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Lautsakrament

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Neben dem heutzutage weltweit noch angebeteten Wortsakrament kultivierten alte Religionen auch Lautsakramente. Als es den bronzezeitlichen Kulturen, z.B. der altchinesischen Kultur, technisch gelungen war, die ersten bienenkorbförmigen Glocken zu gießen, wurden diese akustisch beeindruckenden Lautinstrumente gewohnheitsrechtlich zu sakralen Gegenständen, die zu bestimmten religiösen Zwecken durch schwingende Holzbalken zum Klingen gebracht wurden. Heute benutzt man meist innen befestigte Klöppel, die durch gleichmäßige Schwingbewegungen der Glocken wegen ihrer Schwerkraft die Töne erzeugen.

Glocken rufen bis heute gläubige Christinnen und Christen zum Gottesdienst und zur Andacht. Aber auch im weltlichen Bereich, z.B. an manchen Rathäusern, werden Glockenspiele zur täglichen Zeitgliederung hörbar eingesetzt. Glocken dienen demnach als Signaluhren. Heilig sind sie jedoch nicht mehr - höchstens geweiht wie z.B. Priester.


Sprachanalytische und sprachphilosophische Betrachtungen

Die Herkunft des deutschen Wortes ‚Laut’ ist geklärt. Es stammt aus dem Arabischen vom Begriff „al ud“, der ein Saiteninstrument der Altsemitischen Kulturen bezeichnet. Im Mittelhochdeutschen hieß dieses nach Europa eingeführte Instrument „lute“; heute sagt man Laute. Die Laute als Instrument stammt ursprünglich aus Mesopotamien und gelangte zusammen mit dem Islam nach Europa. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert – während der Machtentfaltung des Osmanischen Reiches – war die Laute auch in Europa als Hausmusikinstrument der Adelshäuser sehr beliebt.

Die Herkunft des deutschen Wortes ‚Glocke’ und der französischen Variante ‚cloche’ ist schwieriger zu klären. Interessant ist bei dieser Betrachtung die englische Übersetzung „bell“. Sie leitet sich vom lateinischen Wort für Krieg „bellum“ ab. Im englischen Sprachraum läuteten Glocken demnach einen Krieg - zwischen Katholiken und Protestanten? - ein ...

Im französisch-deutschen Sprachraum muss man im Trüben nach der Herkunft von ‚cloche’ und der davon abgeleiteten Glocke suchen. Eine Spur könnte zur griechischen Schicksalsgöttin Clotho bzw. Klotho führen. Sie war eine der drei Parzen des römischen Mythos bzw. eine der drei Moiren des älteren griechischen Mythos. Sie spann der Sage nach den unterschiedlich gefärbten Lebensfaden der Schöpfung.

Der Göttinnenname Klo-tho war als Doppelsilbe jedoch viel älter. Schon die altägyptische Muttergöttin Isis wurde in ihrem schrecklichen Herrschaftsaspekt Klo-tho genannt. Sie spann goldene oder blutrote Fäden, d.h. sie besaß die Allmacht über Leben und Tod. Zugleich mit dem Wechsel des personifizierten Todessakraments von der Muttergöttin zum Gottessohn verschwand das Lautsakrament aus dem christlichen Europa. Das Minarettverbot in der Schweiz verhindert indirekt (und unbewusst) die Neuinstallation des Gebetsrufes als Lautsakrament im Herzen Europas. Dieses „Volksurteil“ ist ein Ausdruck der national-christlichen Schweizer Volkssouveränität, die sich im heutigen Recht durch Volksabstimmung verwirklicht hat.

In England, Belgien und den Niederlanden werden die mechanischen Glockenspiele der Kirchtürme „Carillon“ genannt. Dieses Wort ist Französisch und leitet sich eventuell vom antiken lateinischen Volksnamen „Car“ bzw. seinem Heimatland Caria her. Caria (= Karien) lag im Altertum in Kleinasien, d.h. in der heutigen Türkei. Sehr viele europäische Begriffe und Wörter sind aus dem Wortstamm ‚Car’ hervorgegangen, wahrscheinlich sogar die englische Bezeichnung für Auto – ein modernes „Lautsakrament“.


Siehe auch

Ch flag.png Den Begriff Kirchenglocke im schweizerischen juristischen Web finden
Ch flag.png Den Begriff cloche im schweizerischen juristischen Web finden
Fr flag.png Den Begriff cloche im französischen juristischen Web finden (cloche in Deutsch)
Be flag.png Den Begriff cloche im belgischen juristischen Web finden
Be flag.png Den Begriff carillon im belgischen juristischen Web finden
Eu flag.png Den Begriff cloche im juristischen Web der Europäischen Union finden
Nl flag.png Den Begriff carillon im Niederlanden juristischen Web finden