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Jerusalemer Rechtsgeschichte

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Hauptseite  > Rechtsgeschichte > Jerusalem
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Die Stadt Jerusalem ist heute die Hauptstadt des Staates Israel. Die Stadt hatte jedoch schon vor dem Einzug der sakralen Bundeslade des altsemitischen Stammesverbands um ca. 1000 v. Chr., d.h. vor der religionsrechtlichen zeremoniellen Wahl von Jerusalem zur jüdischen Reichshauptstadt, eine lange, weitgehend unbekannte Geschichte.


Inhaltsverzeichnis

Vorjüdische Zeit

Die nahegelegene Stadt Jericho im tief eingeschnittenen Jordantal gehört zu den ältesten Städten der Menschheit. Dank der geschützten Lage ließen sich schon vor 9000 Jahren Menschen aus Mesopotamien dort nieder. Sie brachten die Landwirtschaft und den Getreideanbau aus ihrer Ursprungsheimat mit.

Die direkte Lage am Handelsweg zwischen Ägypten, Kleinasien und Mesopotamien sorgte über Jahrtausende hinweg für lebhaften kulturellen Austausch entlang des Jordantals und der östlichen Mittelmeerküste. Die Landeszugehörigkeit zu den Großreichen der Ägypter, Hethiter, Babylonier, Phönizier, Perser, Griechen und Römer wechselte lage- und zeitbedingt häufig. Wann genau die hethitische, d.h. indogermanische Stadt Jebus gegründet wurde, liegt im geschichtlichen Dunkel. Jebus als Heimatstadt der Jebusiter wurde später durch die Eroberer in Jerusalem, d.h. „Stadt des Friedens“, umbenannt.

Das Pharaonenehepaar Echnaton und Nofretete hatte im 14. Jahrhundert v. Chr. eine erste staatsreligiöse Reform vom Polytheismus zum Monotheismus in Ägypten durchgeführt. Ungefähr aus dieser Zeit stammt auch der älteste keilschriftliche Hinweis auf die Stadt Jerusalem.


Israeliten in Jerusalem

Einige Nomadenstämme der semitischen Aramäer, die sich unter ihrem gemeinsamen Wettergott Yahweh vereint und beschützt fühlten, ließen sich nach ihrem Auszug aus Ägypten im 13. Jahrhundert v. Chr. in Palästina nieder. Davor hatten sie etwa 400 Jahre lang als Knechte bzw. Sklaven unter der ägyptischen Monarchie gelebt und geschuftet.

In Palästina gründeten sie einen Zwölfstämmeverband und teilten das Land unter sich einvernehmlich auf. Die historische Schlacht zwischen den Ägyptern und den Hethitern bei Kadesch im Jahr 1285 v. Chr. und der anschließende Friedensschluss mit einem völkerverbindenden Ehebund liegt in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Ansiedlung der Israeliten in Palästina. Ob es auch einen kausalen Zusammenhang gibt, ist leider nicht belegt.

Der israelische Stammesführer hatte sich im Auftrag seines Volksgottes als Gesetzgeber betätigt (= Gottesgnadentum) und hinterließ eine wirkungsmächtige moralrechtliche Grundordnung: die fünf Bücher Moses. Sie wurden als neues Religionsgesetz für Jerusalem eingeführt und galten schon davor intern als Satzungsrecht für die wachsenden jüdischen Gemeinden weltweit.


Jerusalem als königliche Residenz

Der israelische König David eroberte um das Jahr 1004 v. Chr. den Stadtstaat Jerusalem und gliederte ihn in sein Reich ein. Er machte Jerusalem zu seiner Residenz. Sein Nachfolger Salomon regierte das Reich noch bis ca. 926 v. Chr. Er erbaute den jüdischen Tempelpalast, dessen erneuerte Mauerreste (aus der Zeit des Herodes des Großen 72 – 4 v. Chr.) heute die sakrale Klagemauer darstellen. Nach dem Tod des Königs Salomon zerbrach das Jüdische Reich und auch der einheitliche israelische Stammesbund. Zwei Stämme bildeten als Judah die monarchistische israelische „Partei“ mit ihrem Sitz in Jerusalem. Die restlichen zehn Stämme bildeten das theokratische Nordisrael um die Hauptstadt Samaria. Im Jahr 721 v. Chr. wurde Nordisrael von den Assyriern erobert und die priesterliche Elite nach Babylon verschleppt. Dort entwickelten die jüdischen Priester als Bildungselite ihre volkstheologische Moral- und Heimkehrlehre, die im Jahr 538 v. Chr. bei dem Perserkönig Kyros II. endlich Gehör und Verständnis fand. Die israelische Priesterkaste kehrte nach knapp 200 Jahren des Exils in Babylon nach Judah zu den israelischen Monarchisten zurück.


Jerusalem wird zum religiösen Zentrum ausgebaut

Die israelische Priesterkaste hatte in der Verbannung eine neue Form des Gottesdienstes entwickelt, in dessen Zentrum bis heute die Heilige Schrift, d.h. die Thora steht. Da den gläubigen Jahweh-Anhängern in Babylon kein eigener Tempel zum Gottesdienst Raum gegeben hatte, hatten sie das einfache Gebetshaus, d.h. die Synagoge erfunden. Sowohl die israelische Geschichtsschreibung als auch die Heiligen Schriften über Legislative und Judikative des Volkes Israel kehrten nun mit dem Volk aus der Verbannung nach Jerusalem heim. Auf diese Weise wurde die kulturell gemischte Stadtbevölkerung von Jerusalem gezwungen, sich in das neue jüdische Stadtrecht einzufügen. Jerusalem wurde damals zu einem religiösen Zentrum gemacht. Es fand eine rituelle Wiedervereinigung von monotheistischer Moral und israelischem Stammesrecht statt. Diese Normsynthese fand etappenweise statt durch mehrere jüdische Karawanenzüge aus Babylon: die „Heiligen Könige“ kehrten in ihre Heimat zurück.

Jerusalem wurde als israelische Stadt per Gesetz neu begründet und der Tempel sollte sich nun zur zentralen Synagoge ohne gottesdienstliche Opfergaben wandeln. Die gesamte Bevölkerung Jerusalems wurde auf den Stadtgott Jahweh neu eingeschworen. Jerusalem war nun formal eine jüdische Theokratie. Neue Konflikte mit dem nichtjüdischen Umland konnten daher nicht lange ausbleiben.


Jerusalem unter griechischem Einfluss

Der Siegeszug Alexanders III., des Großen, und die Gründung der Hafenstadt Alexandria in Ägypten im Jahr 332 v. Chr. brachte auch Palästina unter den zunehmenden Einfluss der relativ liberalen griechischen Philosophie. Nach dem Tod des jungen Eroberers wurde Palästina teilweise in das griechische Diadochenreich des Antigonos I. eingegliedert. Jerusalem wurde zur Grenzstadt zum freien Arabien und damit eine Mittlerin zwischen europäischer und orientalischer Kultur. Das „wissenschaftliche“ griechische Stadtrecht konnte sich gegen die religiöse Theokratie Jerusalems jedoch nie durchsetzen. Das gelang erst dem Römischen Recht.


Jerusalem als römische Provinzstadt

Das Römische Weltreich dehnte sich nach den drei - gegen die Karthager zwischen 264 und 146 v. Chr. gewonnenen - Punischen Kriegen sehr rasch auch nach Osten aus. Griechische Könige wurden unterworfen und ihr Land in das Römische Reich eingegliedert. Die Provinz Syria, zu der auch Palästina mit Jerusalem gehörte, wurde im Jahr 64 v. Chr. durch den siegreichen Feldherrn Pompeius errichtet. Die Römische Verwaltung und das Römische Bürgerrecht wurden dort eingeführt. Dies musste notwendigerweise zu rechtlichen Kollisionen mit der jüdischen Theokratie, d.h. mit dem Stadtrecht von Jerusalem führen. Der jüdische Märtyrer des Rechts, Jesus von Nazareth, wurde durch seinen heroischen passiven Widerstand gegen die Gewalt auf beiden Seiten zum christlichen Religionsgründer.


Die Zerstörung Jerusalems

Als Folge der unlösbaren Rechtskonflikte bei der Romanisierung von Jerusalem und im „Heiligen Land“ ließ der Römische Kaiser (Titus Flavius) Vespasian(us) im Jahr 70 n. Chr. Jerusalem erobern und den Tempelpalast durch seinen Sohn Titus völlig zerstören. Dieser ließ danach zahllose jüdische Gefangene in die verschiedenen römischen Provinzen verschleppen. Dadurch setzte er den Startpunkt für die zweite Phase der israelischen Heimkehrtheologie während der langen Zeit der jüdischen Diaspora, die am Ende zum Zionismus führte.


Jerusalem unter muslimischer Herrschaft

Nach der Eroberung des jüdischen Staatsgebiets durch Rom konnten die Araber ihren Einfluss in der Stadt Jerusalem verstärken. Bedingt durch die Grenzlage der Stadt zur arabischen Halbinsel und wegen der gemeinsamen semitischen Abstammung der Volksgruppen konnte das neu entstandene römische Christentum zwar die Kultur Palästinas nachhaltig beeinflussen, die Stammestraditionen der Araber aber nicht ändern. So bildete sich gegen die römische Besatzungsmacht eine neue Widerstandsbewegung in der arabischen Bevölkerung heraus, die ab dem Jahr 622 n. Chr. zu islamischen Revolutionen gegen das christliche Römische Reich von Byzanz führte. Im Jahr 638 n. Chr. befreiten schließlich die Anhänger des Religionsgründers Mohammed, der sechs Jahre vorher in Medina gestorben war, die Stadt Jerusalem aus der Unterdrückung durch den römisch-christlichen Fundamentalismus des byzantinischen Kaisertums.

Kaiser Justinian I. hatte im Jahr 529 n. Chr. die Platonische Akademie in Athen geschlossen und damit die philosophische Bildungsfreiheit in Europa offiziell beendet. Sein umfangreiches Gesetzeswerk, der spätere „Corpus Iuris Civilis“, begründete seine absolutistische Herrschaft als Monarch auf der Basis dieser weltlichen Gesetzessammlung. Dies wurde für Europa rechtsgeschichtlich sehr bedeutsam.


Jerusalem als Ziel der Kreuzzüge

Die europäische Christenheit sah nun „ihr“ Heiliges Land unter der Herrschaft der "Ungläubigen". Deshalb riefen die Päpste von Rom und die Kaiser von Byzanz trotz ihres Kirchenschismas christliche Ordensritter und andere „Freiwillige“ immer wieder zu Kreuzzügen gegen den Islam auf. Zwischen den Jahren 1096 und 1229 n. Chr. wurden von den Christen insgesamt vier kriegerische Feldzüge unternommen, um Jerusalem als Begräbnisstätte Jesu aus den Händen der Muslime zu befreien. Vorübergehende Erfolge machten Jerusalem und sein Umland von 1099 – 1187 n. Chr. und 1229 – 1250 n. Chr. zu einem christlichen Königreich. Dies war vor allem den mächtigen italienischen Stadtstaaten, z.B. Venedig, zu verdanken, die durch den Seehandel im Mittelmeer sehr wohlhabend geworden waren. Sie investierten in die Kreuzzüge v.a. aus wirtschaftlichen Interessen, um so neue Handelswege für ihre Waren zu erschließen.

Nach dem Tod des letzten christlichen Königs von Jerusalem, Stauferkaiser Friedrich II., blieb die Stadt unter muslimischer Herrschaft bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.


Jerusalem im Osmanischen Reich

Während der Blütezeit des Osmanischen Reichs zwischen 1281 und 1520 n. Chr. gelang es der türkischen Dynastie der Osmanen, durch die Unterwerfung Syriens und Ägyptens im Jahr 1517 n. Chr. auch die Stadt Jerusalem und die heiligen Stätten von Juden und Christen in ihr Reich einzugliedern. Diese muslimisch-absolutistische Monarchie im Osten Europas nötigte den Europäern eine christliche Koalition ab, wie sie sie seit dem Kirchenschisma von 1054 n. Chr. kaum mehr zustande gebracht hatten.

Seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 n. Chr. befanden sich die Großmächte Europas auch noch im Wettstreit um die ertragsreichsten Kolonien auf dem neu entdeckten Kontinent. Auch angesichts der revolutionär fortschreitenden Reformation in Europa war die christliche Koalition gegen die islamische Bedrohung aus dem Osten ein wenig aussichtsreiches Unternehmen. Jedoch konnte die Schlacht vor Wien im Jahr 1683 n. Chr. trotz aller Widrigkeiten positiv für die Christenheit entschieden werden. Die Schlacht von Shimabara in Japan war dagegen im Jahr 1637 n. Chr. für die Christenheit schlecht ausgegangen.


Jerusalem unter britischem Besatzungsrecht

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, den das Osmanische Reich an der Seite des Deutschen Reichs 1918 verloren hatte, wurde Jerusalem und Palästina im Auftrag des Völkerbunds unter britische Mandatsverwaltung gestellt. Im Anschluss an die türkische Revolution unter der Führung von Atatürk konnte das Osmanische Sultanat als muslimische Monarchie und das Kalifat offiziell abgeschafft werden.

Die liberale britische Einwanderungspolitik und ihr Recht (Common law) ermöglichte den Juden aus Europa nun die Einwanderung in ihr „Gelobtes Land“ zwischen Afrika und Europa. Zwischen den Jahren 1920 bis 1939 gab es mehrere Aufstände der Arabisch sprechenden einheimischen Bevölkerung gegen diese fremdsprachliche Einwanderung. Dann begann durch den Angriff Hitlers auf Polen der Zweite Weltkrieg, an dessen Ende die massenhafte Einwanderung von geflüchteten und überlebenden europäischen Jüdinnen und Juden in ihre „Heimstatt“ Palästina stand.


Jerusalem wird Hauptstadt von Israel

Durch die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 wurde Jerusalem zur jüdischen Hauptstadt. Der formallogische Widerspruch zwischen sakral-theologischem jüdischem Stadtrecht und säkular-demokratischem europäischem Staatsrecht verursacht bis heute in Israel und Palästina - und darüber hinaus - heftige Konflikte mit zahlreichen Blutopfern durch Kriege und Terror. Die „Stadt des Friedens“ findet bisher keinen Frieden.

Ohne die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse der Europäischen Aufklärung sind diese religiösen Rechtskonflikte formaljuristisch nicht aufzulösen. Ob der Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung - wie vorübergehend DDR und BRD - oder eine bundesstaatliche Lösung nach deutschem Vorbild besser für den Frieden im „Heiligen Land“ ist, das wird wohl das israelische Wahlvolk demokratisch entscheiden müssen ...


Siehe auch

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