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Karthago

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Tunesien > Rechtsgeschichte
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Auf einem Teil des Staatsgebiets des heutigen Tunesien sind schon steinzeitliche Menschenkulturen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus archäologisch nachgewiesen. Die Stadtstaatsgründung der phönikischen Kolonie Karthago erfolgte um das Jahr 814 v. Chr. von Tyrus aus (heute: Libanon). Die Phöniker oder Phönizier waren vereinigte semitische Stämme, die wohl ursprünglich aus Syrien und Palästina stammten. Der Volksname weist auf den Stammesgott Phoenix hin, der ein unsterblicher Opfergott (‚Heiliger König’) war, dessen inkarnierte Seele nach der Körperverbrennung die Gestalt eines Vogels annahm, der zum – konkret vorgestellten - Götterhimmel aufflog.


Inhaltsverzeichnis

Eisenzeit

Die Entdeckung des Eisens als Metall zur Waffenherstellung machte aus den zahlreichen kleineren Seevölkern des östlichen Mittelmeerraums zeitweise eine überlegene Seefahrer(un)kultur (= Piraten). Sie fingen etwa im 12. Jahrhundert vor Christus an, die reichen Küstenstädte der Hochkulturen am Mittelmeer zu plündern und zu zerstören. Aus dieser kriegerischen Phase am Ende der Bronzezeit ging das semitische Volk der Phönizier (Phöniker) als eine der neuen Siegermächte hervor. Sie gründeten zahlreiche matrilinear geordnete Stadtstaaten und Kolonien. Nach der moralphilosophischen Begründung des patriarchalischen Königtums in Jerusalem um das Jahr 1000 v. Chr. und nach der Belagerung und Zerstörung von Tyros durch den griechischen Königssohn Alexander den Großen im Jahr 332 v. Chr. verlegten die Phönizier ihr Kulturzentrum nach Karthago.

Phönikische Schriftzeichen

Die durch Inschriften aus dem Stadtstaat Byblos überlieferte Schrift der Phönizier besteht aus 22 Konsonantenzeichen, aus denen sich später alle anderen semitischen Schriften und auch das griechische Alphabet entwickelt haben. Altgriechisch bildet bekanntlich die Ausgangssprache für alle europäischen Sprachen. Somit stellt die Sprachkultur der Phönizier zumindest formal, d.h. als Schriftzeichensprache, die Kommunikationsbasis für die europäische Kulturentwicklung dar. Der Name der Heiligen Schrift des Christentums liefert ein bleibendes Wortzeugnis für diesen kulturellen Zusammenhang zwischen dem phönikischen Stadtstaat Byblos (heute: Libanon) und dem christlichen „Grundgesetz“ Bibel.

Zwischen dem achten und dem dritten vorchristlichen Jahrhundert gehörte Malta 500 Jahre lang zu Karthago. Dann eroberten die Römer diese Inseln.


Drei Punische Kriege

Das deutsche Wort ‚Punisch’ kommt vom lateinischen Begriff ‚Poeni’. Er heißt übersetzt Phönizier und meint die Karthager, die zuerst als Verbündete und später als Feinde Roms galten. Der Sieg Roms über dieses mächtige Seefahrervolk hat sich in der lateinischen Rechtssprache verewigt: ‚poena’ bedeutet Strafe, Rache bzw. Buße.

Über hundert Jahre lang, etwa von 260 – 146 v. Chr., dauerte der Vernichtungskampf zwischen Karthago und Rom. Der Stadtstaat Rom übernahm nach der gewonnenen Schlacht bei Zama (heute: Tunesien) die militärische Vorherrschaft an der südlichen Mittelmeerküste. In drei großen Kriegszügen (= Punische Kriege) gewannen die Römer die phönikischen Kolonien auf Sizilien, Korsika, Malta, Sardinien, in Spanien und schließlich auch in Nordafrika zur Begründung ihres Römischen Reiches.

Der große phönikische Feldherr Hannibal (247 – 183 v. Chr.) ist in die europäische Kulturgeschichte eingegangen. Sein legendärer Feldzug mit Kriegselefanten von Spanien aus über die Alpen bis nach Rom hat ihn und sein untergegangenes Volk für viele Europäer, die Ehrfurcht vor so viel Wagemut empfinden können, unsterblich gemacht. Dass sein gigantisches Unternehmen am Ende nicht erfolgreich war, konnte seinen Ruhm bei den nichtrömischen Völkern nicht mehr schmälern – er wurde zum ‚Opferkönig’ ...

Die Ähnlichkeit des Namens Hannibal und des Begriffs Kannibale (= Menschenfresser) dürfte nicht zufällig sein.

Carthago im Römischen Reich

Zwischen 145 v. Chr. und dem Jahr 430 n. Chr. stellte das Land um die Hafenstadt Carthago die Römische ProvinzAfrica’ dar. Schon im 3. Jahrhundert wurde Carthago zu einem frühchristlichen Erzbistum und das Gebiet des heutigen Tunesien war bald überwiegend christlich bevölkert. Die ProvinzAfrica’ wurde von Carthago aus verwaltet. Das zweite ‚africanische’ Bistum ‚Hippo Regius’ wurde zum späteren Wirkungsort des bedeutenden Kirchenvaters Augustinus.

Bischof Augustinus und Carthago

Der aus ganz einfachen Verhältnissen stammende Aurelius Augustinus (354 – 430 n. Chr.) lehrte zunächst als Philosoph Rhetorik in Carthago und trat im Jahr 387 n. Chr. nach Studien auf der italienischen Halbinsel dem Christentum bei. Im Jahr 391 n. Chr. wurde Augustinus zum Priester geweiht, fünf Jahre später bekam er in ‚Africa’ das Bistum ‚Hippo Regius’ von der Römischen Staatskirche überantwortet. Seine geschichtsphilosophischen Schriften „De Civitate Dei“ haben das rechtliche Verhältnis von Staat und Kirche bis heute nachhaltig und weltweit geprägt. Auch Äthiopien wurde damals im 4. Jahrhundert erfolgreich christianisiert.

Während der Belagerung von ‚Hippo Regius’ durch die germanischen Vandalenstämme kam Augustinus ums Leben. Sein schriftlicher Nachlass hat ihn unsterblich gemacht.

Karthago während der großen Völkerwanderungszeit

Etwa 100 Jahre lang (430 – 533 n. Chr.) wanderten die Germanenstämme der Vandalen und Alanen von Westen aus kriegerisch in die Römische ProvinzAfrica’ ein. Das Vandalenreich des Königs Geiserich (ca. 390 – 477 n. Chr.) hatte bis zum Jahr 533 n. Chr. rechtlich unabhängig von Rom Bestand. Dann gelang es dem Römischen Reich von Konstantinopel unter der Herrschaft des Kaisers Justinian I., dem Großen (483 – 565 n. Chr.), mit Hilfe des Römischen Rechts Karthago vorübergehend „heim ins Reich“ zu holen.

Kulturkampf durch Erbrechtsstreitigkeiten

Aus heutiger Sicht stellt sich der griechisch-römisch-phönikische Kulturwettstreit rund um das Mittelmeer als ein Kampf um das bessere Erbrecht dar. Bekanntlich setzte sich in Europa die patrilineare Erbfolge mit Hilfe des Römischen Rechts (‚Lex Salica’) und des Christentums durch. Spätfolgen dieses juristischen „Siegs“ sind jedoch soziale Missstände vor allem bei alleinstehenden Müttern mit kleinen Kindern. Jahrhundertelang waren diese Menschen in Europa rechtlos und auf die christliche Gnade der Herrschaften angewiesen. Viele Frauen mussten gegen ihren Willen heiraten oder sich in ein Kloster flüchten. Auf diese gnadenlose Weise wehren die Christenväter in Europa erfolgreich das uralte, schwarze, afrikanische Matriarchat ab ...

Zerstörung Karthagos durch die Araber

Nach der islamischen Religionsgründung durch den Propheten Mohammed (ca. 570 – 632 n. Chr.) gelang es den vereinigten arabischen Stämmen, fast alle ursprünglich phönikischen Gebiete für das neu entstehende islamische Reich zurück zu erobern. Im Jahr 698 n. Chr. wurde die alte Stadt Karthago zerstört. Die neue arabische Stadt Tunis entstand in unmittelbarer Nähe zu den Ruinen, die heute noch besichtigt werden können.

Mit dieser historischen Vernichtung und anschließenden „Wiederauferstehung“ einer bedeutenden Stadt beginnt die eigentliche Rechtsgeschichte Tunesiens im Jahr 698 n. Chr. – zunächst auf moralrechtlicher Basis des Korans.

Der Aghlabiden-Dynastie gelingt es von Tunesien aus, die Inseln Maltas vorübergehend bis 1091 n. Chr. zurückzuerobern. Dann beherrschen die Normannen eine Zeit lang das Mittelmeer ...


Siehe auch

International.png Den Begriff Karthago OR Carthago im weltweiten juristischen Web finden

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