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Kindestötung (de)

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Deutschland > Öffentliches Recht > Strafrecht > Straftat > Straftaten gegen das Leben > Todesfall > Tragödie
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Die gesetzliche Strafandrohung für Kindestötung wurde als Spezialnorm (§ 217 StGB) durch eine Strafrechtsreform in Deutschland aufgehoben und damit den Straftaten gegen das Leben der §§ 211, 212, 213, 218, 221, 222 StGB zugeordnet – je nach Sachverhalt.

Als Kind bzw. Mensch im Sinne des deutschen Strafrechts gilt der Fötus im Bauch der Mutter ab dem Beginn der Geburt – ohne Rücksicht auf den Reifegrad des Kindes. Der Beginn der Geburt wird durch das Einsetzen der Eröffnungswehen oder durch den Beginn eines ärztlichen Eingriffs markiert. Dies ist ggf. für die juristische Abgrenzung zwischen unerlaubter Tötung und gerechtfertigtem Schwangerschaftsabbruch von Bedeutung.


Inhaltsverzeichnis

Rechtsphilosophische Betrachtung

Durch die Regelungen des deutschen Strafrechts beginnt das Menschsein für in Deutschland Geborene immer im Mutterleib!!! Die Verweildauer dort, d.h. die Startphase als Mensch innerhalb der Gebärmutter einer Frau, ist je nach Geburtsverlauf unterschiedlich lang und kann auch ohne Straftat tödlich enden, z.B. bei ungewollten Totgeburten. In solchen Fällen wurde dann zwar ein Mensch geboren, jedoch keine rechtsfähige Person gemäß § 1 BGB staatlich anerkannt. Für den Staat existiert ein totgeborenes Kind nur als Krankheitsfall der Mutter. Eine Namensgebung und Beisetzung auf dem Friedhof ist auf Wunsch der Mutter jedoch möglich.

Ganz anders ist es bei einem Schwangerschaftsabbruch. Da dieser in Deutschland gesetzlich verboten ist, die Mutter aber in gesetzlich bestimmten Fällen straffrei bleibt (siehe die §§ 218 a, 218 b StGB), hat der Staat bei willentlich vorgenommener „Kindestötung“ im Mutterleib eine Fallprüfungspflicht. Jeder offizielle Schwangerschaftsabbruch in Deutschland ist daher zugleich ein Rechtsfall. Die ordnungsgemäße Durchführung regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.

Rechtshistorische Betrachtung

Im Christentum wurde unter dem Patriarchat das Leben des Kindes meist höher bewertet als das Leben der Mutter. Schließlich ging es ja um den Erben des Vaters als „pater familias“. Unter dem Römischen Recht waren „vaterlose“ Kinder automatisch rechtlos. Diese Lücke füllte die Katholische Kirche mit ihrem Vatersakrament. Der „Heilige Vater“ und seine von ihm eingesetzten Priester fungierten überall im Reich als rechtliche Beschützer sowohl für ledige Mütter und ihre Kinder als auch für Witwen und Waisen. Dies wird heute meist vergessen!

Durch den Ausgleich der jeweiligen fundamentalen Härten der beiden Rechtsordnungen von Römischem Recht und Kanonischem Recht durch Wechsel der Religionszugehörigkeit der Mütter entwickelte sich über die Jahrhunderte die demokratische europäische Rechtsordnung. Am Ende dieses Ausgleichsprozesses zwischen ursprünglichem, d.h. polytheistischem bzw. naturreligiösem Matriarchat und monotheistischem Patriarchat wird aus formallogischen und juristischen Gründen die faktische Gleichstellung von Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern innerhalb von sozialen Rechtsstaaten der Europäischen Aufklärung stehen. Die Empfängnisverhütung wird durch normative Kraft des Faktischen zur rechtsstaatlichen Norm werden, denn sonst müssten ja die Gutmenschen weltweit für die ungeliebten und/oder ungewollten Kinder der "Triebtäter" finanziell haften! Die erotische Liebe würde aussterben ...

Als Prophet dieser Zukunftsvision kann Friedrich Schiller gelten, der in seinem Gedicht über die Kindesmörderin schon im Jahr 1782, d.h. sieben Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution, auf die Missstände im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aufmerksam machen wollte.

Kunstbetrachtung

Dieses Schiller'sche Sprachkunstwerk zeugt bis heute von rechtsmoralischen Irrlehren und ihren sozialen Folgen:


"Horch – die Glocken hallen dumpf zusammen,

und der Zeiger hat vollbracht den Lauf.

Nun, so sey’s denn! – Nun in Gottes Namen!

Grabgefährten, brecht zum Richtplatz auf!

Nimm, o Welt, die letzten Abschiedsküsse!

Diese Thränen nimm, o Welt! noch hin.

Deine Gifte – o sie schmeckten süße!

Wir sind quitt, du Herzvergifterin!


Fahret wohl, ihr Freuden dieser Sonne,

gegen schwarzen Moder umgetauscht!

Fahre wohl, du Rosenzeit voll Wonne,

die so oft das Mädchen lustberauscht;

fahret wohl, ihr goldgewebten Träume,

Paradieseskinder, Fantasie’n!

Weh! Sie starben schon im Morgenkeime,

ewig nimmer an das Licht zu blühn.


Schön geschmückt mit rosenrothen Schleifen

deckte mich der Unschuld Schwanenkleid;

in der blonden Locken loses Schweifen

waren junge Rosen eingestreut.

Wehe! – Die Geopferte der Hölle

schmückt noch itzt das weißliche Gewand,

aber ach! – der Rosenschleifen Stelle

nahm ein schwarzes Todtenband.


Weinet um mich, die ihr nie gefallen,

denen noch der Unschuld Lilien blühn,

denen zu dem weichen Busenwallen

Heldenstärke die Natur verliehn!

Wehe! – Menschlich hat dies Herz empfunden!

Und Empfindung soll mein Richtschwert seyn!

Weh! Vom Arm des falschen Manns umwunden

schlief Luisens Tugend ein.


Ach, vielleicht umflattert eine And’re,

Mein vergessen, dieses Schlangenherz,

überfließt, wenn ich zum Grabe wand’re,

an dem Putztisch in verliebten Scherz?

Spielt vielleicht mit seines Mädchens Locke,

schlingt den Kuß, den sie entgegenbringt,

wenn verspritzt auf diesem Todesblocke

hoch mein Blut vom Rumpfe springt.


Joseph! Joseph! Auf entfernte Meilen

folge dir Luisens Todtenchor,

und des Glockenthurmes dumpfes Heulen

schlage schrecklichmahnend an dein Ohr –

wenn von einem Mädchens weichem Munde

Dir der Liebe sanft Gelispel quillt,

bohr’ es plötzlich eine Höllenwunde

in der Wollust Rosenbild!


Ha, Verräther! Nicht Luisens Schmerzen?

Nicht des Weibes Schande, harter Mann?

Nicht das Knäblein unter meinem Herzen?

Nicht was Löw’ und Tiger schmelzen kann?

Seine Segel fliegen stolz vom Lande!

Meine Augen zittern dunkel nach;

um die Mädchen an der Seine Strande

winselt er ein falsches Ach!


Und das Kindlein – in der Mutter Schoße

lag es da in süßer gold’ner Ruh,

in dem Reiz der jungen Morgenrose

lachte mir der holde Kleine zu;

tödlichlieblich sprach aus allen Zügen

sein geliebtes theures Bild mich an,

den beklomm’nen Mutterbusen wiegen

Liebe und – Verzweiflungswahn.


Weib, wo ist mein Vater? lallte

seiner Unschuld stumme Donnersprach’;

Weib, wo ist dein Gatte? hallte

jeder Winkel meines Herzens nach –

Weh, umsonst wirst Waise du ihn suchen,

der vielleicht schon andre Kinder herzt,

wirst der Stunde unsres Glückes fluchen,

wenn dich einst der Name Bastart schwärzt.


Deine Mutter – o im Busen Hölle!

einsam sitzt sie in dem All der Welt,

durstet ewig an der Freudenquelle,

die dein Anblick fürchterlich vergällt,

Ach, mit jedem Laut von dir erklingen

Schmerzgefühle des vergang’nen Glücks,

und des Todes bittre Pfeile dringen

aus dem Lächeln deines Kinderblicks.


Hölle, Hölle, wo ich dich vermisse,

Hölle, wo mein Auge dich erblickt!

Eumenidenruthen deine Küsse,

die von seinen Lippen mich entzückt!

Seine Eide donnern aus dem Grabe wieder,

ewig, ewig würgt sein Meineid fort,

ewig – hier umstrickte mich die Hyder –

und vollendet war der Mord.


Joseph! Joseph! Auf entfernte Meilen

jage dir der grimme Schatten nach,

mög’ mit kalten Armen dich ereilen,

donn’re dich aus Wonneträumen wach!

Im Geflimmer sanfter Sterne zucke

dir des Kindes grasser Sterbeblick!

Es begegne dir im blut’gen Schmucke,

geißle dich vom Paradies zurück!


Seht! Da lag’s entseelt zu meinen Füßen –

Kalt hinstarrend, mit verworr’nem Sinn

sah ich seines Blutes Ströme fließen,

und mein Leben floß mit ihm dahin: -

Schrecklich pocht schon des Gerichtes Bote,

schrecklicher mein Herz!

Freudig eilt’ ich, in dem kalten Tode

auszulöschen meinen Flammenschmerz.


Joseph! Gott im Himmel kann verzeihen,

dir verzeiht die Sünderin.

Meinen Groll will ich der Erde weihen.

Schlage, Flamme, durch den Holzstoß hin! –

Glücklich! Glücklich! Seine Briefe lodern,

seine Eide frisst ein siegend Feu’r,

seine Küsse! Wie sie hochauf lodern! –

was auf Erden war mir einst so theu’r?


Trauet nicht den Rosen eurer Jugend,

Trauet, Schwestern, Männerschwüren nie;

Schönheit war die Falle meiner Tugend,

auf der Richtstatt hier verfluch’ ich sie! –

Zähren? Zähren in des Würgers Blicken?

Schnell die Binde um mein Angesicht!

Henker, kannst du keine Lilie knicken?

Bleicher Henker, zittre nicht!“

Siehe auch

De flag.png Den Begriff Kindestötung im deutschen juristischen Web finden

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