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Gottesgnadentum

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Der niederländische Geschichtsprofessor und Sprachwissenschaftler aus Groningen, Niederlande, Johan Huizinga (1872 – 1945) hat für die antike Rechtsbegründung des Gottesgnadentums eine plausible soziologische Erklärung gefunden. Die deutschen Nationalsozialisten fanden dies bedrohlich, da sich der Parteiführer und Deutsche Reichskanzler Adolf Hitler auch - immer noch und immer gerne wieder - auf einen göttlichen Auftrag berief. Die Nazis verschleppten den betagten Wissenschaftler daher 1942 in ein Konzentrationslager. Er fand dort zwar nicht den Tod, verstarb jedoch bald nach seiner Entlassung in seinem Hausarrest.

Sein Werk vom Menschen als ‚Homo Ludens’ war im Jahr 1938 erstmals erschienen. Darin erklärte Johan Huizinga die überkommene Rechtslehre vom Gottesgnadentum folgendermaßen:

"Rechtsprechung und Gottesurteil wurzeln alle beide in einer Praxis agonaler[1] Entscheidung, wo das Los oder die Kraftprobe an sich das endgültige Urteil spricht. Der Kampf ums Gewinnen oder Verlieren ist in sich heilig. Wird er von formulierten Begriffen von Recht und Unrecht beseelt, so erhebt er sich in die Rechtssphäre, wird er dagegen im Licht positiver Vorstellungen von göttlicher Macht betrachtet, dann erhebt er sich in die Sphäre des Glaubens. Primär aber bei allem ist die Spielform."[2]

Handelt es sich bei individuellen Vorstellungen von Menschen um negative ("schwarzmagische") Vorstellungen von göttlicher Macht, dann sagten die alten Christenführer dazu Aberglaube. Heute sprechen die Psychiater von Geisteskrankheit (nicht Besessenheit!!!) und die Psychologen und/oder Soziologen von Sucht oder Hörigkeit im übertragenen, d.h. rein moralischen Sinn.


Religionsphilosophische Betrachtung

Das biblische Buch ‚Ijob‘ gehört zu den Büchern der judäischen Lehrweisheit, d.h. es schildert keine historischen Ereignisse, sondern Lehrgleichnisse (= Märchen bzw. biblische Geschichten). ‚Ijob‘ ist der Name eines monotheistischen Gläubigen im Lande ‚Uz‘. ‚Uz‘ stellt wohl einen begrifflichen Bezug her zum Engelwesen ‚Uzza‘, dem jüdischen Luzifer. ‚Al-Uzza‘ war derjenige der drei Namen der arabischen Großen Göttin des Mondes vom Sinai-Gebirge, der den großmütterlichen Aspekt darstellte. Somit lebte ‚Ijob‘ noch im altarabischen Matriarchat.

Die Rahmenhandlung des Lehrgleichnisses erzählt vom Verlust des Reichtums und der Gesundheit des erfolgreichen Viehzüchters und Familienvaters als harte Bewährungsproben für diesen Angehörigen einer religiösen Minderheit in Arabien. Wie in Goethe’s Meisterwerk „Faust“ ist ‚Ijob‘ der „Spielball“ zwischen dem guten Gott des Judentums und seinem Widersacher ‚Satan‘. DieStreitreden des schwer geprüften Gläubigen mit drei irdischen Freunden, einem irdischen Ankläger und mit Gott selbst sind in wörtlicher Rede überliefert und übersetzt worden. Diese Streitreden gliedern sich folgendermaßen:

1. Ijobs Klage

1.1 Die Last des Lebens

2. Die erste Rede des Elifas (= erster Freund)

2.1 Die Vergeltung

2.2 Ein Traum

2.3 Die Verantwortlichkeit des Menschen

2.4 Die Unterwerfung unter Gott

3. Ijobs Gegenrede

3.1 Das unerträgliche Los

3.2 Die Enttäuschung über die Freunde

3.3 Die Not des Lebens

3.4 Die unbegreifliche Heimsuchung

4. Die erste Rede Bildads (= zweiter Freund)

4.1 Das Gesetz der Vergeltung

4.2 Das Zeugnis der Erfahrung

5. Ijobs Gegenrede

5.1 Gottes Macht

5.2 Die Ohnmacht des Menschen

5.3 Ijobs Klage

6. Die erste Rede Zofars (= dritter Freund)

6.1 Die Größe Gottes

6.2 Die Aufgabe des Menschen

7. Ijobs Gegenrede

7.1 Das Schweigen Gottes

7.2 Das unbegreifliche Walten Gottes

7.3 Das leere Gerede der Freunde

7.4 Die Verteidigung der eigenen Unschuld

7.5 Ijobs Hoffnungslosigkeit

8. Die zweite Rede des Elifas (= erster Freund)

8.1 Die Sündigkeit aller Menschen

8.2 Die Hoffnungslosigkeit des Frevlers

9. Ijobs Gegenrede

9.1 Die leidigen Tröster

9.2 Gottes ungerechter Angriff

9.3 Der Zeuge im Himmel

9.4 Die Klage des Verhöhnten

9.5 Die Not des Verzweifelten

10. Die zweite Rede Bildads (= zweiter Freund)

10.1 Die Selbstverteidigung Bildads

10.2 Das Schicksal des Frevlers

11. Ijobs Gegenrede

11.1 Die Zurückweisung der Schmähung

11.2 Das unbegreifliche Verhalten Gottes

11.3 Die Entfremdung der Verwandten und Freunde

11.4 Ijobs Hoffnung und Vertrauen

12. Die zweite Rede Zofars (= dritter Freund)

12.1 Ijobs unbegründeter Vorwurf

12.2 Das Schicksal des Frevlers

13. Ijobs Gegenrede

13.1 Die Bitte um Geduld

13.2 Das Glück des Frevlers

13.3 Der trügerische Trost

14. Die dritte Rede des Elifas (= erster Freund)

14.1 Ijobs angebliche Freveltaten

14.2 Der allwissende Gott

14.3 Die Mahnung zu Umkehr und Demut

15. Ijobs Gegenrede

15.1 Der Ruf nach Gott, dem Richter

15.2 Der Übermut der Sünder

15.3 Das Ende der Frevler

16. Die dritte Rede Bildads (= zweiter Freund)

16.1 Die Sündhaftigkeit aller Menschen

17. Ijobs Gegenrede

17.1 Leere Worte ohne Wahrheit

17.2 Die Größe der Allmacht Gottes

17.3 Die Unschuldsbeteuerung vor den Freunden

17.4 Der Untergang der Frevler

18. Das Lied über die Weisheit

18.1 Die Erhabenheit der Weisheit

18.2 Gottes Weg

19. Ijobs Schlussrede

19.1 Die gesegnete Vergangenheit

19.2 Die schreckliche Gegenwart

19.3 Erneute Unschuldsbeteuerung vor Gott

19.4 Ijobs Warten auf Gottes Antwort

20. Die erste Rede Elihus (= kein Freund, sondern ein Ankläger)

20.1 Die Selbstvorstellung

20.2 Die Zusammenfassung der Argumente Ijobs

20.3 Gottes vielfältige Zeichen

21. Die zweite Rede Elihus (= der Ankläger)

21.1 Die Verwegenheit Ijobs

21.2 Das gerechte Handeln des Allmächtigen

21.3 Gottes Macht

21.4 Gottes Recht

22. Die dritte Rede Elihus (= der Ankläger)

22.1 Gottes Überlegenheit

22.2 Gottes Langmut

23. Die vierte Rede Elihus (= der Ankläger)

23.1 Über die Vergeltung Gottes

23.2 Über das Leid

23.3 Über Gottes Größe

23.4 Über Gottes Macht

23.5 Über die Furcht vor Gott

24. Die erste Rede Gottes (= Richter)

24.1 Fragen zum Geheimnis der Schöpfung

24.2 Ijobs Antwort

25. Die zweite Rede Gottes (= Richter)

25.1 Gottes Weisheit und Macht

25.2 Ijobs Umkehr und Unterwerfung

Die Rahmenhandlung dieses gespielten Lehrdialogs endet mit einer Buße für die drei Freunde durch das Gottesurteil und mit Ijobs neuem Glück![3]


Fußnoten

  1. Agon = griechisch: Wettkampf
  2. Johan Huizinga, Homo Ludens, Vom Ursprung der Kultur im Spiel, 4. Kap.: Spiel und Recht: Gottesurteil, Losorakel
  3. Die Bibel, Einheitsübersetzung, Das Buch Ijob, Schwabenverlag AG, Ostfildern 1992; Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart 1980


Siehe auch

International.png Den Begriff Gottesgnadentum im weltweiten juristischen Web finden
International.png Den Begriff Karmagesetz im weltweiten juristischen Web finden
International.png Den Begriff "Homo ludens" im weltweiten juristischen Web finden
Eu flag.png Den Begriff "Johan Huizinga" im juristischen Web der Europäischen Union finden