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Goldene Bulle

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Die sogenannte ‚Goldene Bulle‘ war der Versuch des europäischen Gesetzgebers Kaiser Karl IV. (1316 – 1378) von Prag aus (heute: Tschechische Republik) ein erstes „Grundgesetz“ für das europäische Römische Reich zu schaffen. Karl IV. hatte gute Rechtsbeziehungen zur Deutschen Hanse und stiftete im Jahr 1348 die erste europäische Universität in Prag. Das Reichsgrundgesetz machte das Römische Reich formaljuristisch wieder vom Papsttum unabhängig, indem es die Kaiserwahlverfassungsrechtlich“ regelte.

Schon in der Antike waren Mord und Machtintrigen an den europäischen Königshöfen üblich. Diese „Standessitten“ waren jedoch mit dem Christentum als Friedensethik nicht kompatibel. Verzweifelt suchten daher die christlichen Gesetzgeber nach juristischen Konfliktlösungen und erfanden die sieben Wahlmänner – die Kurfürsten. Diese fürstliche „Spielregel“ setzte sich nach dem Tod des von den Guelfen gehassten mächtigen Stauferkaisers Friedrich II. (1194 – 1250) erstmals durch. Schon Friedrich II. hatte Kurfürsten in seinen Rechtstexten vorgeschlagen. Die Idee zeugt von der Tugend der Brüderlichkeit ...

Die übrig gebliebenen europäischen Königsgeschlechter der Habsburger, Wittelsbacher und Luxemburger solidarisierten sich unter der moralischen Aufsicht des Papstes und erließen ein Kurrecht nach dem Vorbild kirchlicher Wahlen. Das Kurrecht war also ursprünglich vom Papst und damit vom Gottesgnadentum abgeleitet. Die göttlich Beliehenen waren damals die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier und einige fränkische Fürsten aus der Blutlinie Karls des Großen (742 – 814). Deshalb begannen die Adeligen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eifrig mit der Ahnenforschung und alle deutschen Fürstenhäuser ließen von Gelehrten Stammbäume erstellen, die ihr jeweiliges Geschlecht – entweder in der männlichen oder weiblichen Erblinie - möglichst auf Karl I. zurückführten. Die „Deutsche Bundesordnung“ (vergleiche: Israelische Bundesordnung) war geboren ...

Der amtierende Kaiser verlieh also im Jahr 1356 durch seine ‚Goldene Bulle‘ das kaiserliche Privileg zur Kaiserwahl an die sieben ersten Kurfürsten: drei geistliche Fürsten der Stadtstaaten Mainz, Köln und Trier sowie vier weltliche Fürsten der Länder in Böhmen, bei Rhein, von Sachsen und von Brandenburg. Gewählt war seitdem bis zum Jahr 1806 (= juristisches Ende des Römischen Reichs) derjenige europäische König, der ein Quorum von vier Wählerstimmen aus der deutschen Wahlelite erhielt. Die ‚Goldene Bulle‘ regelte außerdem auch die Unteilbarkeit der Kurfürstentümer im Erbfall, damit die Zahl der Kurfürsten gleich groß bleiben konnte. Ebenso wurde für die Zeit vor einer Kaiserwahl ein Vertretungsrecht (= Reichsvikariat) gesetzlich bestimmt, das an Sachsen und die Rheinlande verliehen wurde. Kaiserwürde und Papstwürde waren nun formalrechtlich voneinander getrennt. Bis sich die gewohnheitsrechtlichen Sitten des Gottkaisertums jedoch lebenspraktisch änderten, sollten - leider - noch mehrere kriegerische Jahrhunderte vergehen ...

Die "Goldene Bulle" galt als Reichsgrundgesetz bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806. Danach wetteiferten die hochadeligen Habsburger und die Hohenzollern um die deutsche Vorherrschaft in Europa ...


Siehe auch

De flag.png Den Begriff "Goldene Bulle" im deutschen juristischen Web finden