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Bayerische Revolution (de)

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Durch die dynastischen europäischen Erbfolgestreitigkeiten für Spanien, die zwischen dem säkularen Kaiserhaus Napoleons, den katholischen Habsburgern und den protestantischen Hohenzollern im Jahr 1870 entbrannten, kam es am 16. Juli 1870 zur Kriegserklärung Frankreichs gegen Preußen. Der Bayerische König Ludwig II. (1845 - 1886) erklärte kurzentschlossen seine nationale (christliche?) Solidarität mit Preußen und ließ in Bayern mobilmachen: der „Anpfiff“ zur Gründung des Deutschen Reichs durch den gemeinsamen - nationalen - Sieg über Frankreich im Jahr 1871 war erfolgt.

Durch die besondere Kriegssituation gelang es Otto von Bismarck in der Folge, den jungen bayerischen „Märchenkönig“ für seinen Plan einer deutschen Reichsgründung zu gewinnen – er ließ ihn den „Kaiserbrief“, d.h. den Antrag an König Wilhelm I. von Preußen zur Übernahme des Kaiseramtes im neuen Deutschen Reich unterzeichnen. Im Jahr 1886 wurde König Ludwig II. mit nur 40 Jahren wegen seiner Verschwendungssucht rechtlich entmündigt. Er starb noch im gleichen Jahr unter ungeklärten Umständen im Starnberger See.

Das Bayerische Volk konnte dieses Königsopfer zum Wohle des Deutschen Reichs nur schwer verkraften. Zur Erinnerung an die einstige Märchenherrlichkeit hat der junge König seinem Volk u.a. wundervolle Märchenschlösser und das Festspielhaus in Bayreuth zur Aufführung von Richard Wagner’s tragischen Opern hinterlassen. Seit damals sind diese Königsbauten Sehenswürdigkeiten für Besucher und Besucherinnen aus der ganzen Welt.

Die Schattenseite der Königsherrlichkeit war jedoch die Ausplünderung der bayerischen Arbeiter und Bauern gewesen. Deshalb war auch im katholischen Bayern eine sozialistische Arbeiterbewegung entstanden, die zunächst weitgehend im Untergrund arbeiten musste. Sie wurde sehr stark durch jüdische Intellektuelle impulsiert. Drei wirkungskräftige Publikationsorgane waren damals „Der Sozialist“ der deutschen Anarchisten, das kleine Propagandablatt „Der arme Konrad“ zur Erinnerung an den Bauernaufstand von 1514 – 1525 in Württemberg und „Die Bauernzeitung“ aus Überlingen am Bodensee, die als jüdisch-katholisch-genossenschaftliche Gemeinschaftszeitung nur kurz in den beiden Jahren 1920/21 erscheinen konnte. Dann war der fundamentalistische Widerstand schon zu groß geworden.

Am 7. November 1918 putschten die beiden sozialistischen Parteien MSPD und USPD unter der Führung von Kurt Eisner in München und bildeten für Bayern eine kommunistische Räterepublik (= "Sowjetrepublik"). Kurt Eisner wurde durch den sogenannten Provisorischen Nationalrat des Volksstaats Bayern zum Ministerpräsidenten ernannt. Für den 12. Januar 1919 wurden Landtagswahlen angesetzt, bei denen jedoch die konservative Bayerische Volkspartei die Mehrheit erzielte. Trotzdem wollten die sozialistischen Parteien die Macht nicht mehr abgeben. Am 21.02.1919 wurde Kurt Eisner ermordet. Wegen diesem politischen Mord kam die Konstitution des neuen Bayerischen Landtags zunächst nicht zustande. In "Direkter Demokratie" sollte daher die Bayerische Räterepublik fortgeführt werden. Republikanische Schutztruppen aus Bayern und Württemberg, die sogenannten "Weißgardisten", putschten am 13.04.1919 gegen die Räterepublik der "Rotgardisten" und verhalfen so den gewählten Konservativen an die Macht.

Der aus Buttenhausen in Württemberg-Hohenzollern stammende katholische Staatssekretär Matthias Erzberger wurde 1919 Reichsfinanzminister und Vizekanzler. Durch seine Finanzreform zu Lasten der Wohlhabenden und als Unterzeichner des Versailler Vertrags galt er bei den Monarchisten als Erfüllungsgehilfe der Jüdischen Sozialisten. Als er am 26. August 1921 ebenfalls ermordet wurde, begann der unaufhaltsame Siegeszug der neuen nationalsozialistischen Münchner Partei, der NSDAP. Diese hatte sich auf ihrem ersten Parteitag am 22. Januar 1921 in München gegründet. Ihre ersten rechtsextremen Anhänger gewann sie vorwiegend aus den Reihen der politischen Gegner der gescheiterten linksextremen Bayerischen Räterepublik. Die vom österreichischen Parteiführer Adolf Hitler durchgesetzte straffe, d.h. diktatorische Parteistruktur kam den frustrierten deutschnationalen Monarchisten wohl gewohnheitsmäßig sehr entgegen. Der tragische und leider auch für Württemberger (z.B. Graf von Stauffenberg) unaufhaltsame Verlauf der deutsch-jüdischen Geschichte begann somit im katholischen Bayern durch die Revolution ...


Siehe auch

De flag.png Den Begriff Revolution UND Bayern UND Rechtsgeschichte im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "Kurt Eisner" im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "Matthias Erzberger" im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff Räterepublik UND München im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "von Stauffenberg" im deutschen juristischen Web finden

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