthodox und römisch-katholisch) schützen konnte.


Krieg gegen Österreich

Nachdem die kaiserliche Residenzstadt Wien im Jahr 1683 der Belagerung durch die Türken standgehalten hatte, begann die Zeit der Türkenkriege zwischen dem habsburgischen Österreich und dem Osmanischen Reich. Die Türken wurden in den folgenden 250 Jahren mehr und mehr auf den asiatischen Kontinent zurückgedrängt. Zwischen 1718 und 1739 fiel das orthodoxe Serbien bis zum Frieden von Belgrad vorübergehend an das katholische Österreich. Der russische Zar fühlte sich aus religiösen Gründen zum Schutzherrn der orthodoxen Christenheit des Osmanischen Reichs berufen und mischte sich deshalb zunehmend in die kriegerischen Auseinandersetzungen ein.


Krieg gegen Russland

Durch die Vernichtung der türkischen Flotte bei Cesme (vor Izmir) im Jahr 1770 durch Russland drohte der Zusammenbruch der islamischen Schutzmacht auch im Kosovo. Für die nicht-christliche Bevölkerungsmehrheit dort war dies sehr bedrohlich, da sowohl Österreich als auch Russland damals noch christliche Staatskirchen (= Theokratien) besaßen. Der Ausbruch der Französischen Revolution im Jahr 1789 lenkte jedoch die Aufmerksamkeit dieser beiden christlichen Großmächte nach Westen um und gab so dem Osmanischen Staat Zeit für notwendige innenpolitische Anpassungen.


Kosovo nach dem Wiener Kongress

Unter dem Einfluss der beiden adeligen Politiker Charles Maurice de Talleyrand und Klemens Wenzel Graf Metternich wurde im Juni 1815 das monarchistische Legitimitätsprinzip erneut zur Grundlage eines „heiligenMächtegleichgewichts in Europa erklärt. Diese sogenannte „Heilige Allianz“ zwischen dem orthodoxen Russland, dem katholischen Österreich, dem revolutionären, aber gemeinsam besiegten Frankreich und dem protestantischen Preußen hielt jedoch nur wenige Jahre. Schon 1848 kam es - wegen unverträglichen inter-christlichen Gesetzesinterpretationen - zu zahlreichen regionalen Revolutionen in Europa. Nationalistische Unruhen breiteten sich aus und führten die konservativen Großmächte schließlich in zwei Weltkriege.


Kosovo als serbische Provinz

Im Jahr 1878 erhielten die neuen Staaten Serbien, Montenegro und Rumänien auf dem Berliner Kongress unter Preußens aufgeklärter Leitung ihre Staatssouveränität verliehen. Mit Hilfe von Verwaltungsreformen unter österreichisch-russischer Aufsicht sollten diese christlichen Staaten nun befriedet werden.

Im Jahr 1912 schlossen die Balkanstaaten einen eigenen panslawischen Bund zur Vertreibung der Türken aus Makedonien. Im Streit um den erzielten Landgewinn kam es dann zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den das Osmanische und das Deutsche Reich als Verbündete verloren. Der türkische Monarch (= Sultan) musste 1920 abdanken und die Türkei wurde 1923 mit dem Vertrag von Lausanne zu einer parlamentarischen Republik erklärt. Das Gebiet des Kosovo befand sich nach dem Rückzug seiner islamischen Schutzmacht nun als südliche Provinz im orthodoxen Staat Serbien. Neue religiöse Konflikte waren daher schon vorgezeichnet.


Kosovo als Teil Jugoslawiens

Nachdem die muslimische Bevölkerung im Kosovo ihre türkische Schutzmacht verloren hatte, ging es den orthodoxen Serben während und nach der Russischen Revolution nicht anders. Im Jahr 1917 stürzte das russische Volk seinen letzten Zaren Nikolaus II. und beseitigte damit gleichzeitig die Schutzmacht der orthodoxen Christenheit in Mitteleuropa. Die Serben mussten sich nun selbst schützen. Sie fühlten sich ringsum von Kommunisten, katholischen Fundamentalisten und Islamisten bedroht und hatten historisch begründbare Existenzängste.

Die Großmächte Europas versuchten durch zahlreiche Friedensverträge, die Öffentliche Ordnung wieder herzustellen. So kam es zur Gründung des Vielvölkerstaats Jugoslawien auf dem Balkan. Die Stabilisierung Europas durch völkerrechtliche Verträge gelang jedoch nicht wirklich, was durch die erste große Weltwirtschaftskrise von 1929 deutlich wurde. Das alte feudalistische Europa ging in einem finanziellen und wirtschaftlichen Chaos unter, das sich im Zweiten Weltkrieg zur Feuersbrunst steigerte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Jugoslawien ein Mitglied des sozialistischen Osteuropa, in dem die religiösen Volkskonflikte durch ein kommunistisches Parteiensystem bzw. "sozialistisches Staatstheater" beherrscht werden sollten. Dies gelang dort jedoch nur 60 Jahre lang bis zum Jahr 1989, dem Jahr des Berliner Mauerfalls.


Unabhängigkeitserklärung des Kosovo

Ab dem Jahr 1991 fiel der sozialistischeBruderstaatJugoslawien auseinander. Die seit langem unterdrückten Gegensätze zwischen religiösen und ethnischen Volksgruppen führten schließlich zum grausamen Bürgerkrieg und zur Bildung mehrerer Einzelstaaten. Nach Slowenien und Kroatien im Jahr 1991 und Bosnien-Herzegowina im Jahr 1992 erklärten Makedonien und zuletzt Kosovo ihre Unabhängigkeit. Übrig blieb Serbien mit Montenegro. Die Unabhängigkeitserklärung der Republik Kosovo wurde vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag völkerrechtlich bestätigt.


Siehe auch

International.png Den Begriff Rechtsgeschichte UND Kosovo im weltweiten juristischen Web finden
At flag.png Den Begriff Klemens Wenzel Graf Metternich im österreichischen juristischen Web finden
Fr flag.png Den Begriff Charles Maurice de Talleyrand im französischen juristischen Web finden (Charles Maurice de Talleyrand in Deutsch)