Willkommen auf JurisPedia! Sie sind dazu eingeladen, ein Benutzerkonto einzurichten und zu teilzunehmen. Sie dürfen dafür neue Beiträge schreiben oder bearbeiten, oder die Suchemaschine im Recht Ihres Landes verbessern. Nutzer sollten die Lizenzbestimmungen lesen.
Es gibt zur Zeit 13.283 in ständiger Konstruktion …

Todessakrament

aus jurispedia, das gemainsame Recht
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Beitrag ist ein Entwurf betreffend das Völkerrecht. Ihr könnt Eure juristischen Kenntnisse durch Bearbeitung mitteilen. Ihr könnt auch die Suchemaschine benutzen…
'
Suche im Völkerrecht 20px-International.png
Google Custom Search

Hauptseite > Germanisches Recht > Strafrecht > ars celebrandi > Ökumenischer Beobachter > Trauerspiel
International.png


Neben den vier wichtigsten Sakramenten des Lebens, des Bodens, der Ehe und der Vaterschaft hatten alte Religionen auch das Phänomen des Todes – meist personifiziert als schwarz-weiße Todesgöttin – zum Sakrament erklärt.


Inhaltsverzeichnis

Religionsphilosophische Betrachtung

Eine bekannte germanische Todesgöttin war Hel, die als Frau Holle in der Märchenwelt der Juristenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm (1785/1786 – 1863/1859) als Allegorie die Zeiten überdauert hat. Hel war die Herrscherin desjenigen Schattenreiches, das auch im Parsismus heute noch einen von zwei Reichsteilen in dieser dualistischen Religion darstellt. Das Schattenreich war in Zeiten ohne Gefängnisse der (tödliche) Strafort für die Schwerverbrecher des (indo)germanischen Stammes. Hel spielte somit die Rolle der Pförtnerin und Aufseherin dieses spirituellen Strafvollzugs. Sie wurde angebetet, damit sie möglichst lange gnädig zu den noch Lebenden blieb. Jedoch galt ihre Macht lange naturgemäß als unüberwindlich.

In Altmexico hieß diese Todesgöttin 'Mictecacihuatl'. Sie gab als allegorische Mutter dem Staat Mexiko seinen Namen.

Um die menschliche Todesangst zu mäßigen, entwickelten die Todespriester aller Religionen vielfältige Rituale und Lehren. Die wichtigste „heilende“ Lehre ist die Theorie von der Wiedergeburt, die sich wohl als Analogie aus den beobachteten jährlichen Wachstumszyklen herausbildete. Auf diese Weise konnte die furchterregende Todesgöttin für lange Zeit zugleich als bergende und neu befruchtende dunkle Erdgöttin gelten. Sie war damals für die vom Verlust betroffenen Menschen noch als heilig erlebbar.

Später lösten sich jedoch einzelne positive Bedeutungen von dieser weiblich-göttlichen Gesamtgestalt ab. Am Ende blieb nur noch die Hölle, d.h. der Kerker vom ursprünglich weiblich gedachten Strafvollzug übrig. Dieses alte Recht hatte damit seinen sakramentalen Charakter vollständig verspielt und war zum bloßen Gewohnheitsrecht verkommen. Die natürliche Trennung von Moral und Recht war absichtslos vollzogen worden bzw. war unaufhaltsam geschehen. Der kriegerische Siegeszug der drei Buchreligionen über die Naturreligionen nahm seinen Lauf ...

Moderne aufgeklärte Betrachtung

Noch heute wird in vielen Gegenden der Erde der sieghafte Wiedereinzug der Erdgöttin alljährlich im Frühjahr als Fasching oder Karneval ausgelassen gefeiert.

Ein zeitgemäßes Todessakrament stellt heute der Gekreuzigte des Christentums dar. Er ist ein unteilbares, d.h. vermittlungsdienendes spirituelles Doppelsymbol für Tod und Wiederauferstehung.

Die Verwendung der Swastika durch das NS-Regime stellt einen unbewussten bzw. triebhaften Rückfall in eine nationalistische Naturreligiosität dar ...

Persönliche Betrachtungen im Angesicht des Todes

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren.

Ferner: Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muss sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiss ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus.“ [1]


Künstlerische Betrachtung

„… Hätte man also Phantasie, so wüsste man, dass es Verbrechen ist, das Leben dem Zufall auszusetzen, Sünde, den Tod zum Zufall zu erniedrigen, dass es Torheit ist, Panzerschiffe zu bauen, wenn man Torpedoboote baut, um sie zu überlisten, Mörser zu bauen, wenn man zum Schutz gegen sie Schützengräben baut, in denen nur jener verloren ist, der seinen Kopf früher herausstreckt, und die Menschheit auf der Flucht vor ihren Waffen in Mauselöcher zu jagen und sie einen Frieden fortan nur unter der Erde genießen zu lassen. …“[2]

Fußnoten

  1. Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945), Theologe und Widerstandskämpfer, Brief aus dem Gefängnis, geschrieben am 24.12.1943 während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, der Text ist gemeinfrei ...
  2. Karl Kraus (1874 – 1936), österreichisch-jüdischer Dramatiker: der „Nörgler“ im Dialog mit dem „Optimisten“ im Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ aus den Nachkriegsjahren 1918/19

Siehe auch

International.png Den Begriff Tod UND Sakrament im weltweiten juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "Jacob Grimm" OR "Wilhelm Grimm" im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "Dietrich Bonhoeffer" im deutschen juristischen Web finden

In anderen Sprachen