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Gemischter König

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Der „gemischte König“ ist eine Märchenfigur von Johann Wolfgang von Goethe aus seinem Rätselmärchen von der grünen Schlange und der Lilie (= Geschlechtsgemeinschaft???) aus den „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ aus der philosophischen Zeitschrift „Die Horen“ des Jahres 1795. Der deutsche Jurist und Schriftsteller Goethe stand damals im geistigen Austausch mit Friedrich Schiller. Beide nichtzölibatären Deutschen waren über die chaotischen Folgen der französischen Revolution (z.B. Guillotine und Anarchie) entsetzt.

Der „gemischte König“ stellt das Gegenbild dar zu den drei (3) anderen Märchenkönigen in goldener, silberner und eherner Ausprägung. Die Allegorie von den vier Königen steht durch ihre Entstehung zur beginnenden Aufklärungszeit für Deutschland in Bezug zur Rechtslehre der Gewaltendreiteilung. Demnach würde der goldene König die Judikative, der silberne König die Legislative und der eherne König die Exekutive allegorisch darstellen. Aus geistigen Nebenströmungen des Deutschen Idealismus entwickelte sich bei den „Anthroposophen“ die Soziallehre (nicht Rechtslehre!) von der Sozialen Dreigliederung. Stellt man zwischen die sozial wirksamen Felder von Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben und die geistig-abstrakten Rechtsbegriffe von Legislative, Judikative und Exekutive den „gemischten König“ auf das imaginierte Spielfeld, dann ist diese Spielfigur als ungenügend aufgeklärter, machtbewusster Herrscher zu erkennen, der einfach nur im Weg steht. Im Märchen wird diese Spielfigur von goldleckenden Irrlichtern als ein ausgehöhlter, deformierter Klumpen zum Hinsetzen (= "Setzen! 6!") gezwungen.

Die Märchenfigur des „gemischten Königs“ kann unter psychologischer Betrachtung heute als mögliche Identifikationsfigur zur Selbsterkenntnis für starrköpfige Männer erkannt werden, die ihre Weiterbildungsverpflichtung nicht beachtet haben. Damit hat Johann Wolfgang von Goethe den ursprünglichen Zweck von Kindermärchen als Erziehungsmittel erfolgreich für manche deutschsprachigen Erwachsenen auf sein literarisches Kunstwerk übertragen.


Überwindung des gemischten Königs im fiktiven Rollenspiel

„Mein verehrter Platon, schön dass ich dich hier treffe. Du darfst stolz darauf sein, dass deine philosophische Staatslehre ‚Politeia‘ bis heute eine so unerschöpfliche Inspirationsquelle für fast alle Fragen zum menschlichen Zusammenleben darstellt. Es ist erstaunlich, wie genau du schon im antiken Griechenland die grundlegenden menschlichen Beziehungsverhältnisse erkennen konntest.“

„Mein lieber Dr. Steiner, danke für deine Anerkennung. Menschliches Zusammenleben spielt sich immer in einem bestimmten Raum und in einer gewissen, begrenzten Zeit ab. Manche Verhaltensweisen bei gewissen Tiergattungen zeigen menschenähnliche Sozialstrukturen. Erscheinungen im Bienenstock oder im Ameisenhaufen deuten wir zunächst durch Analogien mit unserer eigenen Innerlichkeit. Wir nennen diese Deutung zwar oft objektiv, aber diese Forschungsweise liefert nur kümmerliche und wissenschaftlich unbrauchbare, gnostische Ergebnisse. Wir müssen diese Deutungen zuerst selbst als subjektiv erkennen, bevor wir durch längere Versuchsreihen und Beobachtungen richtige naturwissenschaftliche und statistische Ergebnisse erzielen können.“

„Naturwissenschaftliche und statistische Untersuchungen können jedoch nur das äußere objektive Material liefern, das durch geisteswissenschaftliche Deutung wahrheitsgemäß ausgewertet werden muss. Die Realität des Menschen bestimmt sich aus biologischen, anthropologischen, soziologischen, psychologischen und anthroposophischen Fakten. Durch diese Differenzierung in der Forschung erhalten wir Erkenntnisse über uns selbst als soziales Naturwesen und als höheres seelisch-geistiges Wesen. Der Mensch besitzt eine einzigartige Doppelnatur, die ihn von den Tieren kategorisch unterscheidet.“

„Mein lieber Dr. Steiner, deine denkerische Hinführung zum Doppelwesen des Menschen ist eine sehr moderne Sichtweise. Ich hatte zu meiner Zeit intuitiv erkannt, dass es in uns zwei Anlagen gibt: die mutvolle und die wissensliebende oder philosophische. Um beide Anlagen im Menschen ausgewogen entwickeln zu können, ist eine gute Erziehung notwendig. Ich gründete daher meine berühmte Platonische Akademie in Athen.“

„Oh mein vielgelesener Platon, leider haben dich die meisten Staatstheoretiker falsch interpretiert. Seit Jahrhunderten führen die Herrschenden vieler Länder Kriege gegeneinander, weil sie ihre Offiziere nur zu Wächtern des jeweils eigenen Nationalstaates erziehen lassen. Wenn sie den Krieg dann gewonnen haben, erlassen die Regenten neue Schul- und Hochschulgesetze, die meist nur ihrer eigenen Herrschaftssicherung dienen. So kann der Weltfrieden niemals erreicht werden. Menschen bilden aus ihren Familien naturgemäß immer Stämme und Völker aus. Der Volkswille wird durch Regeln zum juristischen Willen im Namen aller. Der Herrscher, den sein Volk duldet oder wählt, soll deren Gewohnheitsordnung bewahren. Früher wurden jedoch das Wachsen, Blühen und Vergehen von Staaten als Wirkungen unabhängiger, göttlicher Kräfte betrachtet. So bildete sich innerhalb der deutschen historischen Rechtsschule die Lehre vom instinktiv wirkenden Volksgeist heraus.“

„Hochgeschätzter Dr. Steiner, ich erkenne, dass unsere Fähigkeit, subjektive Synthesen und damit neue Begriffe bilden zu können, unsere Welt des Fühlens, Erkennens und Handelns bestimmt. Wenn wir unseren Begriffssynthesen objektive Wahrheit beimessen, dann springen wir vom Empirischen ins Metaphysische. So gelangen wir aus der realen Welt der Wissenschaft in die fiktive Welt des Glaubens.“

„Mein lieber Platon, als Individuum ist der Menschen ungeteilt. Dann gehört seine Freiheitsfähigkeit genauso zu unserer subjektiven Welt wie alle von uns wahrgenommenen Farben und Töne. Wissenschaftliche Besonnenheit hat die Aufgabe, uns die Relativität dieser Betrachtungsweise ins Bewusstsein zu bringen.“

„Ich danke dir, mein geschätzter Dr. Steiner, für deine revolutionären Gedanken. Jede Epoche der Menschheitsentwicklung besitzt besondere Normvorstellungen, die später ihre Geltung wieder verlieren können.“

„Verehrter Platon, unter einem Rechtssubjekt verstehen wir heute eine verliehene abstrakte Fähigkeit eines Mitglieds der betrachteten staatlichen Gemeinschaft. Der Mensch befindet sich während seines Lebenslaufes vom Kind bis zum Greis oder zur Greisin in andauernder körperlicher und psychischer Wandlung. Diese Metamorphose kann nur durch uns selbst zu einer Einheit werden, zu einem Individuum, das nicht nur in uns selbst als irreale Vorstellung existiert. Die moderne Psychologie betrachtet die Seele als reinen Begriff, der aus der subjektiven Synthese der psychischen Akte eines denkenden Menschen hervorgeht. Ein Individuum ist damit eine körperliche und geistige Zweckeinheit, die der eigenen Bewusstseinsbildung dient. Einen objektiven Wert besitzt ein Individuum formallogisch nicht, deshalb sind schließlich die Menschenrechte als allgemeine Schutznormen im Jahr 1948 entstanden.“

„Danke, verehrter Dr. Steiner, für deine interessanten Ausführungen. Die von dir aufgezeigte Beziehung von Subjekt und Rechtsordnung ist mir aber noch nicht vollständig klar geworden. Eigentlich lehne ich im Gegensatz zu meinem Schüler Aristoteles zu viel Staatlichkeit und Gesetz ab. Ich habe es mir immer so vorgestellt, dass der junge Mensch durch eine ästhetische Erziehung mit Gymnastik, Kunst und Musik auch den Sinn für das Recht und das Sittliche entwickelt.“

„Es gibt prinzipiell fünf verschiedene Wege, der menschlichen Existenz einen Sinn zuzusprechen: religiös-theologisch, physisch-anthropologisch, rechtlich bzw. juristisch, sittlich bzw. ethisch oder psychologisch. Theologische und anthropologische Menschenbilder können mit naturwissenschaftlicher Beweisführung aus kategorischen Gründen nicht untermauert werden. Sie gelten daher als Postulate bzw. Dogmen. Juristische Begründungen für ein bestimmtes Menschenbild sind gemäß aufgeklärter Auffassung stets Zirkelschlüsse, da säkulares Recht stets von Menschen erlassen wurde.“

„Trotzdem, verehrter Dr. Steiner, ist ein menschenwürdiges Leben außerhalb eines Staates für mich undenkbar. Der Mensch kann erst innerhalb der staatlich geordneten Gemeinschaft zum humanen Menschen heranwachsen. Und der humane Staat selbst geht für mich aus der sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft hervor – er wächst in drei Wogen. Das jeweilige Staatsrecht wird von den Menschen selbst erlassen und kann dann formallogischerweise nur eine rechtspraktische Folge des sittlichen Zusammenlebens der Menschen sein, aber niemals dessen Ursache. Recht kann nicht durch Recht begründet werden, wie Du richtig erkannt hast.“

„Der Mensch in seiner konkreten Erdenwirkung, im Licht seiner Biografie, wird gerechtfertigt durch die Zwecke, die er selbst vollbringt. Die Theorien vom göttlichen oder spirituellen Abbild allein genügen nicht für ein wissenschaftlich haltbares, psychologisches Menschenbild. Dass der Mensch prinzipiell zur Selbstbeherrschung fähig ist, das beweisen eindrücklich einzelne herausragende Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte empirisch. Zu dieser Selbstbeherrschung der Triebgewalt gehört unter anderem die Überwindung von Habgier und Sexsucht. Der freiheitsfähige Mensch ist evolutionär aus dem Widerstreit der beiden Geschlechter hervorgegangen. Der Kampf zwischen männlichen und weiblichen Willensentscheidungen wird dank der grundrechtlichen Gleichstellung durch die Mütter zugunsten der Kinder entschieden werden. Die allmähliche Angleichung der alten Standes- und Glaubensunterschiede durch Mischehen und außereheliche Zeugungen verwandelt die alte, vielfach abgestufte hierarchische Gesellschaft nach und nach in eine staatsbürgerliche, auf dem Boden grundsätzlich gleicher Rechtsfähigkeit stehende Gesellschaft.“

„Die natürliche Tendenz des Menschen, das Faktische zum Normalen zu erheben, spielt bei der Rechtsangleichung eine störende Rolle. Man kann diese Tendenz an den Kindern studieren, bei denen die Vernunft noch nicht bis zur Selbstständigkeit entwickelt ist. Den Grund der normativen Kraft des Faktischen in seiner bewussten oder unbewussten Vernünftigkeit zu suchen, wäre demnach ganz verkehrt.“

„Mein hochverehrter Platon, für die Einsicht in die Entwicklung von Recht und Sittlichkeit ist die Erkenntnis der normativen Kraft des Faktischen von höchster Bedeutung. Alles Recht in einem Volk ist ursprünglich nichts als faktische Übung. Die fortdauernde Übung erzeugt die Vorstellung des Normmäßigen dieser Übung. Der/Die autoritär Führende macht das Gebot dann zur Rechtsnorm. Gewohnheitsrecht entspringt demnach nicht aus einem Volksgeist, sondern aus der allgemeinen psychischen Eigenschaft der Menschen, sich das stets wiederholte Faktische zur Spielregel oder Norm zu machen. Diese bleibt dann solange unverändert, solange die Einwanderung von Menschen mit anderen Gewohnheiten wirksam verhindert wird. In den Sitten und Bräuchen der Familienverbände verschmelzen Moral und Recht zu einer schwer differenzierbaren Gemengelage. Daher kann Freiheit in diesem Bereich nur subjektiv erlebt werden, niemals objektiv begründet. Menschliche Freiheit lässt sich widerspruchsfrei also nur als relatives seelisches Gleichgewicht einzelner Subjekte definieren.“

„Hochverehrter Dr. Steiner, wie kann der/die Einzelne dieses seelische Gleichgewicht deiner Lehre nach erreichen?“

„Mein Sittengemälde vom freiheitsfähigen Menschen geht von fünf Funktionen aus. Drei dieser Funktionen sind lebenszweckorientiert und lauten Selbstbestimmung, Selbstversorgung und Selbstdisziplin. Zwei Funktionen sind rein formal und unterscheiden abstrakte Regeln (reine Vernunft) von konkreten Handlungen (praktische Vernunft). Die formalen und die materiell-zweckorientierten Funktionen lassen sich jeweils aufeinander beziehen. Durch die Verbindung seiner reinen Vernunft mit seinem Wunsch zur Selbstbestimmung bildet ein Mensch persönliche Ideale und Leitbilder aus. Durch die Ausrichtung konkreter Handlungsakte an seiner reinen Vernunft entwickelt der Mensch persönliche Tugenden als individuelle Handlungsformen. Verknüpft dieser Tugendhafte weiterhin seine reine Vernunft mit seiner Selbstversorgungsabsicht, entstehen die sogenannten guten Sitten. Durch die Verknüpfung der reinen Vernunft mit seiner Selbstdisziplin entwickelt der weise Mensch die Freiheit der Urteilskraft. Zahlreiche Handlungsakte mit Selbstdisziplin verbinden sich allmählich zur eigenen Identität bzw. synthetisieren sich zum Selbstbild des freien Menschen. Ich nannte diese sechs Wesensglieder des Menschen – inspiriert von der altindischen Weisheitslehre – früher als Theosoph Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch, Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewusstseinsseele. Die vier angeborenen grob- und feinstofflichen Leiber hatte ich unterschieden in physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ichleib. Diese verstaubten Begriffe konnten sich jedoch in den deutschsprachigen Ländern für die Geisteswissenschaft nicht durchsetzen.“

„Dr. Steiner, ich bin beeindruckt von deinen Schilderungen des sechsgliedrigen Menschenwesens. Es zeichnet sich nicht durch unbeschränkten Egoismus aus wie der Tyrann, sondern durch die personale Freiheit zur Selbstbestimmung und Selbstbeschränkung. Unbeschränkt ist deine Individualität nur in dem Sinne, dass kein Mensch die innersten Beweggründe des jeweils anderen Menschen vollständig erkennen kann. Dieses Merkmal der Individualität scheint jedoch rein formal zu sein. Es besagt nichts über Art und Inhalt der selbstgesetzten Schranken oder über den Prozess der Schrankenziehung selbst.“

„Auch heute noch, verehrter Platon, sind viele Menschen wie du der Meinung, dass in dem Augenblick, in dem man auf das Geistige übergeht, die wissenschaftliche Resignation eintreten muss, weil Gefühlsmystik vorherrscht. Geistige Funktionen haben jedoch notwendigerweise auch materielle Wirkungen, die nicht nur unbeabsichtigt und wie zufällig auftreten. Mit jeder neuartigen Maxime eines Menschen auf dieser Erde wird eine Änderung der sozialen Zustände in mehr oder minder messbarer Weise herbeigeführt. Es kommt immer darauf an, ob der Reformator viel oder wenig Einfluss auf andere Menschen hat. Die alte patriarchalische Rechtslehre stellte die Theorie auf von der rechtlichen Repräsentation der Familie durch den verheirateten und eheliche Kinder zeugenden Mann. Der Vater hat jedoch in den modernen Rechtsstaaten nicht mehr das Recht, Ungehorsam seiner Kinder oder seiner Ehefrau selbst zu richten. Die zwei wesentlichen Zweckfunktionen eines guten Ehemannes und/oder Vaters sind heute aus staatlicher Sicht die Fähigkeiten, durch Selbstbeherrschung des Sexualtriebs die Kinderzahl selbst zu bestimmen und die Familie/Kinder durch Erwerbsarbeit selbst zu unterhalten. Väterlichkeit ist im Unterschied zur Männlichkeit ein geistiges Prinzip. Der humanistische Liebeswille findet innerhalb oder außerhalb der Familie einen Konsens zwischen den unterschiedlichen Einzelwillen von Mutter, Vater und ihren Kindern. Selbstlosigkeit ohne Selbstaufgabe kennzeichnet seit zweitausend Jahren die idealisierte christliche Väterlichkeit. Konkret erreichbar ist sie wohl nur für sehr wenige Väter …“


Siehe auch

De flag.png Den Begriff "gemischter König" im deutschen juristischen Web finden
Ch flag.png Den Begriff "gemischter König" im schweizerischen juristischen Web finden
At flag.png Den Begriff "gemischter König" im österreichischen juristischen Web finden
Nl flag.png Den Begriff dwaallicht im Niederlanden juristischen Web finden