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Freie Reichsstadt

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Hauptseite > Rechtsgeschichte > Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
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Sogenannte Freie Reichsstädte des Römischen Reiches besaßen die rechtliche Reichsunmittelbarkeit, d.h. sie gehörten nicht zum Besitz der Lehnsherren. Sie durften den Reichsadler als kaiserliches Wappen führen und zahlten ihre Steuern direkt an den Kaiser. Seit 1806 ist dieser Rechtsstatus der Städte zusammen mit dem Römischen Reich erloschen. In diesen Freien Reichsstädten Deutschlands lebten damals zahlreiche jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger unter ihrem eigenen, dem Talmudischen Selbstverwaltungsrecht ...


Rechtshistorische Betrachtung

Am Beispiel der schwäbischen Stadt Esslingen können die komplizierten Rechtsfortbildungen Europas aufgezeigt werden. Esslingen war als christliche Missionszelle im heidnischen „Alemannia“ im Jahr 777 n. Chr. an das fränkische Kloster St. Denis vererbt worden. Esslingen blieb zunächst ein christlicher Pilgerort mit Markt am Fluss Neckar, verkehrsgünstig gelegen an einer uralten Kreuzung zweier Handelswege aus der Keltenzeit.

Etwa im Jahr 950 n. Chr. wurde Esslingen zur Münzprägestätte des örtlichen schwäbischen Herzogs, der vom Kaiser das Münzrecht erhalten hatte. Als neues Finanzzentrum wuchs der Ort rasch und wurde unter den schwäbischen Stauferkaisern zur Stadt erhoben. Jedoch übertrugen die reitenden bzw. reisenden Stauferkaiser den reichhaltigen Besitz an und aus der Stadtkirche juristisch an die katholische Diözese Speyer am Rhein. Nach 1265, als die Staufer-Dynastie endgültig entmachtet war, kämpfte Esslingen um seine rechtliche Unabhängigkeit gegen die erstarkende Dynastie Württemberg aus Stuttgart. Die Stadt Esslingen stritt im Namen des Römischen Kaisers gegen die Landesfürsten von Württemberg. Es bildeten sich unterschiedliche politische Koalitionen heraus, die die Freie Reichsstadt strategisch geschickt zu ihrem Vorteil nutzte. Im 14. und 15. Jahrhundert verbündeten sich sowohl die Freien Reichsstädte als auch die deutschen Landesfürsten immer häufiger mit politisch Gleichgesinnten. Es war ein Kulturkampf zwischen Stadt und Land im Gange.

Die Reformation führte schließlich zur religiösen Abtrennung der Freien Reichsstadt Esslingen von ihrem bisherigen religiösen Oberhaupt, dem römisch-katholischen Kaiser mit festem Verwaltungssitz in Wien. Nun konnte der protestantische Herzog von Württemberg Esslingen langsam aber sicher in seinen Herrschaftsbereich bringen. Hatten sich die Reichsstädte und die Fürsten bisher auf den Schlachtfeldern bekämpft, so führten sie nun als Glaubensbrüder die Auseinandersetzungen mit juristischen und diplomatischen Mitteln. Es dauerte trotzdem noch über 250 Jahre, bis die Freie Reichsstadt Esslingen im Jahr 1802 unter dem Eindruck der Französischen Revolution mit ihrer Anarchie schließlich formaljuristisch in den württembergischen Territorialstaat eingegliedert wurde.

Der Rechtsverlust der reichsunmittelbaren „Freiheit“ wurde in der Folgezeit verwandelt in das deutsche Grundrecht auf kommunale Selbstverwaltung.

Quelle

"Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das ist außen." Begleitbuch zur Gemeinschaftsausstellung des Landesmuseumsverbands anlässlich des Jubiläums ‚50 Jahre Baden-Württemberg‘, Kirsten Fast und Susanne Feldmann, "Eine deß Heijl. Röm. Reichs Freije Statt im Württemberger Land am Neckar" - Die Beziehungen der Reichsstadt Esslingen nach außen und im Inneren, Seiten 161 - 182


Siehe auch

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