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Geschwisterlichkeit

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Inhaltsverzeichnis

Kontinentale Geschwisterlichkeit


Märchenbetrachtung

Das Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen (1805 – 1875) mit dem Titel „Die wilden Schwäne“ greift die alttestamentarische Geschwistergeschichte von Dina und ihren zwölf Brüdern neu auf und führt sie an ein glückliches Ende ohne Mord und Totschlag.

Bei Andersen heißt das einzige Mädchen der Familie Elisa, wohl eine weibliche Form von Elias. Die Frau ist hier – anders als im Judentum - ein Zwölftel der zahlenmagischen bzw. astrologischen Ganzheit. Die religionsrechtliche Geschlechtertrennung wird im dänischen Märchen wieder aufgehoben. Elisa und ihre elf Brüder sind Königskinder und werden von ihrer bösen Stiefmutter aus dem Königsschloss verbannt bzw. verzaubert - die Königssöhne müssen tagsüber als elf weiße Schwäne leben. Ihre fünfzehnjährige Schwester Elisa versucht – von der Stiefmutter diskriminiert und vom eigenen Vater verkannt -, ihre Brüder wiederzufinden. Von einer alten Frau im Wald erfährt Elisa von den elf gekrönten Schwänen, die im Sommer an einer Flussmündung zum Meer leben. Bei Sonnenuntergang kommen dort die elf Schwäne geflogen und verwandeln sich am Strand zu schönen Prinzen, ihren Brüdern. Die Geschwister sind nun wieder vereint, aber noch nicht vom bösen Zauber erlöst.

Jedes Jahr zur Zeit der Sommersonnenwende fliegen die Schwäne über das Meer aus ihrem neuen Lebensraum in ihre alte Heimat und übernachten auf einer kleinen Klippe mitten im Meer, denn der Flug dauert zwei Tage. Nachts werden die Brüder ja zu Menschen, die zum Schlafen festen Boden unter ihren Körpern benötigen. Die Brüder leiden an Heimweh und bieten ihrer Schwester an, sie in ihr neues Reich mitzunehmen. Dazu flechten sie nachts gemeinsam ein großes und starkes Netz aus Weidenrinde und Schilfgras, auf das sich Elisa zum Schlafen legt. Die elf Schwäne ergreifen am nächsten Morgen dieses Netz mit ihren Schnäbeln und tragen Elisa so über das Meer. In letzter Minute schaffen sie gemeinsam die Landung auf der Klippe, wo sie eine unruhige Nacht ohne Schlaf verbringen. Am nächsten Tag fliegen sie weiter und kommen gesund in der großen Wohnhöhle der Schwanenprinzen an. Dort träumt Elisa, wie sie ihre Brüder zurückverwandeln kann. Eine Fee, in der Elisa die alte Frau aus dem Wald wiedererkennt, teilt ihr im Traum mit, dass sie für jeden ihrer Brüder ein langärmeliges Panzerhemd aus Brennnesseln anfertigen muss. Sie darf aber während dieser Arbeit nicht sprechen, d.h. sich nicht rechtfertigen, sonst müssen ihre Brüder sofort sterben. Als Elisa erwacht, macht sie sich ohne Bedenkzeit sofort an dieses Erlösungshandwerk. Sie erleidet die Schmerzen durch die brennenden Nesseln ohne Jammern und schweigt für eine lange Zeit.

Der jüngste Bruder erkennt ihre selbstlose Rettungsabsicht und unterstützt seine Schwester emotional. Tagsüber ist Elisa stets allein in ihrer Höhle bei der Handarbeit und eines Tages kommt zufällig der König auf der Jagd mit seiner Jagdmannschaft vorbei und entdeckt Elisa. Er verliebt sich sofort in das schöne Mädchen und spricht Elisa an. Diese muss jedoch schweigen und verwendet daher zur Kommunikation nur Gebärdensprache. Trotzdem oder deshalb nimmt der König Elisa gegen ihren Willen mit in sein Schloss. Als Elisa trotz schöner Kleider und prächtiger Umgebung nicht glücklich wird, richtet ihr der König schließlich ein Handarbeitszimmer mit ihren Brennnesselhemden ein. Nun zeigt Elisa Freude und der verliebte König lässt sie weiterarbeiten. Er erklärt Elisa zu seiner Verlobten und lässt das Hochzeitsfest ankündigen.

Der Hofgeistliche lehnt sich natürlich gegen diesen königlichen Plan auf, denn er hält Elisa für eine Hexe. Da sich Elisa ja nicht rechtfertigen kann, weil sonst ihre Brüder sterben müssen, nimmt die Volksverhetzung ihren natürlichen, gewohnheitsrechtlichen Verlauf. Als Elisa bei einem nächtlichen Besuch auf dem Kirchhof beobachtet wird, wo sie nur neue Brennnesseln geerntet hat, ist für den Geistlichen der Straftatbestand der Häresie erfüllt. Er klagt Elisa beim König an, dieser stellt seiner Verlobten nach und findet die Anklage des Geistlichen bestätigt. Da niemand Elisas Tun versteht und sie keinen Pflichtverteidiger erhält, kann das Volk durch den Geistlichen weiter gegen Elisa verhetzt werden. Das Volk fordert gutgläubig und/oder folgsam die Todesstrafe durch Verbrennen, wie es bei Hexerei – biblisch - vorgeschrieben ist. Auch im Gefängnis arbeitet die Schwester treu an den Panzerhemden für ihre elf Brüder weiter.

Als Elisa schließlich zu ihrer Hinrichtung gefahren wird, arbeitet sie gerade am letzten der elf Hemden. Die Brüder hatten vergeblich versucht, durch eine Vorsprache beim König während der Nacht das ungerechte Todesurteil wieder aufheben zu lassen. Aber dieser letzte Versuch war an den starren höfischen Regeln gescheitert, denn in der Nacht hat der König keine Sprechstunde und bei Tag sind die Brüder keine Menschen. So können Mann und Mann nie zusammenkommen. Die elf Schwäne setzen sich daher auf den Rand des Gefangenentransportkarrens und beschützen ihre Schwester vor dem Pöbel. In letzter Minute wirft Elisa ihre elf Hemden über die Schwäne und erlöst so ihre Brüder von dem stiefmütterlichen Zauber. Da sie nun wieder sprechen darf und ihre Brüder als Menschen ebenfalls sprechen können, wird das Todesurteil wegen Hexerei wieder aufgehoben und das Märchen endet mit der königlichen Hochzeit aus Liebe, die der Geistliche hatte verhindern wollen …


Weibliche Betrachtung

„Ein Seiltänzer, der hoch oben in der Kuppel im Scheinwerferlicht, mitten in seiner Vorführung zu überlegen beginnt, ob er den nächsten Schritt auch richtig setzt, kommt im gleichen Augenblick in die Gefahr, aus der Balance zu geraten. Der Moment der Unsicherheit kann seinen Absturz bedeuten. Er kann sich weder nach rückwärts umschauen, noch hilft ihm ein Hilfe suchender Blick ins Publikum, er ist alleine auf sein Selbstvertrauen und seine Ausgeglichenheit angewiesen. …

… Aber wenn uns schon kein Lebenspartner oder ein Ehemann zur Seite steht, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht interessiert sind, eine tiefere freundschaftliche Beziehung zu einem Mann zu haben. Einem, den man ohne Scham anrufen kann, auch wenn das Make-up durch Tränen verschwommen ist, bei dem man keine Hemmungen hat, sich zu zeigen, wie man gerade aussieht. … Einem der Zuspruch gibt und mit Ratschlägen spart. Der uns so lange zuhört, bis wir selber wissen, wo es langgeht und wie wir den ‚Kurs‘ zu korrigieren haben.

Auf diesen Wert, der echte Freundschaft ist, weil er Hilfe zur Selbsthilfe gibt, sollten auch wir nicht verzichten. Männer haben ihre ‚Seilschaften‘, achten darauf, dass sie gesichert bei ihrem Aufstieg steigen können. Wir können uns nach Frauensolidarität umgucken, was aus zwei Gründen schwer sein wird: zum einen, weil Frauen in höheren Positionen, wenn überhaupt, dann nur ‚ausgedünnt‘ vertreten sind; zum anderen, weil Frauensolidarität im Ämter- und Positionskampf ein schales Wortgehülse ist und höchst selten als Stütze zur Verfügung steht.“[1]


Fußnoten

  1. Veronika Zickendraht, Mach mich glücklich, reich mach ich mich selbst! Wir möchten Seiltänzer mit Netz sein, Seiten 134 – 136, Kösel-Verlag GmbH & Co., München 1998


Siehe auch

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