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Diskussion:Öffentliches Recht (de)

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Rechtshistorische Betrachtung

Auch hier fällt wieder die ideologische Gleichsetzung des Begriffs Anarchie mit Gesetzlosigkeit und Blutrache auf, wodurch eine scheinbare Antithese zum Rechtsstaat postuiiert wird. Das ist weder historisch noch politisch korrekt. Andere Gesellschafts- und Rechtsformen, als die hier auf Jurispedia propagierte, als anarchistisch zu bezeichnen und damit Recht- und Gesetzlosigkeit zu beschreiben, klärt nichts und verhindert einen wirklichen Diskurs, ist also seinem Wesen nach repressiv. Schlicht falsch ist auch die Gleichsetzung von Blutrache mit Ehrenmorden. Man sollte von Juristen erwarten, dass sie so etwas differenzieren können. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob Ehrenmord nicht ein populistischer Begriff ist, der nur das, was der deutsche Durchschnittsjurist so gerade noch versteht, beschreiben soll, aber nicht einmal im Ansatz die Komplexität solchen Taten zugrunde liegender sozialer Bindungssysteme zur Kenntnis nimmt. Die Blutrache dagegen ist ein komplexes archaisches Rechtssystem, welches gerade verhindern soll, dass es zu tödlichen Auseinandersetzungen kommt. Das wäre eine eigene wissenschaftliche Untersuchung wert. Das als Antithese zum aufgeklärten Rechtsstaat zu nehmen ist völlig ahistorisch, den die Aufklärung ist nicht als Gegenbewegung zu archaischen Rechtsformen sondern zum Absolutismus entstanden, dem durchaus ein Rechtsstaat zugrunde lag. Im Absolutismus liegt die Gewaltenteilung begründet, denn Ludwig des XIV. berühmter Satz: l'etat, c'est moi, drückt ja, dialektisch betrachtet, nichts anderes aus als die Anerkennung der Gewaltenteilung im modernen Staat. Zur Behauptung seines absoluten Herrschaftsanspruchs hätte er alles sagen können, z.b. le roi, c'est moi, le souverain, c'est moi, aber doch nicht diesen Satz mit dem er die Funktion des modernen Staates mit seinen Gewalten anerkennt, auch wenn er sie noch absolut auf sich vereint.--Jon 16:35, 4. Nov. 2012 (CET)

These und Antithese

Die rechtswissenschaftliche Schwarmintelligenz sagt: "Der Begriff Öffentliches Recht ist schwer zu erfassen. Zunächst einmal steht er in grammatikalischer Auslegung als Abgrenzung zum Privatrecht für alles nicht-private und daher öffentliche Recht im Staat. ... Öffentliches Recht ist die deutsche Übersetzung von „ius publicum“ aus der Lateinischen Sprache. Im Römischen Recht hatte „ius publicum“ zunächst dasjenige Strafrecht bezeichnet, das von öffentlichen, d.h. republikanischen Strafgerichten öffentlich verhandelt und vollstreckt wurde. Das öffentliche Verfahren diente damals auch der bürgerlichen Erziehung der von Rom unterworfenen „wilden“ Volksstämme. Das Römische Recht galt damals als kulturell überlegene Ordnungsmacht, d.h. als das bessere Staatsrecht. Der Grundsatz der öffentlichen Verhandlung hat sich als ein rechtsstaatliches Prinzip durchgesetzt. Der deutsche Begriff Öffentliches Recht hat sich zusammen mit dem europäischen Recht aus dem Römischen Recht entwickelt. ... Aber noch waren Verfassungsrecht und Öffentliches Recht im Staatsrecht untrennbar ineinander verzahnt. Dies änderte sich erst durch die Europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts und durch die Gewaltenteilung. ... Das allgemeine Bewusstsein, dass heute Religionsrecht in Deutschland formaljuristisch größtenteils zum Privatrecht gehört und Öffentliches Recht neutrales staatliches Recht ist, muss in der deutschen Bevölkerung mehrheitlich noch wachsen. ..."

Der Rechtskritiker Jon sagt: "Hier fällt die ideologische Gleichsetzung des Begriffs Anarchie mit Gesetzlosigkeit und Blutrache auf, wodurch eine scheinbare Antithese zum Rechtsstaat postuliert wird. Das ist weder historisch noch politisch korrekt. ... Schlicht falsch ist auch die Gleichsetzung von Blutrache mit Ehrenmorden. ... Die Blutrache ist ein komplexes archaisches Rechtssystem, welches gerade verhindern soll, dass es zu tödlichen Auseinandersetzungen kommt. Das wäre eine eigene wissenschaftliche Untersuchung wert. Das als Antithese zum aufgeklärten Rechtsstaat zu nehmen ist völlig ahistorisch, denn die Aufklärung ist nicht als Gegenbewegung zu archaischen Rechtsformen sondern zum Absolutismus entstanden, dem durchaus ein Rechtsstaat zugrunde lag. Im Absolutismus liegt die Gewaltenteilung begründet."

Online-Begriffsklärungsversuch: ?

Begriffe

Offen gesagt, weiß ich nicht was es da zu klären geben soll. Ich stoße mich an diesem Satz: >>Das öffentliche Verfahren diente damals auch der „bürgerlichen“ Erziehung der von Rom unterworfenen „wilden“ Volksstämme, bei denen mehrheitlich die Blutrache als anarchistische Vergeltungslehre praktiziert wurde (heute: Ehrenmord). Das Römische Recht galt dagegen als kulturell überlegene Ordnungsmacht, d.h. als das bessere Staatsrecht.<<
1. kann man nicht von bürgerlicher Erziehung im alten Rom sprechen, denn wir verstehen unter bürgerlicher Erziehung heute etwas ganz anderes. -> historisch falsche Begriffssetzung
2. Welche wilden Volksstämme meint der/die Verfasser(in) eigentlich? Die Etrusker, die Latiner, die Samniten oder gar die Karthager? -> historisch falsche Beschreibung
3. "Blutrache als anarchistische Vergeltungslehre" ? -> das ist in mehrfacher Hinsicht schlichter Unsinn. Anarchismus als Gesellschaftsmodell ist eine Sache des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Inwieweit die Römer eine solche Begrifflichkeit verwendet haben müsste erstmal beschrieben werden. Blutrache als Vergeltungslehre ist selbst rechtshistorisch von schlichter Unkenntnis gezeichnet.
4. Die Frage des "Ehrenmordes" s. o.
5. Ob das Römische Recht aus Sicht der Römer als überlegen galt, ist ja rechtshistorisch völlig irrelevant. Empirischerweise wird das Recht der siegreichen Macht als überlegen angesehen. Das können wir aber heute nicht einfach ungeprüft, sozusagen aus der historischen Rückschau als gegeben annehmen. Dazu müsste ja erstmal das Rechtssystem der sogenannten "wilden Volksstämme" untersucht werden.--Jon 23:23, 13. Mär. 2013 (CET)