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Rechtshistorische Betrachtung

Kurz vor der Reformation wählte die Benediktinerabtei Lorch an der ehemaligen Römischen Reichsgrenze „Limes“ im Remstal ihren römisch-katholischen Abt neu. Der Bericht über diese Wahl ist als lateinische Urkunde vom 29.12.1525 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart erhalten.

Schon zehn (10) Jahre später wurde das katholische Kloster auf Anordnung des nun reformierten und aus Hessen zurückgekehrten Landesherren Herzog Ulrich von Württemberg zwangsweise aufgehoben. Die Mönche mussten ins Exil ins katholische Ausland, z.B. in die Freie Reichsstadt Schwäbisch Gmünd umziehen. Die deutsche Übersetzung der Urkunde von 1525 kann heute noch als interessantes Textbeispiel für eine damals typische religionsrechtliche Klosterordnung dienen. Diese Übersetzung wurde von Herrn Schuler im Hauptstaatsarchiv im Jahr 1927 – während der Weimarer Republik - für die Nachwelt aufgeschrieben:

„Dem in Christo ehrwürdigen Vater, Herrn Christoph, durch Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Augsburg oder seinem Generalvikar zollen untertänig und ergeben Eurer allverehrten Vaterschaft der Subprior Johannes Lemberger und der gesamte Konvent des Klosters der hl. Maria in Lorch, von der Regel des hl. Benedictus, im Gehorsam der Diözese Augsburg, die gebührende Verehrung und Ehrerbietung.

Die Abtei unseres Klosters ist durch den Tod Sebastian Sittrichs, unseres letzten Abtes, vakant geworden. Damit nun nicht bei dem Mangel eines Hirten ein räuberischer Wolf in die trauernde Herde eindringe, oder die verwaiste Abtei in ihrem Bestand schweren Schaden erleide, nachdem also der vorgenannte Abt, wie es Gott gefiel, dem irdischen Licht entzogen und sein frommer Leib feierlich begraben worden ist, haben wir die obgenannten Konventualen diesen Tag für die Wahl unseres künftigen Abtes festgesetzt und gemäß dem Dekret des heiligen Basler Konzils und nach den Rechtssatzungen sowohl unserer vorangegangenen Väter als auch des Ordens an dem Ort unseres Wohnsitzes, dem Weiler Lorch und zwar, da die Feuersbrunst den Kapitelsaal zerstörte, im Wohnsitz des Pfarrers nach einer Messe und dem Sakrament der Eucharistie und dem, was nach den drei Satzungen des Basler Konzils dem Wahlgeschäft voranzugehen hat, uns versammelt. Wir beschlossen, sowohl insgesamt als einzeln, auf dem Weg eines strengen Kompromisses vorzugehen und dergestalt unserem verwaisten Kloster betreffs eines neuen Abtes zu beraten; dem stimmten zu die ehrwürdigen Väter und Herren Oswald, Abt des Klosters Murrhardt, Hieronymus, Abt zu Elchingen und Johannes, Abt zu Hirsau und Benedict Forner, Licentiat an der Stiftskirche in Herrenberg, unter dieser folgenden Form des Kompromisses:

Wir Laurentius, Prior, und der ganze Konvent dieses Lorcher Klosters bekennen und bezeugen, dass wir bei der infolge des Hingangs unseres ehrwürdigen Vaters, Herrn Abts Sebastian, eingetretenen Verlassenheit es fest in Angriff genommen haben, um dieses unser Kloster durch noch länger andauernde Vakatur vor noch größerem Schaden zu bewahren, durch baldige Versammlung in Eintracht zu erwägen und zu beschließen, an die Wahl eines neuen Hirten und Abtes herangehen zu wollen und zwar auf dem Weg eines strengen Kompromisses. Dazu haben wir die obgenannten Herren, ehrwürdigen Äbte und Vorgesetzten auserwählt und abgeordnet. Wir geben ihnen einmütig Vollmacht, nach Anhörung der Abstimmung der Einzelnen im Kapitel denjenigen zu bezeichnen, für welchen die Mehrheit des ganzen Kapitels abgestimmt hat. Wenn aber die Abstimmung keine Mehrheit ergeben sollte, so wollen wir denjenigen zum Abte haben, den sie als den besten und dem Kloster tauglichsten selbst erwählen. Wir schwören auf das heilige Evangelium, diese so geschehene Wahl zu billigen, zu vollziehen und anzunehmen.

Hierauf haben die vorgenannten Wahlkommissäre die Last des Schiedsgerichts für sich angenommen und eidlich bekräftigt, dass sie die Überlieferung des Klosters und die anderen durch genanntes Konzil aufgerichteten Bestimmungen beachten. Im Beisein des öffentlichen Notars und der unterzeichneten Zeugen, die wir als für das Geschäft glaubwürdige Zeugen erachtet haben, gingen die Vertrauensmänner selbst samt Notar und Zeugen in die obere Stube unseres vorgenannten Wohnsitzes, während die Väter und Brüder des ganzen genannten Konvents im anderen Raum zurückblieben. Zuerst wurde sowohl den Wählenden als auch dem Notar und Zeugen der Eid abgenommen, sodann haben die Herren Äbte die Ansichten erforscht, und in der Folge haben die sämtlichen Vertrauensmänner uns einzeln zu sich berufen, angefangen mit dem Kapitelältesten und in der Ordnung fortfahrend jede Stimme aufs genaueste ermittelt.

Nachdem so die Stimmen geprüft und durch den unterzeichneten öffentlichen Notar aufgezeichnet und treulich festgestellt waren, wurde offenbar, dass der gute und gesündere Teil unseres Kapitels, wie wir bestimmt glauben unter dem Beistand des Heiligen Geistes, sich in seiner Mehrheit auf den frommen Bruder Laurentius, den bisherigen Prior, vereinigt hat.

Hierauf gemäß der diesen Vertrauensmännern durch uns erteilten Vollmacht zogen wir alle wiederum in die genannte Kirche, und nachdem dort in der Sakristei der Notar und die unterschriebenen Zeugen zusammenberufen waren, hat der ehrwürdige Vater Herr Oswald, Abt in Murrhardt, in seinem und seiner anderen Kollegen Namen und Auftrag den vorgenannten Bruder Laurentius Uteriet zu unserem und unseres genannten Klosters Abt und Prälaten ernannt und diese Erwählung verkündigt, wie hier beschrieben:

Ich, Oswald, durch göttlichen Auftrag Abt in Murrhardt, nach der Regel des hl. Benedictus, erwähle nach dem übereinstimmenden Willen und Auftrag meiner Amtsbrüder und nach Anrufung der heiligsten Gnade den Bruder Laurentius Uteriet, Konventualen und bisherigen Prior eures Klosters, zum Abt und Prälaten eures Klosters. Diese Wahl verkündige ich in diesem Schriftstück.

Und darauf nach geschehener Verkündigung dieser geschilderten Wahl wurde Bruder Laurentius durch uns eindringlich um seine Zustimmung gebeten, da er zuerst aus Bescheidenheit sich für unzureichend und unwürdig bezeichnete, aber doch endlich auf den allgemeinen Wunsch hin sich bereit erklärt hat, seine Zustimmung zu geben. Wir aber haben diese Wahl, die in geschilderter Weise gefeiert und verkündigt ward, für gültig anerkannt, unsern Erwählten unter Glockengeläut und feierlichem Absingen des Tedeums zum Chor der Pfarrkirche Lorch geleitet und unter weiteren Feierlichkeiten, wie sie in solchem Fall zu geschehen pflegen, vor dem Altar dargestellt. Sodann ließen wir diese Wahl vor der Volksmenge verkünden.

Nun bitten wir Eure ehrwürdige Vaterschaft untertänigst, dass Ihr diese geschehene Wahl gnädigst und väterlich bestätigen wollet, damit unter Gottes Beistand uns wieder ein tüchtiger Hirte vorstehen und fördern möge. Damit aber Eure ehrwürdige Vaterschaft richtig erkenne, dass unsere Gemüter im Vorstehenden und im Besonderen einig seien, unterbreiten wir gegenwärtiges Wahlprotokoll eurer Vaterschaft, durch Anhängung des Siegels unseres Konvents bekräftigt und durch den unten benannten Notar unterzeichnet und publiziert.

Gegeben und geschehen zu Lorch im Jahr von der Geburt des Herrn 1525, im 13. des heiligen Pontifikates des Vaters in Christo, unseres Herrn Clemens, nach göttlicher Vorsehung Papst der siebente, am Tage des wahrhaft heiligen Bischofs Thomas Cantuariensis, welcher war der 29. des Monats Dezember, um 9 Uhr vormittags, in Gegenwart der ehrwürdigen Männer: des Magisters Johannes Asmonius, Kanonikers der Stiftskirche in Backnang und des Benedikt Stainer, Pfarrer auf der Kustorei der Kirche in Lorch, welche als glaubwürdige Zeugen für die Diözesen Speyer und Augsburg zu Vorstehendem berufen und gebeten worden waren. Ich, Wilhelm Schwytzlinger von Basel, öffentlicher der heiligen Abtei und durch kaiserliche Vollmacht Notar

Siehe auch

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