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Inquisitionsgericht

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Nach dem Papsterlass „Dictatus Papae“ aus dem Jahr 1073 entwickelte sich das römische Inquisitionsgericht in Europa zum juristischen Werkzeug des christlichen Fundamentalismus. Das ausgleichende Gerechtigkeitsspiel der beiden Gewalten Kirche und Staat war von Papst Gregor VII., dem Heiligen (ca. 1025 – 1085), abgeschafft worden – eine menschliche Erneuerung des Gottesgnadentums als Rechtsbegründung. Der logische Fehler wurde von den Männern sehr lange nicht erkannt.

Die schwäbische Stauferdynastie in Person des Kaisers Friedrich II. (1194 – 1250) scheiterte in ihrem politischen Widerstand gegen diesen päpstlichen Allmachtsanspruch (= Besessenheit), den erst das Konkordat mit Nazi-Deutschland 1933 völkervertraglich wieder abgeschafft hat.

Ursprünglich war Ketzerei im Römischen Reich nur in schweren Fällen vom Kaiser bestraft worden. Ab dem Jahr 1073 bedeutete die geringste Abweichung von der römisch-katholischen Kirchenlehre eine Verleugnung der alleinigen Autorität des Papsttums. Die einzige Strafe für dieses Verbrechen war nun die Läuterung der verirrten Seelen durch den Feuertod des sündhaften Leibes. Die kaiserlichen Gerichte und Henker waren zu Helfershelfern der Kirchenrichter (= Inquisitoren) degradiert worden.

Im Jahr 1232 wurde das neue päpstliche Institut des „Heiligen Offiziums“ (vergleiche: Heilige Synode) im Machtkampf mit Stauferkaiser Friedrich II. juristisch eingerichtet. Die menschenverachtenden und menschenvernichtenden Auswirkungen dieses Kirchenabsolutismus führten im Jahr 1495 aus der allgemeinen Not heraus zur Einrichtung eines kaiserlichen Obersten Reichsgerichts in Frankfurt am Main. Nun war zumindest gerichtspraktisch in Einzelfällen die Möglichkeit gegeben, eine ausgleichende Gerechtigkeit zwischen kaiserlichen und päpstlichen Anhängern zu suchen. Machtpolitisch sollte es noch Jahrhunderte dauern, bis das Gewaltengleichgewicht Europas durch völkerrechtliche Verträge zwischen dem Vatikan und den Nationalstaaten eine neue juristische Ebene erreichte: die Römischen Verträge.


Inquisitionsprozess

Das im Germanischen und Römischen Recht übliche Akkusationsverfahren (Anklageprozess) wurde zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert vielerorts in Westeuropa durch den päpstlichen Inquisitionsprozess verdrängt. Alle Erwachsenen im Reich waren eidlich zur Anzeige der ihnen bekannt gewordenen Ketzer verpflichtet. Im Prozess wurden die Namen der Zeugen geheim gehalten und Folter war zur Erpressung von Geständnissen erlaubt. Nun reichte ein böses Gerücht oder Denunziation zur Prozesseröffnung aus. Die Inquisitoren hatten völlig freie Hand und waren nur dem Papst Rechenschaft schuldig. Sie wurden häufig zu fanatischen Tyrannen der Willkür.

Hilfe durch einen Rechtsbeistand und das Rechtsmittel der Berufung waren im Inquisitionsprozess ausgeschlossen. Dem Inquisitor war Milde untersagt. Es ging im Prozess nur um das Brechen des fremden Willens, d.h. um Inkultation. Die Familien der Inquisiten wurden ihres Eigentums durch gesetzlich verhängte Konfiskation beraubt. Vom konfiszierten Vermögen erhielten die Inquisitoren ab 1252 ein Drittel, später noch mehr. Nun war die Römisch-Katholische Kirche mit der Inquisition zu einer großen Räuberbande verkommen ...

Die politischen Folgen in Europa waren die Reformation, Gegenreformation, Befreiungskriege, Auswanderung und schließlich die Europäische Aufklärung als Geisteswissenschaft. Eine rechtssoziologische Aufarbeitung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Männer und juristische Personen der Römischen Staatskirche steht noch aus --> Sühnestrafen.


Siehe auch

International.png Den Begriff Inquisitionsgericht im internationalen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff Inquisitionsgericht im deutschen juristischen Web finden
Fr flag.png Den Begriff "tribunal de l'inquisition" im französischen juristischen Web finden ("tribunal de l'inquisition" in Deutsch)

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