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Guillotine (fr)

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Frankreich > Verfassungsrecht > Republik > Privatrechtsgeschichte > Strafe > Strafvollzug > Gallikanismus > Todesstrafe
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Die sogenannte 'Guillotine' wurde von revolutionären Franzosen als Hinrichtungsinstrument erfunden und benutzt. Die 'Guillotine' ist ein Fallbeil.

Auch die deutschen Nationalsozialisten benutzten noch eine Guillotine zur Hinrichtung von Regimegegnern ...


Inhaltsverzeichnis

Rechtshistorische Betrachtung

Guillotinierte Opfer der revolutionären Anarchie in Paris waren:

  • Georges Jacques Danton (1759 – 1794), Rechtsanwalt
  • Jacques René Hébert (1757 – 1794), Journalist
  • Ludwig XVI. (1754 – 1793), Französischer König --> Gallikanismus
  • Jean Paul Marat (1743 – 1793), Arzt
  • Maximilien de Robespierre (1758 – 1794), Rechtsanwalt

u.v.a.


Künstlerische Betrachtung

Drei Gedichte von Georg Heym (1887 – 1912), preußischer Jurist und Lyriker, ertrank 1912 in der Havel in Berlin:

Danton[1]

„Mich töten? Herrscht der Wahnsinn im Konvent? Die Schafe dulden es? Und wütend greift ans Gitter seine Hand, das schneebereift. Er schlägt die Stirn sich, die vom Wachen brennt. Wär es noch Marat, der im Staube schleift Paris und mich. Doch solch ein Regiment, das nur aus Angst von Mord zu Morde rennt, und das mit Tugendschlamm das Volk beseift. Der dürre Geckenkopf, der nichts vollbracht, er soll mich töten dürfen? Robespierre, ich zieh dich hinter mir in Todes Nacht. Er weint vor Wut. Ist keine Rettung mehr? Des Halstuchs rote Seide wird ihm sacht von Tränen schwarz. Die Augen werden leer.“

Louis Capet[2]

„Die Trommeln schallen am Schafott im Kreis, das wie ein Sarg steht, schwarz mit Tuch verschlagen. Darauf steht der Block. Dabei der offene Schragen für seinen Leib. Das Fallbeil glitzert weiß. Von vollen Dächern flattern rot Standarten. Die Rufer schrein der Fensterplätze Preis. Im Winter ist es. Doch dem Volk wird heiß, es drängt sich murrend vor. Man lässt es warten. Da hört man Lärm. Er steigt. Das Schreien braust. Auf seinem Karren kommt Capet, bedreckt, mit Kot beworfen, und das Haar zerzaust. Man schleift ihn schnell herauf. Er wird gestreckt. Der Kopf liegt auf dem Block. Das Fallbeil saust. Blut speit sein Hals, der fest im Loche steckt.“

Robespierre[3]

„Er meckert vor sich hin. Die Augen starren ins Wagenstroh. Der Mund kaut weißen Schleim. Er zieht ihn schluckend durch die Backen ein. Sein Fuß hängt nackt heraus durch zwei der Sparren. Bei jedem Wagenstoß fliegt er nach oben. Der Arme Ketten rasseln dann wie Schellen. Man hört der Kinder frohes Lachen gellen, die ihre Mütter aus der Menge hoben. Man kitzelt ihn am Bein, er merkt es nicht. Da hält der Wagen. Er sieht auf und schaut am Straßenende schwarz das Hochgericht. Die aschengraue Stirn wird schweißbetaut. Der Mund verzerrt sich furchtbar im Gesicht. Man harrt des Schreis. Doch hört man keinen Laut“


Religionsphilosophische und rechtsanthropologische Betrachtungen

Der jüdische Frauenname ‚Salome‘ ist wohl die weibliche Form des dritten und letzten männlichen Königsnamens ‚Salomo(n)‘ (ca. 971 – 929 v. Chr.). Der Titel ‚Salome‘ steht demnach allegorisch und theologisch abschreckend für die naturreligiöse Matriarchin des alten Fruchtbarkeitskultes im Vorderen Orient an der Schwelle zum neuen monotheistischen Patriarchat.

In der Opferungsgeschichte des Evangeliums nach Matthäus 14.3 – 14.12 wird der vorletzte Heilige Opferkönig auf Wunsch von ‚Salome‘, der Tochter des Königs ‚Herodes Philippus‘ und der ‚Herodias‘ getötet. Denn das Mädchen forderte als Preis für ihren kultischen Schleiertanz den abgeschlagenen Kopf des judäischen Priesterkönigsohnes ‚Johannes‘, des Täufers. Der regierende Vasallenkönig der römisch-jüdischen Provinz Galiläa-Peräa, ‚Herodes Antipas‘ (27 v. Chr. – 40 n. Chr.) stimmte der Opferung des rechtmäßigen judäischen Thronfolgers schließlich aus männlicher Schwäche (= Ohnmacht) zu. Auch Jesus von Nazareth wurde einige Jahre später nicht durch ‚Herodes‘ vor der Opferung am Kreuz bewahrt. ‚Johannes‘ starb etwa 25 n. Chr. und ‚Jesus‘ bekanntlich 33 n. Chr. Damit war die israelische DynastieJuda‘ ausgerottet.

Das Tanz- und Opferdrama um ‚Johannes‘ (= „Iokanaan“, d.h. Sonnengott von Kanaan) wurde 1891 von Oscar Wilde (1854 – 1900) als Theaterstück getextet und 1905 von Richard Strauss (1864 – 1949) als Oper vertont. ‚Salome‘ verkörpert die höchste Priesterin des alten Fruchtbarkeitskultes, bei dem der Heilige König nach der erfolgreichen Befruchtung der stellvertretenden Muttergöttin geopfert wird. Die Priesterin ist dann geschwängert und gebiert bald darauf einen Thronfolger oder eine Prinzessin für den matriarchalischen Volksstamm. Der Heilige König ist durch seine Zeugung im Körper der ‚Salome‘ dann unsterblich geworden. Irdisch herrschen darf er nicht.

Die tanzende Priesterin hatte in der matriarchalischen Naturreligion eine hohe Machtstellung als erotische Verführerin des auserwählten Mannes. Im Neuen Testament taucht der Frauentitel bzw. Name ‚Salome‘ zweimal in der Heilsgeschichte auf: in der Nähe von „Golgota“ beim Tod Jesu „Christi“ (Markus 15.40) und im Felsengrab (Markus 16.1). Mit dem spurlosen Verschwinden der geopferten Leiche von Jesus von Nazareth endete die Herrschaftsmacht der obersten Matriarchin und die allmähliche Abstraktion des (Königs-)Rechts begann. Der Wandel vom Mutterrecht zum Vaterrecht war rituell und theologisch vollzogen.

Die alten israelischen Herrschaftsverhältnisse, bei denen es auch um Inzest innerhalb der Königsfamilie geht, sind als Dialog zwischen König ‚Herodes‘ und ‚Salome‘ auf Französisch folgendermaßen verewigt:

Salomé: „Je n’écoute pas ma mère. C’est pour mon propre plaisir que je demande la tête d’Iokanaan dans un bassin d’argent. Vous avez juré, Hérode.“

Hérode: „Je le sais. J’ai juré par mes dieux. Je le sais bien. Mais je vous supplie, Salomé, de me demander autre chose, demandez-moi la moitié de mon royaume, je vous la donnerai. Mais ne me demandez pas ce que vous m’avez demandé.“

Salomé: „Je vous demande la tête d’Iokanaan.“[4]


Fußnoten

  1. Georges Jacques Danton (1759 – 1794), französischer Jurist und Revolutionär, „Jakobiner“
  2. König Ludwig XVI. von Frankreich (1754 – 1793), „Ancien régime“
  3. Maximilien de Robespierre (1758 – 1794), französischer Jurist und Revolutionär, „Jakobiner“
  4. Oscar Wilde, Salomé, Drame en un acte, Seite 72, Éditions du Colombier – Paris, 1966


Siehe auch

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