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Standesrecht

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Inhaltsverzeichnis

Standrecht ist kein Standesrecht mehr!

Zunächst einmal ist heute wichtig, dass Standrecht und Standesrecht trotz fast gleichlautender Begriffe nichts mehr miteinander zu tun haben. Standrecht ist der gewohnheitsrechtliche Vorläufer des Kriegsrechts. Es erlaubte den Befehlshabern in Kriegs- oder Ausnahmezuständen eine eigenmächtige Handhabung der Strafgewalt. Seit Einführung des internationalen Völkerrechts durch Vertrag nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) stellt Standrecht daher immer und überall auf der Erde Selbstjustiz dar. Keinesfalls kann es heute noch als Standesrecht der Soldaten („Kriegerstand“) Geltung haben. Standrechtliche Handlungen sind überall auf dem menschlichen Wohnplaneten Erde gegebenenfalls als Kriegsverbrechen zu werten.

Drei ehemalige Reichsstände

Beim Standesrecht unterscheidet man nach der gesellschaftlichen Funktion des Rechts zwischen Berufsständen und den sogenannten Reichsständen. Berufsstände waren zum Beispiel die Handwerkszünfte, aber auch Ärzte, Priester, Lehrer, Apotheker, Rechtsanwälte, Baumeister, Kaufleute u.a. galten im Mittelalter als „ständisch“, d.h. sonderrechtlich organisiert. Neben den – durch Lehre – bedingt sozial durchlässigen Berufsständen gab es im Feudalismus auch vererbliche Adelsstände wie Baron, Fürst, Graf, Herzog, Ritter, d.h. Soldaten usw. Diese Adelstitel wurden vom jeweiligen Staatsoberhaupt einmal verliehen und konnten dann an die Nachkommen weitervererbt werden.

Die beiden anderen Reichsstände im Kaiserreich waren der Bauernstand auf dem Land und das Bürgertum in den freien Städten. Jedes Mitglied der drei Reichsstände hatte zwingend sein geltendes Standesrecht zu befolgen. Die Reichsstände waren in der Regel sozial undurchlässig. Einzelne Ausnahmen bildeten seltene Eheschließungen aus Liebe. Die europäischen Juden gehörten im Mittelalter nicht zu den (christlichen) Reichsständen. Sie wurden daher stets diskriminiert und häufig aus Sozialneid oder christlichem Fanatismus verfolgt. Sie waren ohne einen sogenannten Judenschutzbrief von ihrem Landesherrn faktisch den Knechten im Staat gleichgestellt. Man nannte sie deshalb auch Kammerknechte. Die allgemeine Geltung der europäischen Judenschutzbriefe endete mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Jahr 1806. Die furchtbaren Folgen sind bekannt.


Ständische Ordnung

Die ständische Ordnung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde traditionell als gottgegebene Ordnung betrachtet. Reformen im Recht waren deshalb nur kriegerisch durchzusetzen, indem einzelne oder vereinigte Landesherren dem kriegerischen Chaos und der Gewalt Friedensverträge abrangen. Im Krieg litten alle Menschen im Reich gleichermaßen Not, im Frieden jedoch besaßen die Adeligen Privilegien. Erst die Entmachtung des Adels brachte den Europäerinnen und Europäern am Ende doch noch den lange ersehnten Frieden. Entscheidend dafür war der Aufstieg des aufgeklärten Bildungsbürgertums in den freien Reichsstädten und Stadtstaaten.

Der Weg zur Gleichheit in Europa war/ist demnach ein Weg in die horizontale Mitte: Sowohl die diskriminierten Menschen am unteren Rand der Gesellschaft als auch die privilegierten Standesherren von oben mussten/müssen rechtlich in die entstehenden demokratischen Staatsvölker integriert werden. Der europäische Integrationsprozess ist noch voll im Gange ...

Rechtshistorische Betrachtungen

Die wissenschaftliche Verrechtlichung der gewachsenen Standesklassen bzw. religiös begründeten Kasten geht auf die antiken Griechen zurück. Vier überlieferte Verwaltungskategorien der altgriechischen Stadtstaaten hießen ‚génos‘, ‚demos‘, ‚phratrios‘ und ‚phylos‘.

‚génos‘ und ‚phratrios‘ waren dynastische Begriffe, die zum Königtum gehörten und sich auf städtische Familien und Sippen bezogen. Man könnte die Begriffe heute vielleicht mit Familienstamm und Gemeinde vergleichen.

‚demos‘ und ‚phylos‘ waren rechtsphilosophische Begriffe, die die Städte demokratisch ordnen bzw. reformieren sollten. Um die Rechtsfortbildung im antiken Griechenland zu sichern, führten altgriechische Demokraten schon damals Zivilregister, Kataster, Grundsteuern und Pachtverträge ein. Aus der konfliktreichen Synthese dieser ersten vier Verwaltungskategorien sozialisierten sich allmählich vier Berufsstände in den antiken griechischen Stadtstaaten: der Magistrat (geléontes), die Stadtmiliz (Hopliten), die Handwerker (Argadeis) und die Viehzüchter (Aigikores).

Die demokratische Stadtverwaltung als menschliches Ideal konnte sich gegen den naturreligiösen Feudalismus im Griechenland der Antike noch nicht behaupten. Die Berufsstände "gleicher" Bürger wandelten sich in hierarchische Klassen zurück (vergleiche: Zunftordnung, Adelsprivileg). Die Idee der Demokratie konnte sich dank der europäischen Philosophen und ihrer überlieferten Bücher in den Staatsarchiven bis in die Neuzeit am Leben erhalten ...

Siehe auch

International.png Den Begriff Standesrecht im weltweiten juristischen Web finden (Standesrecht in Deutsch)
Fr flag.png Den Begriff "droit de classe" im französischen juristischen Web finden ("droit de classe" in Deutsch)
Uk flag.png Den Begriff "class distinction" im juristischen Web des Vereinigten Königreiches finden

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