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Hauptseite > Rechtssoziologie > Willkür > unbestimmbarer Rechtsbegriff
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Der lateinische Begriff ‚arbitrium brutum‘ bezeichnet die menschliche Willkür, die nur durch sinnliche Antriebe, d.h. pathologisch bestimmt wird.

Beispiele:


„Eine Willkür nämlich ist bloß tierisch (arbitrium brutum), die nicht anders als durch sinnliche Antriebe, d.i. pathologisch bestimmt werden kann. Diejenige aber, welche unabhängig von sinnlichen Antrieben, mithin durch Bewegursachen, welche nur von der Vernunft vorgestellet werden, bestimmet werden kann, heißt die freie Willkür (arbitrium liberum), und alles, was mit dieser, es sei als Grund oder Folge, zusammenhängt, wird Praktisch genannt. Die praktische Freiheit kann durch Erfahrung bewiesen werden. Denn, nicht bloß das, was reizt, d.i. die Sinne unmittelbar affiziert, bestimmt die menschliche Willkür, sondern wir haben ein Vermögen durch Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nützlich oder schädlich ist, die Eindrücke auf unser sinnliches Begehrungsvermögen zu überwinden; diese Überlegungen aber von dem, was in Ansehung unseres ganzen Zustandes begehrungswert, d.i. gut und nützlich ist, beruhen auf der Vernunft. Diese gibt daher auch Gesetze, welche Imperativen, d.i. objektive Gesetze der Freiheit sind, und welche sagen, was geschehen soll, ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Naturgesetzen, die nur von dem handeln, was geschieht, unterscheiden, weshalb sie auch praktische Gesetze genannt werden.“[1]


„… Ob bei Individuen oder Staaten – als radikal Böses bezeichnet Kant nicht eine extreme Bosheit, sondern ein von der Wurzel (lat. Radix) her Böses. Weil es angeboren ist, stellt es ein unüberwindliches Element dar. Es bedeutet aber keine Anlage, sondern lediglich einen Hang: im Konfliktfall die (moralische) Pflicht der (sinnlichen) Neigung unterzuordnen und im Zusammenleben die Gewalt dem Recht vorzuziehen. Innerhalb eines Staates wird dieser Hang insofern ‚sehr verschleiert‘, als man wegen drohender Sanktionen zumindest den juridischen Teil moralischer Pflichten zu befolgen pflegt. In den internationalen Beziehungen kann aber mangels ‚eines gemeinschaftlichen äußeren Zwanges‘ davon keine Rede sein. Und die vielen Kriege belegen die hier einschlägige ‚gewurzelte Bösartigkeit‘, die Bereitschaft zur Gewalt, deutlich genug. … Wer deshalb dem Frieden unter den Staaten keinerlei Chance einräumt, übersieht, dass die Staaten nur bösartig, nicht auch moralisch verderbt sind und dass die Bösartigkeit keine Anlage, nur ein Hang ist. Kant hegt nicht etwa die Erwartung, dass die Staaten-Individuen ihre Gewaltbereitschaft einmal von Grund auf und vollständig aufgeben. Einem derartig wirklichkeitsfremden Optimismus könnte der Friedensskeptiker auch allzu leicht seinen Realismus entgegenhalten. Kant achtet vielmehr auf die politische Wirklichkeit genauer und bemerkt, dass die Staaten ‚wenigstens den Worten nach‘ den moralischen Rechtsbegriff anerkennen. Statt in blankem Zynismus einfachhin Kriege vorzunehmen, führen sie nämlich ‚immer treuherzig‘ gewisse Rechtfertigungsgründe an …“[2]


Fußnoten

  1. Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Der transzendentalen Methodenlehre zweites Hauptstück, Des Kanons der reinen Vernunft erster Abschnitt, Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft, A 802/B 830, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1998
  2. Otfried Höffe, „Königliche Völker“, Zu Kants kosmopolitischer Rechts- und Friedenstheorie, 11.4 Das Böse im Verhältnis der Völker, Seite 235, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1519, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2001

Siehe auch

De flag.png Den Begriff "arbitrium brutum" im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff "Otfried Höffe" im deutschen juristischen Web finden
De flag.png Den Begriff pathologisch im deutschen juristischen Web finden