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Rechtsgeschichte (cn)

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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China > Rechtsgeschichte
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China hat als eines der vier ersten staatsartigen Vielvölker-Großreiche (vgl. Ägypten, Indien, Persien) seine nationale Identität – seit der Reichsgründung im 3. Jahrhundert v. Chr. – bis heute bewahrt. Dies gelang vor allem mit Hilfe der einheitlichen chinesischen Zeichenschrift, die heute durch die Kunstform der Kalligraphie national geehrt und geübt wird.

Für die Mehrheit des chinesischen Staatsvolkes ist ihre wahrgenommene Welt bis heute vertikal in drei Reiche und horizontal in drei Weltanschauungen gegliedert:

Die vertikale Gliederung des chinesischen Vorstellungsraumes umfasst:

Die horizontale Gliederung des chinesischen Vorstellungsraumes umfasst:

  • die Weltanschauung und Tugendlehre des Konfuzius = „li“ (礼),
  • die Weltanschauung und Reine Rechtslehre der Legalisten = „fa“ (法),
  • die Weltanschauung und das Brauchtum des Taoismus als Vermittler = „wu-wei“ (无为).

Legt man horizontale und vertikale Dreigliederungen übereinander, dann erhält man einen neungliedrigen Vorstellungsraum (vergleiche: Staatslehre nach Friedrich Schiller)


Inhaltsverzeichnis

Konfuzianismus

Der Konfuzianismus vertritt als Staatslehre das Staatseigentum, den Zentralismus und Einheitssteuern für alle Bürgerinnen und Bürger. Staatliche Ordnungsmacht ist die soziale Kontrolle durch die Moral. Das Recht wird abgelehnt. Konfuzianer betrachten die chinesische Gesellschaft als ein System von persönlichen Beziehungen, d.h. eigentlich von Rechtsbeziehungen, die im Staat durch das Staatsvolk selbst harmonisch gestaltet werden sollten. Die Familien sind dabei die Keimzellen des Staates. Sanktionen gegen antimoralische „Unmenschlichkeit“ sind daher aus juristischer Sicht kollektive Selbstjustiz. Es gibt keinen Rechtsstaat.

Der Konfuzianismus wurde während der Han-Dynastie im 3. Jahrhundert v. Chr. zur Staatsreligion erklärt. Er verhalf China zur Einheit und Größe als eine absolutistische Monarchie. Als Verwaltungsbeamten dienten vor allem die sogenannten Legalisten.

Legalismus

Der Legalismus vertritt als antithetische Lehre zum Konfuzianismus das Privateigentum, freien Handel und Mehrfachsteuern. Die staatliche Ordnungsmacht stellt ganz selbstverständlich das Recht und die Regierung dar. Die Legalisten im Dienst des Kaisers vertraten eine Reine Rechtslehre und begründeten ein strenges Verwaltungs- und Strafrecht in China. Andererseits unterstützte der Legalismus denjenigen wirtschaftlichen Eigennutz, der dem Staat dient. Ethische Verantwortung wurde in das Privatleben der Menschen verbannt oder an den Kaiser abgetreten. Im Staatsbetrieb galt das Gebot des Funktionierens im Sinne des Kaisers.

Der Kaiser hatte seit der Reichsgründung immer zugleich die Funktionen des obersten weltlichen und religiösen Herrschers in einer Person. Er personifizierte somit die Staatsgewalt. Jedoch wurde er niemals als ein Gott verehrt wie bei den Ägyptern oder den Römern. Seine Machtbasis stellte die gut ausgebildete und geprüfte treue Beamtenschaft als Elite dar. Legitimiert wurde diese Elite durch ihre guten Kenntnisse im akademischen Konfuzianismus.

Taoismus

Der Taoismus pflegt bis heute die Dialektik bzw. den Dualismus zwischen und mit „li“ und „fa“. Als staatliche Ordnungsmacht gilt ein “sozialrechtliches“ Belohnungs- und Strafsystem mit normativen Anordnungen und Verboten. Als dritte große Weltanschauung Chinas kümmern sich Taoisten vor allem um innere Harmonie, d.h. um seelische und körperliche Gesundheit des Einzelnen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein Produkt des Taoismus. Taoisten betrachten die Welt als ein Kräftesystem zwischen zwei polaren kosmischen Urkräften, die Yin und Yang genannt werden. Das dritte, d.h. das vermittelnde Element wird Tao genannt.

Taoismus ist eigentlich eine Philosophie und keine Religion. In der Opposition zum Konfuzianismus haben sich jedoch taoistische „kirchliche“ Strukturen in China herausgebildet.

Kolonialismus

Das Chinesische Kaiserreich konnte seine nationale Einheit durch Abschottung und Mauerbau für zwei Jahrtausende bewahren. Erst Großbritannien erzwang im Chinesisch-Britischen Krieg von 1839 – 1842 die Öffnung Chinas für den Welthandel. Hongkong wurde befristet zur britischen Vertragskolonie und fünf chinesische Hafenstädte erhielten kaiserliche Privilegien für die Öffnung zum Welthandel.

Mit der Öffnung des Reiches begann jedoch auch die Zeit der Arbeiter- und Bauernaufstände in China. Nach der Besetzung der Hauptstadt Peking durch Großbritannien und Frankreich im Jahr 1856 begann man mit diplomatischen Beziehungen und mit der gezielten christlichen Mission. Es folgten von 1883 – 1885 der Chinesisch-Französische Krieg und von 1894 – 1895 der Chinesisch-Japanische Krieg. Danach war der Chinesische Kaiser endlich zu Reformen im Staatsrecht bereit, wodurch sich revolutionäre Parteien bilden konnten.

Chinesische Revolution

Im Jahr 1911 begannen erste politische Revolutionen in den chinesischen Provinzen. Am 1. Januar 1912 wurde der erste chinesische Staatspräsident von einer provisorischen Räteregierung proklamiert. Der politische Befreiungskampf des chinesischen Staatsvolkes dauerte bis 1949 und endete mit dem Sieg der Kommunisten unter Mao Tse-tung. Die Nationalisten unter Tschiang Kai-schek und die Monarchisten wurden besiegt und als Genossen in den neuen chinesischen Volksstaat integriert. Am 01.10.1949 wurde die Volksrepublik China begründet, die seitdem staatsrechtlich sehr stabil ist. Ein Grund dafür dürfte die sowohl vertikal als auch horizontal erfolgte soziale Dreigliederung (s.o.) sein, die China in den zwei Jahrtausenden Kaiserreich als national-soziale Besonderheit kultiviert hat. Am 26.10.1971 wurde die Volksrepublik China als die Rechtsnachfolgerin des chinesischen Kaiserreichs völkerrechtlich anerkannt.

Siehe auch

Cn flag.png Den Begriff Rechtsgeschichte im chinesischen juristischen Web finden
Cn flag.png Den Begriff "法律的历史" OR "法制史" im chinesischen juristischen Web finden
International.png Den Begriff Legalismus OR Taoismus im weltweiten juristischen Web finden

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