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Lichtsakrament

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Von Winterbach führt seit der Römerzeit das sogenannte „Pflaster“ auf diesen Bergvorsprung. Dabei handelt es sich um eine mit Granitsteinen gepflasterte, direkte, fuhrwerkbreite Straßenverbindung. Diese befestigte Römerstraße verband schon früh das Filstal mit dem Remstal. Die Talsiedlung Winterbach diente wohl den Römern ursprünglich als Vorspannstation mit Zugtierhaltung und Gastronomie. Die leerstehenden Gebäude der römischen Straßenstation wurden nach dem Rückzug der stationierten römischen Truppen von einwandernden Alamannensippen als Wohnsitz übernommen und ausgebaut.  So bildete sich allmählich eine einheimische, adelige Fürstenschicht des alamannischen Kulturkreises in Winterbach heraus. Diese Fürstendynastie hatte sehr früh das (orthodoxe) Christentum als eigene Religion angenommen und ihre Familienkapelle in Winterbach errichten lassen. Aus dieser Urkirche entwickelte sich im Jahr 1309 die heutige, erst römisch-katholische, dann nach 1534 evangelische Michaelskirche. Spätestens im Jahr 1359 wurde diese Michaelskirche der Schorndorfer Mutterkirche pfarrrechtlich unterstellt. Die als Wallfahrtsziel von Graf Ulrich V. von Württemberg 1466 gestiftete Marienkapelle auf dem Bergvorsprung am „Pflaster“ wurde unmittelbar nach ihrer Erbauung zur Urzelle des Augustinerklosters „in monte angeli“, das – mangels Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung - nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg 1525 etwa achtzig Jahre später zum fürstlichen Jagdschloss umgewandelt wurde.
 
Von Winterbach führt seit der Römerzeit das sogenannte „Pflaster“ auf diesen Bergvorsprung. Dabei handelt es sich um eine mit Granitsteinen gepflasterte, direkte, fuhrwerkbreite Straßenverbindung. Diese befestigte Römerstraße verband schon früh das Filstal mit dem Remstal. Die Talsiedlung Winterbach diente wohl den Römern ursprünglich als Vorspannstation mit Zugtierhaltung und Gastronomie. Die leerstehenden Gebäude der römischen Straßenstation wurden nach dem Rückzug der stationierten römischen Truppen von einwandernden Alamannensippen als Wohnsitz übernommen und ausgebaut.  So bildete sich allmählich eine einheimische, adelige Fürstenschicht des alamannischen Kulturkreises in Winterbach heraus. Diese Fürstendynastie hatte sehr früh das (orthodoxe) Christentum als eigene Religion angenommen und ihre Familienkapelle in Winterbach errichten lassen. Aus dieser Urkirche entwickelte sich im Jahr 1309 die heutige, erst römisch-katholische, dann nach 1534 evangelische Michaelskirche. Spätestens im Jahr 1359 wurde diese Michaelskirche der Schorndorfer Mutterkirche pfarrrechtlich unterstellt. Die als Wallfahrtsziel von Graf Ulrich V. von Württemberg 1466 gestiftete Marienkapelle auf dem Bergvorsprung am „Pflaster“ wurde unmittelbar nach ihrer Erbauung zur Urzelle des Augustinerklosters „in monte angeli“, das – mangels Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung - nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg 1525 etwa achtzig Jahre später zum fürstlichen Jagdschloss umgewandelt wurde.
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Der heidnisch-alamannische „Kindlesbrunnen“ im „Eichenwäldle“ auf dem Engelberg weist flurnamentlich auf einen ehemals naturreligiösen Kultort hin, der lange vor der späteren Marienwallfahrt bestanden hatte. An dem natürlich gewachsenen Kultort beteten wohl einst die Alamanninnen für das Wohl ihrer Kinder und für Fruchtbarkeit. Ab dem Jahr 1466 bauten dann Bettelmönche der Augustiner-Eremiten an diesem heiligen Platz der Frauen auf Wunsch des Landesherrn von Württemberg ihr Kloster. Dieses Kloster konnte sich jedoch nur für wenige Jahre dort oben halten, bis es von den notleidenden Bauern des Remstals gestürmt und geplündert wurde.
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Augustiner-Bruder Bartholomäus Schrötter aus Schwäbisch Gmünd war von 1466 bis 1496 der erste Prior des gräflich gestifteten, württembergischen Klosters „in monte angeli“. Er war durch die Römisch-Katholische Kirche, Bistum Konstanz, und durch den Landesherrn eingesetzt worden (= Investitur). Der katholische Pfarrer von der Michaelskirche in Winterbach musste an den Prior des Klosters einen Teil seiner gewohnten Pfarrrechte abtreten. Das Kloster erhielt vom Landesherrn als Stifter alle landwirtschaftlichen Pflichtabgaben aus den alten Weilern Kikishardt und Bücklinsweiler sowie aus Manolzweiler zugesprochen. Diese geänderten Pfarrrechte blieben wohl umstritten.  Konflikte mit den Pfarrherren von Schorndorf und Winterbach sowie Streit mit dem Vogt aus Schorndorf sind dokumentiert. Die kirchenrechtliche Loslösung von der Pfarrei Winterbach erfolgte für alle Bewohner und Bewohnerinnen der Siedlungen Manolzweiler und Engelberg durch Vertrag mit dem Bistum Konstanz im Jahr 1471. Alle diese Menschen waren nun den fremden Bettelmönchen seelsorgerisch zugeordnet. Die Mönche erhielten zur Förderung des Klosterbaus am 4. Juni 1479 von der fürstlichen Landesherrschaft eine schriftliche Bettelerlaubnis ausgestellt. Die Landwirtschaft in Bücklinsweiler wurde später aufgegeben und lieferte keine Abgaben mehr im Kloster ab. Kikishardt heißt heute Engelberg und ist seit dem Jahr 1820 ein Ortsteil der Kommune Winterbach im Remstal.
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Der erste Bauernaufstand „Armer Konrad“ im Jahr 1514, drei Jahre nach der verschwenderischen Prunkhochzeit von Herzog Ulrich von Württemberg mit Sabine von Bayern, der Nichte des habsburgischen Kaisers Maximilian I. (1459 – 1519), führte wahrscheinlich dazu, dass die Augustinermönche ihren Konvent „Unserer Lieben Frau auf dem Engelberg“ burgähnlich mit Mauern befestigten und unterirdische Fluchtgänge anlegen ließen. Aber diese Schutzmaßnahmen waren ziemlich vergeblich. Im Schwäbischen Bauernkrieg von 1525 wurde das Kloster gestürmt und geplündert. Der württembergische Landesherr floh nach Hessen ins Exil. Der letzte Prior vom Engelberg, Johannes Brentz, leitete zwischen 1531 und 1538 die Klosterabwicklung. Er zog zunächst ins Kloster Maulbronn um, nachdem er die Besitzrechte am Kloster mit säkularisierender Wirkung wieder auf den Herzog von Württemberg zurückübertragen hatte. Als Gegenleistung handelte der Prior damals mit der württembergischen Verwaltung die Schuldenübernahme und eine Altersrentenzahlung für sich selbst aus. Später ging er wohl nach Kirchheim/Teck. Im Jahr 1534 war Herzog Ulrich von Württemberg aus seinem Exil in Hessen als lutherisch reformierter Christ zurückgekehrt. Er führte nun in seinem Herzogtum Württemberg die Reformation gemäß Martin Luthers Lehre ein. Das zerstörte Augustinerkloster hatte schon einige Zeit als „Steinbruch“ gedient. Nun lieferte es zwischen 1538 und 1544 Steine für den Ausbau der Landesfestung Schorndorf an der Straße zur reichsunmittelbaren römisch-katholischen Fürstpropstei Ellwangen und zur Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Diese „ausländischen“ Gebiete wurden erst 1803 mit Napoleon Bonapartes Hilfe durch den erzwungenen „Reichsdeputationshauptschluss“ in das neue Königreich Württemberg eingegliedert.
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Version vom 19. Januar 2020, 17:20 Uhr

Dieser Beitrag ist ein Entwurf betreffend das Völkerrecht. Ihr könnt Eure juristischen Kenntnisse durch Bearbeitung mitteilen. Ihr könnt auch die Suchemaschine benutzen…
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In der Steinzeit wurde das Tageslicht und/oder das Mondlicht von Menschen in Sonnen- und/oder Mondtempeln geheiligt. Später wurde es personalisiert gedacht und die Heiligen Spiele wurden zu Ehren von Sonnen- und/oder Mondgottheiten veranstaltet. Im Christentum haben sich schließlich alle diese Gottheiten in Jesus Christus wiedervereinigt (zentralisiert).


Europäische Bildungsgeschichte durch "storytelling" am konkreten Ort anschaulich gemacht

Oberhalb der unabhängigen Gemeinde Winterbach im Remstal lag einst am Bergvorsprung an der alten keltisch-römisch-salisch-staufischen Handelsstraße an der dortigen Bergquelle ein Rast-, Erfrischungs- und Wallfahrtsort. Die immer noch fließende Wasserquelle ist heute für die örtliche Trinkwasserversorgung von Winterbach unterirdisch gefasst. Auf dem ehemals lehensrechtlichen Bodeneigentum des Bistums Konstanz, zu dem sich nach der Christianisierung eine volkstümliche Marienwallfahrt zum Quellursprung gebildet hatte, ließ Graf Ulrich V. von Württemberg, der mit Herzogin Margaretha von Savoyen in dritter Ehe verheiratet war, im Jahr 1466 eine Marienkapelle oberhalb dieser Quelle erbauen.

Von Winterbach führt seit der Römerzeit das sogenannte „Pflaster“ auf diesen Bergvorsprung. Dabei handelt es sich um eine mit Granitsteinen gepflasterte, direkte, fuhrwerkbreite Straßenverbindung. Diese befestigte Römerstraße verband schon früh das Filstal mit dem Remstal. Die Talsiedlung Winterbach diente wohl den Römern ursprünglich als Vorspannstation mit Zugtierhaltung und Gastronomie. Die leerstehenden Gebäude der römischen Straßenstation wurden nach dem Rückzug der stationierten römischen Truppen von einwandernden Alamannensippen als Wohnsitz übernommen und ausgebaut. So bildete sich allmählich eine einheimische, adelige Fürstenschicht des alamannischen Kulturkreises in Winterbach heraus. Diese Fürstendynastie hatte sehr früh das (orthodoxe) Christentum als eigene Religion angenommen und ihre Familienkapelle in Winterbach errichten lassen. Aus dieser Urkirche entwickelte sich im Jahr 1309 die heutige, erst römisch-katholische, dann nach 1534 evangelische Michaelskirche. Spätestens im Jahr 1359 wurde diese Michaelskirche der Schorndorfer Mutterkirche pfarrrechtlich unterstellt. Die als Wallfahrtsziel von Graf Ulrich V. von Württemberg 1466 gestiftete Marienkapelle auf dem Bergvorsprung am „Pflaster“ wurde unmittelbar nach ihrer Erbauung zur Urzelle des Augustinerklosters „in monte angeli“, das – mangels Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung - nach seiner Zerstörung im Bauernkrieg 1525 etwa achtzig Jahre später zum fürstlichen Jagdschloss umgewandelt wurde.

Der heidnisch-alamannische „Kindlesbrunnen“ im „Eichenwäldle“ auf dem Engelberg weist flurnamentlich auf einen ehemals naturreligiösen Kultort hin, der lange vor der späteren Marienwallfahrt bestanden hatte. An dem natürlich gewachsenen Kultort beteten wohl einst die Alamanninnen für das Wohl ihrer Kinder und für Fruchtbarkeit. Ab dem Jahr 1466 bauten dann Bettelmönche der Augustiner-Eremiten an diesem heiligen Platz der Frauen auf Wunsch des Landesherrn von Württemberg ihr Kloster. Dieses Kloster konnte sich jedoch nur für wenige Jahre dort oben halten, bis es von den notleidenden Bauern des Remstals gestürmt und geplündert wurde.

Augustiner-Bruder Bartholomäus Schrötter aus Schwäbisch Gmünd war von 1466 bis 1496 der erste Prior des gräflich gestifteten, württembergischen Klosters „in monte angeli“. Er war durch die Römisch-Katholische Kirche, Bistum Konstanz, und durch den Landesherrn eingesetzt worden (= Investitur). Der katholische Pfarrer von der Michaelskirche in Winterbach musste an den Prior des Klosters einen Teil seiner gewohnten Pfarrrechte abtreten. Das Kloster erhielt vom Landesherrn als Stifter alle landwirtschaftlichen Pflichtabgaben aus den alten Weilern Kikishardt und Bücklinsweiler sowie aus Manolzweiler zugesprochen. Diese geänderten Pfarrrechte blieben wohl umstritten. Konflikte mit den Pfarrherren von Schorndorf und Winterbach sowie Streit mit dem Vogt aus Schorndorf sind dokumentiert. Die kirchenrechtliche Loslösung von der Pfarrei Winterbach erfolgte für alle Bewohner und Bewohnerinnen der Siedlungen Manolzweiler und Engelberg durch Vertrag mit dem Bistum Konstanz im Jahr 1471. Alle diese Menschen waren nun den fremden Bettelmönchen seelsorgerisch zugeordnet. Die Mönche erhielten zur Förderung des Klosterbaus am 4. Juni 1479 von der fürstlichen Landesherrschaft eine schriftliche Bettelerlaubnis ausgestellt. Die Landwirtschaft in Bücklinsweiler wurde später aufgegeben und lieferte keine Abgaben mehr im Kloster ab. Kikishardt heißt heute Engelberg und ist seit dem Jahr 1820 ein Ortsteil der Kommune Winterbach im Remstal.

Der erste Bauernaufstand „Armer Konrad“ im Jahr 1514, drei Jahre nach der verschwenderischen Prunkhochzeit von Herzog Ulrich von Württemberg mit Sabine von Bayern, der Nichte des habsburgischen Kaisers Maximilian I. (1459 – 1519), führte wahrscheinlich dazu, dass die Augustinermönche ihren Konvent „Unserer Lieben Frau auf dem Engelberg“ burgähnlich mit Mauern befestigten und unterirdische Fluchtgänge anlegen ließen. Aber diese Schutzmaßnahmen waren ziemlich vergeblich. Im Schwäbischen Bauernkrieg von 1525 wurde das Kloster gestürmt und geplündert. Der württembergische Landesherr floh nach Hessen ins Exil. Der letzte Prior vom Engelberg, Johannes Brentz, leitete zwischen 1531 und 1538 die Klosterabwicklung. Er zog zunächst ins Kloster Maulbronn um, nachdem er die Besitzrechte am Kloster mit säkularisierender Wirkung wieder auf den Herzog von Württemberg zurückübertragen hatte. Als Gegenleistung handelte der Prior damals mit der württembergischen Verwaltung die Schuldenübernahme und eine Altersrentenzahlung für sich selbst aus. Später ging er wohl nach Kirchheim/Teck. Im Jahr 1534 war Herzog Ulrich von Württemberg aus seinem Exil in Hessen als lutherisch reformierter Christ zurückgekehrt. Er führte nun in seinem Herzogtum Württemberg die Reformation gemäß Martin Luthers Lehre ein. Das zerstörte Augustinerkloster hatte schon einige Zeit als „Steinbruch“ gedient. Nun lieferte es zwischen 1538 und 1544 Steine für den Ausbau der Landesfestung Schorndorf an der Straße zur reichsunmittelbaren römisch-katholischen Fürstpropstei Ellwangen und zur Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Diese „ausländischen“ Gebiete wurden erst 1803 mit Napoleon Bonapartes Hilfe durch den erzwungenen „Reichsdeputationshauptschluss“ in das neue Königreich Württemberg eingegliedert.


Siehe auch

International.png Den Begriff Lichtsakrament im weltweiten juristischen Web finden