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Promotionsordnung (de)

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Rechtshistorische Betrachtung

Die Promotionsverfahren an deutschen Universitäten zur Verleihung eines Doktorgrades werden bereits seit dem 15. Jahrhundert von den akademischen Amtsträgern durchgeführt. Auf diese Weise erzog die äußerlich rein männliche Bildungselite Europas ihren Nachwuchs und formte eine hierarchische Ordnung unter der Rechtsaufsicht von Papst und/oder christlichem Kaiser. Alle Frauen sowie jüdische und muslimische Männer waren von dieser akademischen Karriere anfangs ebenso ausgeschlossen wie von der offiziellen militärischen Laufbahn.

Seit dem 19. Jahrhundert konnten erschlichene Doktortitel durch ein Disziplinarverfahren auch wieder aberkannt werden. Mögliche Gründe für die Aberkennung waren ehrloses Verhalten, bekannt gewordene Homosexualität oder ein Schuldspruch vor Gericht. Die neue Sanktionsmöglichkeit wurde während des Dritten Reiches missbraucht. Alle ausgebürgerten politischen Gegner sollten ihre Doktorwürden von den deutschen Universitäten wieder aberkannt bekommen. So wollte es das nationalsozialistische Regime, das die 1918 mit vielen Blutopfern errungene Wissenschaftsfreiheit absolutistisch wieder beendete. Deshalb erließ die damals noch protestantische Universität Tübingen schon 1933 beispielhaft folgende Regel: „Wenn ein Promovierter nach dem Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 (Reichsgesetzblatt I S. 480) der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt wurde, kann ihm die Doktorwürde entzogen werden.“[1]

Gemäß dieser unverdächtig klingenden Regel entzogen Rektor und Dekane in der Folge 44 Tübinger Doktoren ihren verdienten akademischen Grad nachweislich rechtsmissbräuchlich. Erst im Jahr 2003 war die Aufarbeitung dieses nationalsozialistischen Unrechts durch Rehabilitierungen abgeschlossen. Der Vorgang kann heute als rechtssoziologisches Phänomen des monotheistisch motivierten, patriarchalischen Machtmissbrauchs erkannt und erforscht werden.

Fußnoten

  1. Universitätsarchiv Tübingen 11FE / 1371, veröffentlicht in attempto! 16/2004, Seite 43, Herausgeber: Rektor der Universität Tübingen


Siehe auch

De flag.png Den Begriff Promotionsordnung im deutschen juristischen Web finden