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Bekenntnisschule (de)

aus jurispedia, das gemainsame Recht
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Rechtshistorische und persönliche Betrachtungen

„Der Schulstreit hatte in den Ländern unterschiedlichen Charakter. Nur wenige Kritiker des Verhaltens der Gegner der Gemeinschaftsschule äußerten noch Zweifel an der juristischen Geltung des Konkordats, das nach der Rechtslehre und nach der Praxis der Staaten als völkerrechtlicher Vertrag zu gelten hat. Jedoch wuchs die Zahl derer, denen das starre Festhalten an der Konfessionsschule durch die Kirche, durch manches Kultusministerium und viele Abgeordnete verhängnisvoll erschien. Demgegenüber stand das Axiom der Gegner der Gemeinschaftsschule: Die Schule habe nicht nur zu lehren, sondern vor allem zu erziehen. Erziehung aber setze eine Schülern und Lehrern gemeinsame Weltanschauung voraus, die nicht nur die Auswahl des Lehrstoffes betreffe, sondern auch die Art und Weise bestimme, wie das Lernen selbst in das weltanschauliche Gesamtbild einzuordnen ist. Der konfessionelle Charakter der Erziehung könne also nicht auf die Erteilung des Religionsunterrichts beschränkt bleiben, er erstrecke sich auf alles, was in der Schule mit dem Schüler geschieht. Freilich war damit das Argument der Befürworter der Gesamtschule nicht auszuräumen: Warum bestehe die Kirche nur bei der Volksschule auf der Konfessionalität und nicht auch bei der höheren Schule? …

… Schwieriger waren die Schulgespräche mit den Kirchen und den kirchlich gebundenen Kreisen. Am starrsten verhielt sich der Apostolische Nuntius, Dr. Corrado Bafile, ein Prälat, der in der Vatikanischen Staatskanzlei großgeworden war und daher vom Beginn seiner Laufbahn an das von der vatikanischen Diplomatie so hochgehaltene ‚Principiis obsta‘ – das ‚Sträube dich gleich zu Beginn‘ – vertrat. Er war der festen Überzeugung, dass nur das strikte Festhalten an der unveränderten Konfessionsschule ihr völliges Verschwinden aus dem Schulsystem der Bundesrepublik verhindern könnte. Die deutschen Bischöfe, mit denen ich sprach, dachten flexibler als der päpstliche Prälat, der in seinen Noten an die Bundesregierung über Reichskonkordat und Konfessionsschule zuweilen recht unfreundliche Wendungen gebrauchte.

In Rom konnte ich in einer Privataudienz, die mir Papst Paul VI. gewährte, ein zweites Mal über das Schulwesen in der Bundesrepublik sprechen. Ich hatte schon bei der ersten Begegnung im Jahr zuvor einen starken Eindruck von diesem Mann gewonnen, der mir in seiner Gebrechlichkeit schonungsbedürftig erschien, bis im Gespräch unmissverständlich offenbar wurde, dass dieser Träger der Tiara in den fundamentalen Fragen der römischen Katholizität keine noch so schmale Abweichung vom Dogma und der Sittenlehre zulassen wird. Andererseits zeigte sich, dass auch Paul VI. in allem, was nur die Erscheinungsformen des kirchlichen Selbstverständnisses anging, der Formel seines Vorgängers Johannes XXIII. vom notwendigen ‚Aggiornamento‘ treu zu bleiben entschlossen war. Auf diese Bereitschaft konnte jemand, dem daran gelegen war, dass auch die Kirche dem Staat gebe, was des Staates ist, einige Hoffnungen setzen. …

… In den einzelnen Ländern kam es nach und nach zu Einigungen mit den Kirchen und den kirchlichen Kreisen über die Gestaltung der Gemeinschaftsschule, durch die nun auch auf dem flachen Lande die Zwergschule aufgehoben werden konnte. So gut wie in allen Ländern wurde dort, wo Eltern konfessionell geprägten Unterricht verlangten, diesem Begehren Rechnung getragen. Praktisch wurde durch die Summe dieser Ländervereinbarungen, denen die entsprechenden Landesgesetze folgten, die Gemeinschaftsschule in der Bundesrepublik zur Regelschule und der Streit um die Konfessionsschule gegenstandslos.“[1]

Links

  1. Carlo Schmid, Erinnerungen, Seite 803/804, Scherz Verlag, Bern München Wien 1979


Siehe auch

De flag.png Den Begriff Bekenntnisschule im deutschen juristischen Web finden