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Rechtsgeschichte (gr)

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Griechenland > Rechtsgeschichte
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Die Lage der heutigen Hauptstadt Griechenlands mit der nach ihr benannten Provinz Attika wurde durch die natürliche Erhebung der alten Königsburg Akropolis bestimmt. Das erste Königtum in Athen entstand nach der Eroberung des Festlands durch vordringende Völker aus Asien. Ab dem 11. Jahrhundert vor Christus nahm die Völkerwanderung nach Europa kontinuierlich zu. Dieses erste frühe Königtum von Athen zerfiel in zahlreiche regionale Fürstentümer, die sich allmählich zu unabhängigen Stadtstaaten mit eigenen Stadtrechten weiterentwickelten.


Inhaltsverzeichnis

Die Erfindung der griechischen Demokratie

Der griechische Gesetzgeber Drakon (659 – 601 v. Chr.) ist sprichwörtlich in die Rechtsgeschichte eingegangen („Drakonische Strafen“). Er erfasste das griechische Gewohnheitsrecht erstmals schriftlich und führte eine staatliche Rechtsprechung ein. Der attische Dichter und Staatsmann Solon (ca. 640 – 560 v.Chr.) reformierte dieses strenge Stadtrecht, um die sozialen Gegensätze abzubauen und so den Frieden zu sichern. Er leitete den Demokratisierungsprozess in Athen ein, der von Kleisthenes noch im 6. Jahrhundert v. Chr. vollendet wurde. Athen besaß nun mit dem „Rat der 500“ die erste Repräsentativverfassung der Menschheit.


Athen zur Zeit der Perserkriege

Die Stadt Athen stieg durch die beiden Siege gegen die Perser in den Jahren 490 und 480 v. Chr. zum mächtigsten Stadtstaat der verbündeten griechischen Städte auf. Die Schlacht bei Salamis im Jahr 480 v. Chr. gilt als der erste militärische Sieg für die demokratische Freiheit Europas. Der attische Staatsmann und Kriegsstratege Perikles schloss 449 v. Chr. den Kalliasfrieden mit den Persern und vereinbarte 446 v. Chr. einen 30jährigen Waffenstillstand mit Sparta. Er baute Athen zu einer uneinnehmbaren Festungsstadt aus und förderte das Handwerk, die Kunst und die Philosophie bzw. die Wissenschaft. Die weltberühmte Platonische Akademie wurde im Jahr 387 v. Chr. in Athen gegründet.


Athens Bruderkrieg mit Sparta

Das Königreich Sparta und die Republik Athen begannen im Jahr 431 v. Chr. einen Bruderkrieg, der als der Peloponnesische Krieg in die Geschichtsbücher einging. Er zog sich bis ins Jahr 404 v. Chr. 27 Jahre lang hin und führte am Ende zur Niederlage Athens. Sparta konnte sich über seinen Sieg jedoch nicht lange freuen. Das Königreich Makedonien im Norden nutzte die Schwächung seiner südlichen Nachbarn aus und trat nach der siegreichen Schlacht von Chaironeia im Jahr 338 v. Chr. die Macht in ganz Griechenland an.

An dieser Entscheidungsschlacht hatte auch der Sohn des Makedonischen Königs Philipp II., der spätere Alexander der Große, teilgenommen. Er war von Platons Akademiemitarbeiter Aristoteles ab dem Jahr 342 v. Chr. jahrelang sorgfältig zum Thronfolger Griechenlands ausgebildet worden. Zu Lebzeiten Alexanders blieb Aristoteles deshalb der einflussreichste Gelehrte Athens.


Athen als Zentrum des Griechischen Weltreichs

Alexander III., der Große, vereinte als gemeinsamer Sohn des Makedonischen Königs Philipp II. und der Königin von Olympia, des griechischen Kultortes für die damals noch heiligen Spiele zu Ehren des Göttervaters Zeus, in seiner Person den makedonisch-griechischen Staat und die griechische Religion. Er war zugleich ein weltlicher Königssohn der patrilinearen Erbfolge Makedoniens und ein Sohn der Hohepriesterin in matrilinearer Erbfolge Griechenlands. Dieses doppelte Erbe und seine gute Ausbildung durch Aristoteles befähigten ihn dazu, die antiken Großreiche Ägypten und Persien für die griechische Kultur zu erobern. Seine Erfolge als charismatischer unbesiegbarer Kriegsherr machten Athen nach seinem frühen Tod in Babylon im Jahr 323 v. Chr. zum kulturellen Zentrum des griechischen Weltreiches der Philosophie. Die weltliche Herrschaft über dieses Reich besaß Athen jedoch faktisch nie. In diesem Sinne war Athen nie eine Reichshauptstadt.

Stattdessen kann Athen als die erste Kulturhauptstadt Europas gelten: zwischen 333 v. Chr. und der Machtübernahme Roms im 2. Jahrhundert vor Christus.


Athen als Gelehrtenstadt des griechischen Sprachraums

Nach dem Aufstieg Roms zur Reichshauptstadt fehlte es den Athenern an der gewohnten weltpolitischen Macht. Daher spezialisierten sich die attischen Bürger auf die Wissenschaft und die Bildung. Die zahlreichen Akademien wurden zu Schulen für Töchter und Söhne der Mächtigen und Reichen. Griechisch wurde zur Sprache der Wissenschaft und der Theologie. Neben Griechisch wuchs Lateinisch zur zweiten Reichssprache im Westen heran.


Athen und Byzanz als geistige und weltliche Machtzentren des Römischen Reichs

Die von Kaiser Konstantin I., dem Großen (ca. 280 – 337 n. Chr.), im Römischen Reich eingeführte christliche Staatskirche mit dem Kaiser als Vertreter des Vatergottes auf Erden führte in der Folge zur Erbmonarchie und damit zum christlichen Fundamentalismus in Europa. Im Jahr 326 bzw. 330 n. Chr. verlegte Konstantin I. seine kaiserliche Residenz nach Byzanz. Diese Stadt am Bosporus hatte große strategische Bedeutung für den Handel mit dem Heiligen Land. Dadurch spaltete sich das Römische Reich in einen lateinisch und einen griechisch verwalteten Sprach- bzw. Rechtsraum. Im östlichen Reichsteil gewann nun Athen wieder an Bedeutung und Macht.

Die christliche Staatsreligion stellte jedoch eine Bedrohung für die Freiheit von Wissenschaft und Philosophie dar. Tatsächlich wurde im Jahr 529 n. Chr. die Platonische Akademie in Athen durch kaiserliche Verfügung Justinians I., des Großen (482 – 565 n. Chr.), geschlossen. Als Erbe aus dem zerfallenden griechischen Weltreich hinterließen Justinians Rechtsgelehrte der Nachwelt den „Corpus Iuris Civilis“, d.h. das gesammelte Römische Recht. Seine Baumeister hinterließen der Menschheit die "Hagia Sophia" in Istanbul als größtes Kirchengebäude ihrer Zeit.


Athen unter weltlicher Verwaltung der Päpste von Rom

Papst Gregor I., der Große und Heilige (ca. 540 – 604 n. Chr.), war Benediktinermönch. Er konnte u.a. die Völker der Langobarden (Italien) und Angelsachsen (Großbritannien) für das Christentum gewinnen. Seine Reichsverwaltung nach dem Benediktinischen Motto „Bete und arbeite!“ bereitete den späteren Kirchenstaat als religiöse europäische Verwaltungszentrale vor.

Die Franken unter Pippin III. sorgten mit dem Rechtsakt der sogenannten „Pippinschen Schenkung“ im Jahr 756 n. Chr. für das staatsnotwendige Landeigentum in Rom (= Vatikanstadt). Damit war die geistige Macht Athens endgültig gebrochen. Die griechische Sprache verlor zunehmend an Bedeutung. Latein übernahm vorübergehend die Rolle der führenden Weltsprache, bis sie in der modernen Zeit wiederum durch Englisch abgelöst wurde.


Athen als Bischofssitz der Griechisch-orthodoxen Kirche

Im Jahr 1054 n. Chr. spaltete sich die griechisch-orthodoxe Kirche von Rom ab. Das Schisma führte dazu, dass es nun offiziell zwei christlich-moralische Personen im europäischen Rechtsraum gab. Der Osten stand unter der geistlichen Führung des Kaisers, der Westen unter der geistlichen Führung des Papstes. Im Osten herrschte daher der „Corpus Iuris Civilis“, im Westen der „Corpus Iuris Canonici“. Für Athen bedeutete dies, dass es nun einem neuen Herren, dem Kaiser von Konstantinopel, steuerpflichtig war. Für den Byzantinischen Kaiser bedeutete dies, dass er nun durch die Rechtsgelehrten von Athen kritisiert werden würde.

Dieser strengen akademischen Beurteilung ihrer Herrschaft konnten die Machthaber von Byzanz nur 400 Jahre standhalten. Im Jahr 1453 n. Chr. fiel das innerlich zermürbte Konstantinopel in die Hände der muslimischen Eroberer. Damit war der Ostkaiser als Kirchenoberhaupt für Athen eliminiert.


Athen im Osmanischen Reich

Während der Besatzungszeit durch die türkischen Osmanen (1456 – 1822) lieferte die Griechisch-orthodoxe Kirche den Athenerinnen und Athenern die sie verbindende und stärkende Kraft des christlichen Glaubens. Dadurch entwickelte sich im Volk das griechische Nationalbewusstsein, das schließlich zu den griechischen Befreiungskämpfen führte.


Athen als Hauptstadt Griechenlands

Durch die vor den Türken geflohenen griechischen Gelehrten gewann der Westen Europas wertvolles akademisches Wissen hinzu. Die Renaissance und der Humanismus wurden durch diese Emigration eingeleitet. Die Erfindung des Buchdrucks ermöglichte diese erste Bildungsrevolution zwischen 1454 und 1580. Dann begann die Gegenreformation der Päpste in Europa zu wirken.

Die vielen Rechtskonflikte zwischen geistlicher und weltlicher Macht ließen Europa langsam und schmerzvoll zu einem einzigartigen demokratischen Staatenbund von souveränen Nationen mit eingebetteten Völkern heranreifen. Griechenland, die Erfinderin dieser Regierungs- und Staatsform Demokratie, musste lange auf ihre Befreiung warten. Doch der romantische Geist des klassischen Bildungsideals begeisterte nach dem Umbruch durch die Französische Revolution bald wieder ganz Westeuropa. Am 6. April 1821 rief der griechische Erzbischof seine Landsleute dazu auf, die türkische Fremdherrschaft endlich abzuschütteln. Die griechische Nation folgte ihm. Im Jahr 1833 wurde Griechenland eine unabhängige Monarchie und Athen ihre königliche Hauptstadt.


Athen wird demokratisch

Im Jahr 1967 wurde Griechenland nach langen und schweren innenpolitischen Kämpfen endlich nach der Flucht von König Konstantin II. nach Rom eine Republik - zunächst unter einer Militärregierung. Seit dem Jahr 1973 ist Griechenland eine parlamentarische Republik. Mit Hilfe der Europäischen Union versucht der griechische Nationalstaat - bestehend aus sehr vielen Mittelmeerinseln - nun seine eigene rechtsstaatliche Verwaltung zu realisieren. Männliche Besserwisserei ist hierbei - erfahrungsgemäß - nicht hilfreich. Hoffentlich kehrt sehr bald die politische Idee der Demokratie an den Ort ihrer Entstehung wahrhaftig heim!


Siehe auch

Eu flag.png Den Begriff Rechtsgechichte UND Athen im juristischen Web der Europäischen Union finden