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Emancipatio

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Die römisch-rechtliche ‚emancipatio‘ war ein ritualisierter „Freikauf“ eines (jungen) römischen Bürgers aus der rechtlichen Gewalt seines ‚pater familias‘. Gemäß dem Zwölf-Tafeln-Gesetz XII 4.2 b als Schranke gegen väterlichen Rechtsmissbrauch konnten Söhne durch dreimalige ‚mancipatio‘ noch vor dem Tod ihres männlichen Familienoberhauptes das Römische Bürgerrecht erlangen. Die ‚mancipatio‘ war ein ritualisiertes Barkaufgeschäft zur Eigentumsübertragung, vergleichbar mit traditionellen Marktgeschäften der reisegewerblichen Viehhändler.

Der römische Jurist ‚Gaius‘ beschreibt im Corpus Iuris Civilis die ‚mancipatio‘ folgendermaßen: „adhibitis non minus quam quinque testibus civibus Romanis puberibus et praeterea alio eiusdem condicionis, qui libram aeneam teneat, qui appellatur libripens, is, qui mancipio accipit, rem tenens ita dicit: HUNC EGO HOMINEM EX IURE QUIRITIUM MEUM ESSE AIO ISQUE MIHI EMPTUS ESTO HOC AERE AENEAQUE LIBRA; deinde aere percutit libram idque aes dat ei, a quo mancipio accipit, quasi pretii loco. Eo modo et serviles et liberae personae mancipantur, animalia quoque, quae mancipi sunt, quo in numero habentur boves, equi, muli, asini, item praedia tam urbana quam rustica, quae et ipsa mancipi sunt, qualia sunt Italica, eodem modo solent mancipari.“


Rechtsphilosophische Fallbetrachtung mit Deutungsversuchen

„Wie Perceval einen Ritter besiegt und zu Hofe schickt

In großer Eile ritt Perceval durch ein Tal davon; er war aber noch keine Meile geritten, da hörte er hinter sich im Tale ein Pferd wiehern. Er schaute zurück und gewahrte einen Ritter, der in gestrecktem Lauf heranstürmte. Er trug ganz neue und schöne Waffen, die wohl den Blick auf sich lenken konnten, als ob er ein Kaiser oder König wäre. Der Ritter erhob sofort die Stimme und schrie Perceval entgegen: ‚Vasall, eine große Torheit habt Ihr begangen, da Ihr zu Eurer Unehre den Wasserzoll meines Herrn nicht entrichtet habt. Mich dünkt, das sollt Ihr büßen.‘

Hierauf wandte Perceval dem Ritter das Haupt seines Rosses entgegen und rief aus: ‚Vasall, Vasall, wisset, dass ich ein Ritter bin, und an keinem Orte, wo ich jemals war, verlangte man von mir einen Zoll. Kehrt um und handelt weise und geht Euren Geschäften nach!“

Deutungsversuch: Der rebellierende Sohn widersetzt sich den geltenden Reichsregeln.

„Gott möge mir keine Gnade gewähren, wenn ich umkehre, ohne Euch zu schädigen. Ihr müsst mit mir zu Eurem Unheil zu dem Schlosse dort am Strom zurückkehren, denn dorthin werde ich Euch führen.‘ – ‚Ihr sollt mich führen!‘ erwiderte Perceval. ‚Doch ohne Kampf soll Euch das nicht gelingen!‘ – ‚Bei meinem Glauben, so werde ich denn kämpfen und nicht länger säumen, wenn Ihr im Guten nicht mitkommen wollt.“

Deutungsversuch: Die gewaltsame Sanktionierung und Urteilsfindung wird dem rebellischen Sohn angedroht.

Hierauf spornten sie ihre Pferde zu schnellstem Gang, um sich mit den Lanzen zu treffen. Der Ritter versetzte Perceval einen so heftigen Stoß, dass er ihm den Schild zerfetzte und zerstückelte und das scharfe Lanzeneisen an seiner Seite vorbeifuhr. Am Körper jedoch verletzte er ihn nicht; die Lanze zersplitterte durch diesen mächtigen Stoß. Perceval seinerseits stieß ihn so auf den Schild, dass er ihn auf die Erde in den Staub warf und sein Roß ihm quer über den Leib fiel. Das sollte ihm schlecht bekommen, denn der Ritter fiel in Ohnmacht, ob er wollte oder nicht. Als er wieder zu sich kam, sprang er auf und schrie: ‚Vasall, ich bin zu Fuß und Ihr zu Ross! Steigt Ihr entweder ab, oder Euer Pferd geht Euch verloren!‘

Hierauf antwortete Perceval: ‚Was hat Euch mein Ross getan, dass Ihr es erschlagen wollt? Seid nur nicht in Angst, dass ich Euch zu Pferd angreife, denn das brachte ich noch niemals fertig, und es würde mir keine Freude einbringen.‘ Hierauf sprang Perceval von seinem schneeweißen Ross und zog von seiner Linken ein scharfes schönes Schwert, dessen Klinge blitzte wie ein glühender Feuerbrand. Er ergriff den Schild an der Schlinge, und sein Gegner begann ihn heftig anzugreifen. Da gab es harte Schläge auf die Helme, auf die Schilde. Perceval jedoch, der so manchen Strauß und manchen Kampf bestanden, versetzte seinem Gegner einen solchen Schlag, dass weder Stahl noch Nasenschutz verhindern konnten, dass das Schwert ihm bis auf das Haupt fuhr; damit streckte er ihn der ganzen Länge nach zu Boden. Betäubt von dem Schlag, verlor der Ritter wohl dreimal das Bewusstsein. Perceval dagegen löste ihm den Helm und entblößte sein Haupt.

Deutungsversuch: Beim ritterlich fairen Schlagabtausch mit dem Schwert gewinnt der rebellische Sohn; der Reichsritter des Vaters erleidet insgesamt viermal eine Ohnmacht und wird schließlich entblößt.

Da geriet der Gegner in heftigste Furcht, rief um Gnade, streckte sein Schwert Perceval entgegen und sprach: ‚Vasall, in höfischer Art bitte ich dich, mein Leben zu schonen. Wer um Gnade fleht, muss sie bekommen. So gewährt mir Eure Gnade!‘ – ‚Du sollst sie bekommen‘, rief Perceval, ‚doch musst du vor deiner Rückkehr in dein Schloss an den Hof des Königs Artus ziehen und ihm sagen, dass ich dich als Gefangenen schicke. Du sollst ihm berichten, weshalb ich dich ihm als Gefangenen schicke. Dort wirst du eine gute Gefangenschaft finden, wenn du ihm diese angenehmen Nachrichten von mir überbringst. Du sollst ihm auch sagen, ich werde zu Pfingsten dort sein, wo er seinen Hof halten wird, wenn ich nicht als Gefangener oder Kranker zurückgehalten werde und deshalb nicht zu Hof kommen kann. Nichts als der Tod soll mich aber zurückhalten. Bevor du ausreitest, musst du meinen Namen wissen und wohl im Gedächtnis bewahren. Perceval der Waliser werde ich nach Recht und Gesetz in meinem Lande genannt.“

Deutungsversuch: Der Ritter der alten Ordnung kapituliert nun und bittet um Gnade. Der siegreiche Sohn gewährt ihm Gnade, stellt aber als Bedingungen die Anerkennung seines Namens, seiner Stellung als Sieger und die demütige Ergebenheit des Unterlegenen zum (neuen) siegreichen Herrn, indem er als Bote, Gesandter oder Diener zum Königshof des „Artus“ reisen wird.

Der Ritter hatte seine Worte wohl vernommen und erwiderte in höfischer Art: ‚Herr, dies alles will ich gerne ausführen, und wenn ich zu Hofe komme, will ich Punkt für Punkt alles erzählen.‘ Hierauf schied er von Perceval, stieg wieder zu Pferde, ohne weiteren Aufschub zu verlangen, und beide empfahlen sich in Freundschaft Gott dem Herrn. Der Ritter fuhr rasch seines Weges, um zu Hofe zu gelangen, und all sein Unmut hatte sich in Güte und guten Willen verwandelt. Auch Perceval hatte wieder sein weißes Ross bestiegen und zog seines Weges weiter. Er hörte nicht auf zu reiten, bis er gegen Mittag wohlgemut auf eine üppige Ebene gelangte.“

Deutungsversuch: Nun ist die Sozialisation wohl gelungen. Der rebellische Sohn lässt den ehemaligen Diener seines Vaters in Freundschaft ziehen, denn er hat erkannt, dass dieser als ehrbarer Ritter das Rechte und Gute tun wird.

Quelle

Rittergleichnis entnommen aus Perceval der Gralskönig, VI. Perceval besiegt den Teufel, 7. Wie Perceval einen Ritter besiegt und zu Hofe schickt, Chrestien de Troyes, deutsche Übersetzung der altfranzösischen Gralsdichtung, Ogham Verlag Sandkühler & Co. Stuttgart, 3. Auflage 1983


Siehe auch

International.png Den Begriff mancipatio im weltweiten juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff emancipatio im deutschen juristischen Web finden
International.png Den Begriff Gaius im weltweiten juristischen Web finden