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Gnade

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Das deutsche Wort Gnade dürfte sich aus dem altlateinischen Adjektiv ‚gnatus’ entwickelt haben, das ‚geboren, geschaffen, geeignet, bestimmt’ bedeutet. Gnade erschafft Menschen demnach seelisch neu …

Hier ein gespielter wortsakramentaler Gnadenakt von „Justitia“ zur ästhetischen Erklärung bzw. Umschreibung des Rechtsbegriffs Gnade:

Ihr, die Ihr leidenschaftlich tapfere Männer seid, deren Geist mit dem Wind wandert, begeht manchmal allein und unbewacht ein Unrecht an anderen und dadurch an Euch selber. Und für dieses selbst begangene Unrecht müsst Ihr am Tor der Seeligen anklopfen und eine Weile unbeachtet dort warten. Wie der Ozean ist das Göttliche in Euch; Es bleibt ewig unbefleckt. Und wie der Äther erhebt es nur die Beflügelten. Wie die Sonne auch ist das Göttliche in Euch; Es kennt nicht die Gänge des Maulwurfs, noch sucht es die Höhlen der Schlange auf.

Doch das Göttliche wohnt nicht allein in Eurem Sein; vieles in Euch ist noch Mensch, und vieles in Euch ist noch nicht Mensch, sondern ein formloser Zwerg, der im Nebel schlafwandelt und nach seinem Erwachen sucht. Und von dem Menschen in Euch möchte ich jetzt sprechen. Denn er ist es und nicht das Göttliche in Euch und auch nicht der Zwerg im Nebel, der Schuld und Sühne kennt.

Oft habe ich Euch von einem, der ein Unrecht begangen hat, reden hören, als sei er nicht einer von Euch, sondern ein Fremder und ein Eindringling in Eure Welt. Aber ich sage Euch, selbst wie der Heilige und Rechtschaffene nicht über das Höchste hinaussteigen kann, das in jedem von Euch ist, so kann der Böse und Schwache nicht tiefer fallen als das Niedrigste, das auch in Euch ist. Und wie ein einzelnes Blatt nicht ohne das stille Wissen des ganzen Baumes vergilbt, so kann auch der Übeltäter kein Unrecht tun ohne den verborgenen Willen von Euch allen. Wie in einer Prozession geht Ihr zusammen Eurem göttlichen Ich entgegen. Ihr seid der Weg und die Reisenden zugleich. Und wenn einer von Euch fällt, fällt er für die hinter ihm, eine Warnung vor dem Stolperstein. Ja, und er fällt für die vor ihm, die, obgleich schneller und sicherer im Schritt, den Stein des Anstoßes nicht entfernten.

Und noch dies, mögen die Worte Euch auch schwer auf dem Herzen liegen: der Getötete ist meist nicht ohne Verantwortung an seiner Tötung und der Beraubte nicht ganz schuldlos an seiner Beraubung – rein moralisch und global betrachtet. Der Rechtschaffene ist nicht völlig unschuldig an den Taten des Bösen, und der mit sauberen Händen ist nicht rein von den Taten des Missetäters. Ja, der Schuldige ist sogar sehr häufig das emotionale Opfer des Geschädigten und seiner Volksgruppe. Und noch öfter ist der Verurteilte der Sündenbock für den Schuldlosen und den nicht Beschuldigten. Ihr könnt nicht den Gerechten vom Ungerechten trennen und nicht den Guten vom Bösen; denn sie stehen zusammen vor dem Angesicht der Sonne, wie der schwarze und der weiße Faden zusammengewoben sind. Und wenn der schwarze Faden reißt, wird die Spinnerin das ganze Gewebe prüfen und auch den Webstuhl untersuchen. Und diejenige, die den Übeltäter zur Strafe auspeitschen will, soll auch den Geist desjenigen erforschen, dem von diesem Täter Übles angetan wurde. Und wenn einer von Euch im Namen der Rechtschaffenheit strafen und die Axt an den Baum des Bösen legen möchte, soll er ihn bis zu seinen Wurzeln prüfen; und wahrhaftig, er wird die Wurzeln des Guten und Bösen finden, des Fruchtbaren und des Unfruchtbaren, alle ineinander verflochten im stillen Herzen der Erde.

Und Ihr Richter, die Ihr gerecht sein wollt, welches Urteil sprecht Ihr über den, der zwar aufrichtig im Fleisch, im Geist aber ein Dieb ist? Welche Strafe verhängt Ihr über den, der im Fleisch tötet, im Geist jedoch selber getötet wird? Und wie verfolgt Ihr den, der in seinen Handlungen ein Betrüger und Unterdrücker, doch auch gekränkt und verletzt ist? Und wie werdet Ihr die bestrafen, deren Reue schon größer ist als ihre Untaten? Unaufgefordert wird sie in der Nacht anklopfen, die Reue, damit die Menschen erwachen, sich anschauen und miteinander reden. Und wie wollt Ihr Gerechtigkeit verstehen, wenn Ihr nicht alle Taten im vollen Licht betrachtet? Erst dann werdet Ihr wissen, dass der/die Aufrechte und der/die Gefallene nichts als zwei Menschen sind, die zwischen der Nacht ihrer kleinlichen Iche und dem Tag ihrer göttlichen Iche im Dämmer stehen, und dass der Eckstein des Tempels nicht höher ist als der niedrigste Stein in seinem Fundament.[1]


Inhaltsverzeichnis

Moralphilosophische Betrachtung

„Den Dreien musst Du vergeben, wenn sie auch Deine Gefühle verwunden:

dem Hauch, der Deine Blume entblättert,

der Wolke, die den Mond verbirgt,

und dem Manne, der mit Dir Streit sucht.“[2]


Religionsphilosophische Betrachtung

Ein Fallbeispiel von göttlicher Gnade bzw. vom gnädigen Gott im Gegensatz zum rachsüchtigen Gott wird den Menschen seit vielen Jahrhunderten im biblischen Buch Jona erzählt. Die einstige assyrische ReichshauptstadtNinive‘ hatte wohl gegen das Talmudische Recht verstoßen. Vor dem drohenden Strafgericht des monotheistischen Gottes sollte die Stadtbevölkerung und der König durch den beauftragten Propheten ‚Jona‘ gewarnt werden. Diese vor Ort durch ‚Jona‘ unter Lebensgefahr verkündete Warnung bewirkte, dass König und Volk mehrheitlich zur heiligen Buße bereit waren. Das Gottesgericht (als Angriffskrieg?) blieb daher aus.

‚Jona‘ war damit aber unzufrieden und wollte sterben. Doch sein treuer Gott beschützte ihn vor sich selbst mit Wundern. Dann belehrte er ihn gleichnishaft über Gnadenrecht: „Dir ist es leid um den Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können – und außerdem so viel Vieh?“[3]

Im Alten Testament wird nicht überliefert, dass ‚Jona‘ wohl eine Judaisierung des babylonischen Gottes ‚Oannes‘ darstellt. ‚Oannes‘ wurde aus dem Maul eines (Wal-)Fisches lebendig wiedergeboren. Der Fisch des ‚Oannes‘ bzw. ‚Jonas‘ hatte damals noch die Bedeutung eines Synonyms bzw. geheimen Schriftzeichens für den weiblichen Schoß. Er war noch kein Totemtier wie später bei Jesus von Nazareth ...

Der babylonische Prophet ‚Jonas‘ wird auch kurz im Koran erwähnt. Die arabischen monotheistischen Theologen haben dieses hebräische Lehrgleichnis über Gnade für die assyrische Reichshauptstadt Ninive damit religionsrechtlich anerkannt. Die Übersetzung des arabischen Textes nach Lazarus Goldschmidt aus dem Jahr 1920 lautet folgendermaßen: „Bis auf das Volk des Jonas; als sie gläubig wurden, entfernten wir von ihnen die Strafe der Schmach im Leben hienieden und ließen sie eine Zeit lang genießen.“[4]

Wer die Geschichte über den Propheten ‚Jona‘ genauer nachlesen will, der/die muss den Talmud oder das Alte Testament in seiner/ihrer eigenen Muttersprache zur Hand nehmen. Rechtswissenschaftlich betrachtet könnte die 10. Sure des Koran deshalb heute als eine religionsrechtliche Verweisung erkannt werden.


Sprachphilosophische Betrachtungen

In der deutschen Sprache gibt es zwei abgeleitete Adjektive des Subjektivs Gnade, die sich sehr ähnlich sind, jedoch gegensätzliche Bedeutungen haben. Gemeint sind 'begnadet' und 'begnadigt'. Begnadet sind Menschen mit besonderen herausragenden Fähigkeiten, begnadigt werden unter gewissen Umständen geständige Verbrecher oder politische Gefangene. An diesen beiden gebräuchlichen deutschen Wörtern kann man heute noch die beiden mystischen römischrechtlichen Gewalten 'vis maior' und 'vis absoluta' sprachlich erkennen.


Nationale Gnadenordnungen


Fußnoten

  1. Textvariation nach Khalil Gibran, Der Prophet, Kapitel: Von Schuld und Sühne; Walter Verlag, Düsseldorf und Zürich, 3. Auflage 2001
  2. Inazo Nitobé (1862 – 1933), japanischer Philosoph und Agrarwissenschaftler, von einem altjapanischen Samurai-Clan abstammend; Quellen japanischer Weisheit, Verlag Leobuchhandlung, St. Gallen 1974
  3. Die Bibel, Einheitsübersetzung, Das Buch Jona, Jona 4.10-11, Schwabenverlag AG, Ostfildern 1992
  4. Der Koran, 10. Sura von Jonas Friede über Ihn, Vers 98, Komet Verlag, Frechen 2000


Siehe auch

International.png Den Begriff Gnade im weltweiten juristischen Web finden
Fr flag.png Den Begriff grâce im französischen juristischen Web finden (grâce in Deutsch)
Be flag.png Den Begriff grâce im belgischen juristischen Web finden
Lu flag.png Den Begriff grâce im luxemburgischen juristischen Web finden
Eu flag.png Den Begriff grâce im juristischen Web der Europäischen Union finden
Uk flag.png Den Begriff mercy im juristischen Web des Vereinigten Königreiches finden
Us flag.png Den Begriff mercy im Vereinigten Staaten juristischen Web finden
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