Willkommen auf JurisPedia! Sie sind dazu eingeladen, ein Benutzerkonto einzurichten und zu teilzunehmen. Sie dürfen dafür neue Beiträge schreiben oder bearbeiten, oder die Suchemaschine im Recht Ihres Landes verbessern. Nutzer sollten die Lizenzbestimmungen lesen.
Es gibt zur Zeit 14.972 in ständiger Konstruktion …

Patriarchat

aus jurispedia, das gemainsame Recht
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel ist ein Entwurf für ein Rechtsthema. Ihr könnt mit Bearbeitung Inhalte einfügen oder ändern. Ihr könnt auch die Suchmaschine benutzen…

Suche im Recht weltweit 20px-International.png
Google Custom Search

Hauptseite > Römisch-katholische Rechtslehre > Monotheismus > Theokratie > Dogma
International.png


Eine moderne Übersetzung für den überkommenen lateinischen Rechtsbegriff "Dictatus Papae" ist Patriarchat.


Inhaltsverzeichnis

Rechtshistorische Betrachtung

Im Jahr 1054 hatten sich die orthodoxen Kirchen von den römisch-katholischen Kirchen (es gab Gegenpäpste!) juristisch dauerhaft abgetrennt. Damit war die Christenheit der Erde nachhaltig unfriedlich gespalten. Dies war auch eine Rechtsfolge der Cluniazensischen Reformen unter Papst Leo IX. (1049 – 1054). Der römische Absolutismus strebte nach „libertas ecclesiae“, d.h. nach dem vom Römischen Kaiser unabhängigen Investiturrecht.

Der erste Gesetzgebungsschritt in dieser Richtung war die kanonisch-rechtliche Regelung der Papstwahl in Rom seit dem Jahr 1059 sowie das Verbot der Laieninvestitur. Seit damals werden die Päpste von den Kardinälen aus ihren eigenen Reihen gewählt. Der Papst ist somit jeweils der gewählte Kardinalsführer – der Erste unter Gleichen. Der römische Klerus, das christliche Katholikenvolk sowie der Weströmische Kaiser stimm(t)en nur noch nachträglich der jeweiligen Wahl formal zu – oder auch nicht, denn rechtsgeschichtlich wurden ja bekanntlich mehrere Gegenpäpste eingesetzt, von denen einer lange Zeit in Avignon residierte.

Seit Papst Gregor VII. (1073 – 1085) beanspruchte die Weströmische Reichskirche auch die geistliche Oberhoheit über den weltlichen Kaiser („Dictatus papae“). Der kriegerische Investiturstreit in Europa begann. Der damals herrschende Deutsche König und spätere Römische Kaiser Heinrich IV. (1056 – 1106) war ein Sohn der Agnes von Poitou und des Römischen Kaisers Heinrich III. (1039 – 1056) aus der Dynastie der Salier. Das „Salische Gesetz“ schloss gemäß altrömischen Rechtsgrundsätzen u.a. die Erbfähigkeit von Frauen kategorisch aus. Im traditionellen germanischen Recht konnten jedoch auch tüchtige Frauen zu Stammesführerinnen bestimmt werden. Daher blieben römisches und germanisches Recht geschlechtsbezogen betrachtet lange Zeit unverträglich.

Auf der Synode von Worms im Jahr 1076 hob der mündig gewordene Kaisersprössling Heinrich IV. den Papst Gregor VII. versuchsweise aus dem höchsten christlichen Amt. Im Gegenzug wurde Heinrich IV. von Gregor VII. gebannt und selbst abgesetzt. Die deutschen Fürsten mussten zwischen den machtbewussten männlichen Hoheiten schlichten. Sie überredeten den Deutschen König zu seinem berühmten „Gang nach Canossa“, einer Wallfahrt zu einer Burg in Tuscien in Italien als Buße bzw. Unterwerfungsgeste. Dort bekam der Deutsche König im Jahr 1077 vom Papst persönlich die Lösung vom Bann als Gnadenerweis. Seit damals bis 1806/1933 galt der Papst als geistliches Oberhaupt der europäischen Christenheit. Die asiatische bzw. orientalische Christenheit blieb abgespalten und mehrheitlich rechtlich unabhängig.

Weil nicht alle deutschen Fürsten die Würdeverletzung des germanischen Königtums durch den Papst hinnahmen, wählten sie noch im gleichen Jahr 1077 Rudolf von Rheinfelden, den Herzog von Schwaben, zum deutschen Gegenkönig. Jedoch unterlag dieser erste schwäbische König den salischen Truppen in der Schlacht bei Hohenmölsen - zwischen Leipzig und Jena im Jahr 1080.

Im Jahr 1084 ließ sich Heinrich IV. schließlich von einem Gegenpapst seinen Rechtsanspruch auf das Römische Kaiseramt erfüllen. Papst Gregor VII. musste nun zu den Normannen in den Stadtstaat Salerno fliehen und starb dort ein Jahr später. Im Jahr 1103 erklärte Kaiser Heinrich IV. den ersten deutschen Reichslandfrieden als imperialer Gesetzgeber. Dieser Reichslandfrieden war gegen das gewohnheitsrechtliche Fehderecht des Adels gerichtet – ein wichtiger Schritt zur ersehnten Rechtssicherheit im christlichen Staat. Kaiser Heinrich IV. liegt im Dom zu Speyer zusammen mit seinem Vater und Großvater begraben.


Humorvolle Betrachtung

„Euer Herr ist also wirklich der König der Könige? Ist das sein Titel?“ – „Nein, Exzellenz, sein Titel lautet ‚Diener der Diener‘; ursprünglich war er Fischer und Türhüter, und deshalb sind auch Schlüssel und Netze das Zeichen der Würde. Er erteilt jedoch allen Königen Befehle. Es ist noch nicht lange her, da sandte er einem König des Keltenlandes hundertundeinen Befehl – und der König gehorchte.“

„Euer Fischer hat also fünf- oder sechstausend Mann entsandt, um seine hundertundein Verordnungen ausführen zu lassen?“ wollte Amazan wissen. „Keineswegs, Exzellenz, unser Heiliger Vater ist nicht reich genug, um auch nur zehntausend Soldaten zu unterhalten, aber er hat vier- bis fünftausend göttliche Propheten in den anderen Ländern. Diese Propheten, Eingeborene aller Länder, werden – wie sich’s gehört – auf Kosten der Bevölkerung ernährt. Sie verkünden im Namen Gottes, dass mein Herr mit seinen Schlüsseln alle Schlösser zu öffnen und schließen vermag und vor allem die der Geldschränke. Ein normannischer Priester, der bei dem König, von dem ich spreche, das Amt eines Vertrauten seiner Gedanken bekleidet, überzeugte ihn davon, dass er unweigerlich den hundertundein Anliegen meines Herrn zu gehorchen habe, denn Eure Exzellenz müssen wissen, dass eines der Vorrechte des Alten von den sieben Hügeln darin besteht, immer recht zu haben, ob er nun zu sprechen oder zu schreiben geruht.“[1]

Fußnoten

  1. Voltaire, Die Prinzessin von Babylon, in: Voltaire Sämtliche Romane und Erzählungen, 2. Band, Seite 221, Übersetzung des französischen, anonym ersterschienenen Werks „La princesse de Babylone“ (1768) ins Deutsche durch Ilse Lehmann, insel taschenbuch 210, Lizenzausgabe der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung Leipzig 1948/1950, Erste Auflage 1976, Druck bei Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden

Siehe auch

International.png Den Begriff "Dictatus Papae" OR Patriarchat im weltweiten juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "libertas ecclesiae" im deutschen juristischen Web finden

In anderen Sprachen