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Hörigkeit

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Die sogenannte Hörigkeit war im Feudalismus eine gewohnheitsrechtliche Mittelstellung beim Landbesitz zwischen freien und leibeigenen Bauern. Hörige hatten eigene Rechte auf bewegliches Eigentum und konnten daher ihr Vermögen wie Vieh, Gerätschaften und Hausrat mitnehmen, wenn ihr Grundherr sie loswerden wollte und ein anderer Grundherr sie auf seinem Land ansiedelte.

Die Hörigkeit und Dienstbarkeit der bäuerlichen Großfamilien in Deutschland und Europa entwickelte sich etwa im vierten Jahrhundert nach Christus im Römischen Reich aus ganz pragmatischen Gründen („win-win-Effekt“). Die „hörigen“ Bauern siedelten sich um römische Herrenhöfe an, um während der Völkerwanderungszeit Schutz durch die Römische Staatsgewalt zu erlangen. Die dabei entstandenen Dörfer wurden Hufedörfer genannt. Hörigkeit war ein personen-, d.h. privatrechtliches Herrschaftsverhältnis im Austauschverhältnis, das auf die Kinder weitervererbt wurde und sowohl den Bauern ihre Existenz als auch den Grundherren wirtschaftliche Erfolge sicherte. Grundherren waren Könige, die Kirche oder Adelige.

Die Hörigkeit wurde in den deutschen Ländern zuerst in Preußen aufgehoben. Als Folge der Französischen Revolution erließ König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1807 sein Edikt, das die deutsche Bauernbefreiung konfliktreich – gegen die Interessen der feudalen Grundherren - nach und nach durchsetzte. Der Wegfall der Hörigkeit als Ordnungsprinzip „von Gottes Gnaden“ hatte im Jahr 1869 schließlich die Zulassung von deutschen Gewerkschaften als neue „sozialistische Berufsverbände“ zur Folge. Die Vertragsfreiheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern war damit zumindest formaljuristisch und kollektiv erreicht. Der Weg zum fairen Individualarbeitsrecht war jedoch noch weit …


Sprachphilosophische Betrachtungen

Das deutsche Verb ‚hören’ (englisch: to hear) ist als Bezeichnung für eine der beiden oberen Sinneswahrnehmungen germanischen Ursprungs. Im Lateinischen bedeutet ‚hora’ Stunde, Zeit, Jahreszeit. ‚horologium’ bedeutet Uhr. Der romanische Zeitbegriff wurde aus dem Namen für die griechischen Nymphen der Liebesgöttin Aphrodite, den Horen, entwickelt. Ursprünglich waren diese Nymphen weibliche Tempelhuren der semitischen Völker, die jede Stunde einen Tanz aufführten und so den (hellen) Tag in zwölf Zeiträume gliederten – und mit ihrem ästhetischen Tun die kontinuierliche Ausschüttung von männlichen Sexualhormonen bei den Betrachtern förderten. Die Horen hatten ursprünglich die religiöse Aufgabe, Männer in die Fruchtbarkeitsmysterien, d.h. in den richtigen, also ‚liebevollen’ sexuellen Beischlaf mit einer Frau einzuführen. Später sanken die Horen im monotheistischen Reich zu Prostituierten (= Huren) herab. Die Zeitmessung der Griechen und Römer wurde nach ihnen Horologie benannt. Die berühmte Literaturzeitschrift der deutschen Klassik, herausgegeben von Friedrich von Schiller in den Jahren 1795 – 1797, war ebenfalls nach den Horen (in der Bedeutung von Musen) benannt.

In den germanischen Sprachen hat sich mit den Verben hören und ‚hear’ ein anderer Bedeutungszusammenhang entwickelt. Hören bedeutet, mit dem Lautsinn, d.h. mit den Ohren wahrzunehmen. Diese Fähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen. Hörigkeit bezeichnet demnach auch eine höchste, d.h. völlig unkritische Lernbereitschaft in treuer Gefolgschaft – wie bei Kindern.


Siehe auch

International.png Den Begriff Hörigkeit im weltweiten juristischen Web finden
Eu flag.png Den Begriff Hörigkeit im juristischen Web der Europäischen Union finden