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Ehesakrament

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„Heilige“ Ehemoral – juristisch betrachtet

Die Zeiten der sexuellen Revolution im 20. Jahrhundert sind in Europa weitgehend vorbei. Einige Etappen davon bezeichnen noch immer folgende Schlagworte treffend: Freikörperkultur, Beate-Uhse-Skandal, Anti-Baby-Pille, Abtreibungsdebatte zum § 218 StGB, Make-love-not-war-Bewegung, Ashrams, alternative promiskuitive Lebensentwürfe wie "Kommunen" oder indisch-tantrische Jugendsekten. Diese Entwicklungen könnten als Zerfallserscheinungen der traditionellen Familienstrukturen gedeutet werden. Als kleinste sozialökonomische Einheit war die Familie das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, der schon in der Auflösungsperiode der menschlichen Urgesellschaft begonnen hatte. Die Kleinfamilie bildete sich in dem Maße heraus, wie die sich verändernden Bedingungen zur Beschaffung des Lebensunterhalts auch kleineren Menschengruppen erlaubten, wirtschaftlich und gesellschaftlich selbständig zu existieren. Die christlich-rechtsmoralische Zeit der Lustunterdrückung aus sozialen Gründen könnte heute durch eine Zeit der familiären „Lusterziehung“ menschengerecht abgelöst werden. Exemplarisch sollen einige Beziehungs-„Fälle“ im Licht der modernen Sozialpädagogik betrachtet werden. Gemäß dem aufgeklärten Gerechtigkeitsbegriff von Immanuel Kant würde zum Tatbestand des Ehebruchs sowohl die sexuelle Beiwohnung mit einem fremden Partner gehören als auch der Bruch des geleisteten Treueschwurs und Lebensqualitätsversprechens. Durch diesen doppelten Tatbestand sind viele Fallkonstellationen denkbar, die juristisch zu den unterschiedlichsten Bewertungen führen können.

Beispiel Swingerclub: Beide Ehepartner gehen zusammen jeweils freiwillig in einen sogenannten Swingerclub. Dort haben beide oder nur einer sexuellen Verkehr mit fremden Partnern. Der Treueschwur ist hierbei nicht verletzt, da es für beide Partner eine freie Willensentscheidung war, diese Ausnahme zuzulassen. Es ist somit kein Ehebruch in rechtlichem Sinne, da die Ehepartner auch noch die eigene Geschlechtsgemeinschaft verantwortungsvoll pflegen.

Beispiel Haustyrann: Der Ehemann schlägt seine Frau, wenn er frustriert von der Arbeit kommt. Diese sucht sich daraufhin heimlich einen Liebhaber. Der eheliche Verkehr wird trotzdem fortgesetzt. Aus rechtlicher Sicht haben beide ihren Treueschwur gebrochen: der Mann durch die Körperverletzung seiner nicht masochistischen Frau, die Frau durch ihren Seitensprung. Beide begehen daher Ehebruch und die Taten könnten gegeneinander aufgerechnet werden. Ob das Ehepaar so weiterhin zusammenleben will, ist deren Privatsache. Es würde erst zum nichtöffentlichen Strafrechtsfall kommen, wenn die Ehefrau den Mut hätte, die Körperverletzung bei der Polizei anzuzeigen.

Beispiel heimliche Geliebte: Der erfolgreiche Geschäftsmann führt ein Doppelleben. Zuhause hat er Ehefrau und Kinder, in der Firma hat er ein Verhältnis mit seiner ledigen Sekretärin. Hier ist klar, dass nur der Mann den Ehebruch begeht, da die Ehefrau völlig ahnungslos ist und sich in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter wohl fühlt. Denkbar wäre diese Konstellation natürlich auch für eine erfolgreiche Geschäftsfrau, was aber bisher in Deutschland seltener vorkommt. Sollte man diesen ehebrecherischen Erfolgsmenschen nun aus rechtlicher Sicht für seine Tat bestrafen? Wäre dieses sozial wünschenswert? Doch wohl nicht. Es ist alles eine persönliche Angelegenheit der Betroffenen.

Beispiel auferlegtes Zölibat: Die Ehefrau verweigert sich ihrem Mann sexuell aus unerfindlichen Gründen. Sie spricht auch nach eindringlichem Bitten von seiten ihres Mannes mit ihm nicht darüber. Nach mehreren Jahren der erzwungenen sexuellen Enthaltsamkeit nimmt sich der Mann eine Geliebte. Rechtlich gesehen haben nun beide Partner Ehebruch begangen, da keine eheliche Beiwohnung mehr stattfindet - sie durch ihre unbegründete Verweigerung und er durch den Seitensprung. Sozial erwünscht ist aber eine Bestrafung auch in diesem Fall nicht. Es ist wieder nur die persönliche Angelegenheit der Betroffenen. Natürlich ist auch der Fall theoretisch denkbar, dass sich der Mann seiner Ehefrau verweigert. Bei einem gesunden Mann kommt das aber wohl eher selten vor. Die Bewertung des Falles ändert sich durch die Vertauschung der Rollen verständlicherweise nicht.

Beispiel Krankheit des Ehepartners: Die Sachlage ist natürlich eine völlig andere, wenn die Ursache der sexuellen Verweigerung eine körperliche oder seelische Krankheit ist. Dann liegt Ehebruch tatbestandsmäßig nur beim gesunden Partner vor, wenn er sich trotz Wissens der Gründe der Verweigerung einen anderen Sexualpartner zulegt. Anders ist es aber, wenn der kranke Partner diesem Vorgehen aus Liebe und Verständnis zugestimmt hat. Tut er dies jedoch aus einer Zwangslage heraus, dann liegt Nötigung vor und damit auch Ehebruch. Aber auch hier wäre eine Bestrafung aus sozialer Sicht unangebracht.


Die fünf Beispiele sollten zeigen, dass es sehr schwierig bis nahezu unmöglich ist, gerichtlich festzustellen, ob im Einzelfall Ehebruch aus rechtlicher Sicht überhaupt vorliegt. Mit der Feststellung der Strafwürdigkeit der jeweiligen Tat ist es genauso. Deshalb kann Ehebruch heute aus ganz rechtspraktischen Gründen nicht mehr als strafwürdiges Delikt gelten. Die Rechtsentwicklung hat ja auch tatsächlich dieses Ergebnis in Europa hervorgebracht. Ehebruch gehört somit in den Bereich der Familienethik, die an den staatlichen Schulen zunehmend säkular und religionsverbindend (weltethisch) unterrichtet werden sollte. Hierzu liefert auch Immanuel Kant einige sehr brauchbare Argumente. Alle Religionen überliefern uns vielfältige interessante Familientraditionen, die fast immer unterbewusst eine große Rolle spielen, aber heute für viele Menschen nicht mehr heilig sind.

Siehe auch

International.png Den Begriff Ehesakrament im weltweiten juristischen Web finden (Ehesakrament in Deutsch)
Uk flag.png Den Begriff "sacrament of marriage" im juristischen Web des Vereinigten Königreiches finden
Fr flag.png Den Begriff "sacrement de mariage" im französischen juristischen Web finden ("sacrement de mariage" in Deutsch)
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Eu flag.png Den Begriff "sacrement de mariage" im juristischen Web der Europäischen Union finden

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