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Kannibalismus

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Der Verzehr eines „Gottes“ war in alten Naturreligionen ein Privileg der Priesterschaft. Durch dieses Todessakrament erlangten die Priester (Schamanen) rituell – durch kollektiven Glauben - ihre übermenschlichen (= priesterlichen) Zauberkräfte --> Astrologie, Speisesakrament, Nasiräat.

Um ebenfalls solche Zauberkräfte zu bekommen, aßen verfeindete Stämme im religiösen Wahn ihre Gottkönige gegenseitig auf und leiteten so den Untergang ihrer Un-Kulturen selbst ein – quasi ein natürlicher Regulationsmechanismus, der humaneren Kulturen einen Überlebensvorteil verschafft.

Ein für weltreisende Europäer schockierendes historisches Anschauungsbeispiel eines solchen (un)menschlich-rituellen Exzesses lieferten die Menschenopfer der Azteken in Mexiko noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Christus. Für die katholisch sozialisierten Spanier war deshalb die Auslöschung dieser „teuflischen“ Kultur Christenpflicht, bei deren Erfüllung jedoch auch eingeborene unterdrückte Stämme Mexikos mitgeholfen hatten. Die Europäer stellten für sie Retter und Imperialisten zugleich dar.


Inhaltsverzeichnis

Märchenbetrachtung

In dem norddeutschen Märchen „Von dem Machandelboom“, das von den Brüdern Grimm in plattdeutschem Dialekt in ihre Märchensammlung aufgenommen worden ist, wird noch heute gleichnishaft vom ehemaligen naturreligiösen Fruchtbarkeitskult und vom (europäischen) Kannibalismus berichtet. Der „Machandelboom“ ist der Wacholder (Juniperus), ein immergrüner Nadelbaum, der bis heute traditionell als Gewürz und Arzneimittel verwendet wird. Die Schwaben zum Beispiel verwenden Wacholderbeeren für ihr Nationalgericht Sauerkraut.

Die tragische Märchengeschichte erzählt von einem Geschwistermord aus Eifersucht mit verdecktem Kannibalismus durch den heißhungrigen Vater. Der Vater verspeist seinen Sohn absichtslos in einem Fleischgericht, das die jüngere Halbschwester für ihn – im Auftrag der heidnischen Mutter - zubereitet hatte. Anschließend veranstaltet diese Halbschwester aus Reue ein heidnisches Wiederauferstehungsritual mit Hilfe des „Machandelbooms“, aus dem dann – erfolgreich - der „Phönix“ in den Himmel aufsteigt. Als der Vogel „Phönix“ Jahre später zu seines Vaters Haus zurückkehrt, trägt er drei Dinge bei sich: ein Paar rote Schuhe, eine goldene Kette und einen schweren Mühlstein. Vor dem Vaterhaus singt er wiederholt folgendes Lied:

„Mein Mutter, der mich schlacht‘, mein Vater, der mich aß, mein Schwester, der Marlenichen, sucht alle meine Benichen, bind’t sie in ein seiden Tuch, legt’s unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Dieser Liedtext wird in dem Märchen insgesamt sieben Mal wiederholt, d.h. der Auferstehungszauber wird acht Mal durchgeführt. Erst dann kommt es wohl beim Vater innerlich zur Erkenntnis des „Hexentums“ seiner zweiten Frau und zu deren Tod durch den Mühlstein, der vom Hals des „Phönix“ auf sie herabfällt. Am Märchenende sind der Vater und seine geläuterte (= missionierte) Tochter glücklich vereint.

Kunstbetrachtung

Kulturhistorisch interessant ist die Übernahme des Zauberspruchs aus dem Grimm‘schen Märchen in das Theaterstück „Faust“ von Johann Wolfgang Goethe. Der berühmte deutsche Schriftsteller lässt seine Kindesmörderin Margarete nach ihrer Gefangennahme im Kerker folgende Worte singen: „Meine Mutter, die Hur, die mich umgebracht hat! Mein Vater, der Schelm, der mich gessen hat! Mein Schwesterlein klein hub auf die Bein an einem kühlen Ort; da ward ich ein schönes Waldvögelein; fliege fort, fliege fort!“[1]


Rechtshistorische Betrachtung

Der frühe griechische Geschichtsschreiber Herodot (482 - 429 v. Chr.) hat den wahrscheinlichen Ursprung des Märchens vom Machandelboom überliefert. Es ist die Geschichte von der medischen Königstochter "Mandane", die wegen prophetischer Träume ihres Vaters "Astyages" mit einem Perser verheiratet wurde. Sie gebar als Ehefrau den späteren König "Kyros", der von einem Hirtenpaar als eigener Sohn aufgezogen wurde, nachdem der Tötungsbefehl des misstrauischen Großvaters nicht ordnungsgemäß ausgeführt worden war. Im Jahr 550 v. Chr. hatte dieser persische König als Kyros der Große dann Ekbatana, die einstige Hauptstadt des Medischen Reiches, erobert. Die Strafe für den ungehorsamen Untergebenen, der den Tötungsbefehl nicht ausgeführt hatte, war grausam: er bekam das zerstückelte und gekochte Fleisch seines dreizehnjährigen Sohnes als Mahl vorgesetzt.


Fußnoten

  1. Johann Wolfgang Goethe, Faust – Der Tragödie erster Teil, Kerker, Zeilen 4412 – 4420, Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 1971


Siehe auch

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