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Philosophenkönigtum

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Der sogenannte Philosophenkönig ist eine moralrechtliche Spielfigur aus Platons dialogischer, d.h. ästhetischer Staatslehre "Politeia". Diese Spielfigur verkörpert im ästhetischen, d.h. idealen Staat die gelebte Synthese von politischer Weisheit und sozialer Gerechtigkeit. Der "Philosophenkönig" verkörpert bzw. personifiziert wohl das alchemistische Element Luft.

Er stellt ein theoretisches Ideal dar, das aus rechtspraktischen bzw. rechtsanthropologischen Gründen von lebenden Männern nicht erreicht werden kann. Das Ideal diente in den Zeiten göttlicher Spiellust (= Gottkaisertum, z.B. in Ägypten) als menschliche, d.h. humanistische Antithese.

Der israelische König Salomo (ca. 965 – 926 v. Chr. auf dem Tempelberg) gilt bis heute durch Überlieferungen des Alten Testaments als erster idealtypischer Vertreter des Philosophenkönigs. Bis heute gilt für viele christliche Gläubige der jeweilige Heilige Vater von Rom als lebendiger Vertreter dieses alten rechtsphilosophischen Ideals. Anders- oder Ungläubige sehen das anders.


Rechtshistorischer Philosophenkönigsstreit

Stauferkaiser Friedrich II. (1194 – 1250), der legitime Enkel von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, war zur Hälfte Schwabe und zur Hälfte Normanne, denn seine Mutter war eine Tochter des herrschenden Normannenkönigs von Sizilien gewesen. Das Kleinkind Friedrich wurde bereits mit zwei Jahren von den Kurfürsten zum Deutschen König gewählt und im Jahr 1198 von den Sizilianern zum König von Sizilien bestimmt. Da Friedrich II. sehr früh Vollwaise geworden war, bestimmte Papst Innozenz III. (Regierungszeit 1198 - 1216) als sein Vormund bis zum Jahr 1208 über seine königliche Erziehung. Friedrich II. war sehr begabt und frühreif und konnte bereits mit vierzehn Jahren seine Regierungsgeschäfte selbst übernehmen.

Seine elternlose Jugend auf der Insel Sizilien hatte Friedrich mit den orientalischen Mittelmeerkulturen von Arabern, Juden und Byzantinern vertraut gemacht. Er konnte deshalb mehrere Religionsrechtssprachen verhandlungssicher für seine Königtümer nutzen. Friedrich II. wurde im Jahr 1212 in Mainz zum Deutschen König gekrönt. Im Jahr 1220 krönte ihn Papst Honorius III. (Regierungszeit 1216 - 1227) in Rom zum Christlichen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Im Jahr 1224 gründete Friedrich II. in Neapel die erste Staatsuniversität Europas. Dort konnten vorübergehend auch arabische und jüdische Wissenschaftler lehren. Zwischen kaiserlichem Neapel und päpstlichem Bologna begann damals ein heftiger Bildungswettstreit. Friedrichs Kreuzzug von 1228 bis 1229 endete erfolgreich mit seiner Krönung zum christlichen König von Jerusalem. Nun war die kaiserliche Staatsgewalt in Europa auf dem Höhepunkt und Friedrich II. konnte zahlreiche Rechtsreformen gegen den absolutistischen Kirchenstaat durchsetzen. Der Geist der „Magna Charta libertatum“ aus England dürfte Inspirator gewesen sein für die europäische Neuordnung zwischen Königtümern, Reichsstädten und geistlichen und weltlichen Fürstentümern im mittleren Römischen Reich. Friedrich II. sicherte seinen Fürsten vertraglich zu, keine neuen Zoll- und Münzstätten auf ihren Territorien zu errichten, ihre Hörigen nicht in den kaiserlichen Reichsstädten aufzunehmen, keine Burgen oder Städte auf kirchlichem Territorium zu errichten und die dortigen Zölle und Münzen - Papiergeld gab es in Europa noch nicht - unangetastet der Kirche zu belassen, die bestehenden Marktrechte zu schützen, die gewohnheitsrechtliche Gerichtsbarkeit der Fürsten zu achten, die Stadtbürger aufenthaltsrechtlich auf die Städte zu beschränken, die örtlichen Geleitrechte der Fürsten zu achten sowie die kirchlichen Güter notfalls auch mit der kaiserlichen Acht zu beschirmen.

Friedrich II. war wohl ein sehr lernbegieriger Mensch, der die Glaubenssätze der Kirche selbstbewusst hinterfragte. Er hörte auch die Beiträge jüdischer und muslimischer Gelehrter zu kaiserlichen Fragen wohlwollend an. Diese Haltung war ein offener Verstoß gegen das Kirchendogma. Von seinen eigenen philosophischen Studien sind die sogenannten „Sizilianischen Fragen“ an einen marokkanischen Gelehrten aus den Jahren 1237 und 1242 überliefert. Er wollte damals wohl die theoretischen Grundlagen der theologischen Wissenschaft ergründen und befasste sich mit der Kategorienlehre von Aristoteles. Kaiser Friedrich II. war demnach sowohl ein erfolgreicher militärischer Führer als auch ein Weisheitssucher im klassischen philosophischen Sinn.[1] Die Gegenwehr des Kirchenstaates, vereint mit den konkurrierenden Dynastien Europas, sorgte im Jahr 1265 für die Hinrichtung des jungen deutschen Staufererben Konradin in Italien. Der schwäbische Bauernaufstand „Armer Konrad“ im Jahr 1514 im Remstal, dem Stammland der Stauferdynastie, dürfte sich noch in treuer Gefolgschaft nach ihm benannt haben. Schriftliche Nachweise gibt es hierfür jedoch keine.


Quellen

  1. Karl Hampe, Kaiser Friedrich II. als Fragensteller, in: Walter Goetz, zu seinem 60. Geburtstag, Kultur- und Universalgeschichte dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern, Verlag B. G. Teubner, Berlin/Leipzig 1927

Siehe auch

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